Horgen

Als Fussballstar Pelé in Horgen Party machte

Vor 50 Jahren empfing der FC Zürich den FC Santos zu einem Freundschaftsspiel. Logiert hat die brasilianische Gastmannschaft mit Stürmerstar Pelé in einem Horgner Hotel. In der letzten Nacht entschwand Pelé im Dorf. Vier Horgner erinnern sich an ihre feuchtfröhlichen Stunden mit der Fussballlegende.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Car steht am frühen Sonntagmorgen des 16. Juni 1968 bereits vor dem Eingang des Hotels Meierhof. Er wird die Mannschaft des FC Santos zum Flughafen fahren, von wo ihre Europatournee weitergeht. Doch ihr wichtigster Spieler fehlt an diesem Morgen: Edson Arantes do Nascimento, genannt Pelé. Der Stürmer ist nicht zum Frühstück aufgetaucht. Und auch im Hotelzimmer findet man ihn nicht. Der weltberühmte Fussballer: in Horgen verschwunden.

Hier, in der Gemeinde am Zürichsee, logiert die Mannschaft aus Brasilien seit Donnerstag. Trainiert wird auf dem Sportplatz in der Horgner Allmend, stets unter der Beobachtung vieler Fans. Grund für den Besuch des FC Santos in der Schweiz ist das Freundschaftsspiel am Samstagabend gegen den FC Zürich.

Es ist ein Spiel, das den 16 000 Zuschauern im Letzigrund in Erinnerung bleiben wird. Nicht nur wegen des strömenden Regens an jenem Abend. Sondern vor allem weil der FCZ den Match mit 5:4 gewinnt. Eine Sensation.

Ein Weltstar am Zürichsee: Werner Schmid filmte das Training der Fussballlegende auf der Horgner Allmend.

Pelé begrüsst die Frauen

Ein halbes Jahrhundert ist seither vergangen. Aber die Erinnerungen sind immer noch wach. «Als wäre es gestern gewesen», sagt Lilly Baumann. Die Horgnerin meint damit vor allem die Stunden nach dem Match. Denn sie war Schuld an Pelés Verschwinden. Doch der Reihe nach:

Als die Mannschaft nach dem Sensationsspiel an jenem Samstagabend zurück ins Hotel kommt, sitzt Lilly Baumann mit ihrem Mann Werner und Freunden im fünften Stock des Meierhofs, in der Hotelbar. Nicht zufällig natürlich. Denn man sucht den Kontakt zu den brasilianischen Spielern. Diese tauchen dann tatsächlich in der Bar auf. Unter ihnen: Pelé, der Weltstar. Schnell mischt sich dieser unter die Horgner. «Er begrüsste alle Frauen in der Bar. Pelé war eben schon damals sehr charmant», erzählt Baumann lächelnd.

Bier, Schnaps, Zigarre

Je länger der Abend, desto geselliger die Stimmung. Bis um halb drei Uhr nachts. Dann schickt der Mannschaftsbetreuer die Stars ins Bett. Fertig Party. Doch der Betreuer macht die Rechnung ohne Baumann. «Ich wollte, dass Pelé zu uns nach Hause kommt.» Dort soll die Party weitergehen. Pelé gefällt die Idee sofort. Zusammen mit vier anderen Santos-Spielern schleicht er sich davon.

In Baumanns Auto geht’s an die Gartenstrasse 4. Und dort, in der Wohnung des Ehepaars Baumann, wird der Abend verlängert. Ein Dutzend Leute sind es jetzt. Zu ihnen zählen auch das Paar Werner und Lydie Schmid sowie ein brasilianischer Sportreporter. Die Frau und der Reporter sprechen französisch und übersetzen so zwischen den Horgnern und den Brasilianern. Sie parlieren über Fussball, den Winter in der Schweiz und über die schöne Region am Zürichsee.

Alle miteinander bedienen sich an Baumanns gut gefüllter Hausbar. Man trinkt Bier, reicht Schnaps herum, raucht Zigarre. «Es war eine lustige und feuchtfröhliche Nacht», erinnert sich Werner Schmid. Und sein Jugendfreund Werner Baumann ergänzt: «So etwas erlebt man nur einmal im Leben.»

Rüffel für den Star

Das einmalige Erlebnis dauert an jenem Juniwochenende bis um halb sieben in der Früh. Dann fährt Werner Schmid die Fussballer wieder zurück zum Hotel und lässt die vorübergehend verschwundenen Spieler so wieder auftauchen. Ihr nächtlicher Ausflug kommt beim Trainerstab gar nicht gut an. Es gibt Rüffel für Pelé und Co. «Die armen Cheiben durften vor der Abfahrt mit dem Car nicht einmal mehr frühstücken. Ich hatte richtig Mitleid mit ihnen», erinnert sich Lilly Baumann.

Bei den vier Horgnern hat der damals 27-jährige Pelé einen bleibenden, positiven Eindruck hinterlassen. «Er war sehr sympathisch», sagt Lydie Schmid, «hatte überhaupt keine Allüren.» Das sei ihm auch heute noch anzusehen, finden die vier einmütig. Herumerzählt haben Baumanns und Schmids ihr besonderes Erlebnis nie, sagen sie.

Die speziellen Stunden in jener Juninacht sind aber nicht nur den Horgnern in guter Erinnerung geblieben, sondern auch Pelé selber. Das wissen die vier Senioren aus erster Hand. Denn in den 90er-Jahren kam es zu einer erneuten Begegnung: Lilly Baumann traf den Fussballstar an einer Autogrammstunde im Zürcher Warenhaus Jelmoli. «Als ich ihm die Fotos von jener Nacht zeigte, flippte er fast aus vor Freude.»

Am Mittwochabend ist das Freundschaftsspiel von 1968 Thema im Vereinsmuseum des FC Zürich. In einer Talkrunde sprechen damals Beteiligte über den besonderen Match. 19.30 Uhr, Werdstrasse 21, Zürich. Infos unter: www.fcz-museum.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 14:22 Uhr

Artikel zum Thema

Vier Altbewährte und ein Neuling sorgen für Public Viewing

WM 2018 Es soll etwas laufen im Dorf. Das ist die Hauptmotivation für die Organisatoren der Public Viewings im Bezirk. Reich wird damit niemand. Rekordverdächtige fünf Grossveranstaltungen buhlen um die Gäste. Angst vor Konkurrenz hat offenbar niemand. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.