Circus Knie

Als der Circus Knie mit Affen und Nilpferden nach Wädenswil kam

Lange Zeit ging der Circus Knie auch in den Zürcher Gemeinden am See auf Tournee. Eine Rückschau auf die Zeit, als nebst Elefanten auch Affen und Nilpferde mit dem Zirkus unterwegs waren.

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Diese Woche feiert der Circus Knie zum 100. Mal Premiere als National-Circus. Seit vielen Jahren findet diese Premiere in Rapperswil statt, wo Knie sein Winterquartier hat. Eine Tradition, die seit Ewigkeiten Bestand hat? Nein, wie ein Blick ins Archiv zeigt. 1924 fand die Premiere nämlich in Wädenswil statt – mit einem für die heutige Zeit undenkbaren Programm. Der Zirkus von damals hat mit dem heutigen nämlich kaum mehr etwas gemeinsam. Zwar spielte die Akrobatik schon damals eine grosse Rolle, der Zirkus war aber vielmehr auch ein wandernder Zoo.

Die grosse Raubtierschau – angepriesen als «interessant und lehrreich» – galt damals als grosses Highlight. Angepriesen wurden nicht nur Tiger und Löwen, sondern auch Leoparden, Bären, Wölfe, Kamel und Dromedar, Lama, Zebra, Zebu-Stier, Känguru, Waschbär, Beuteltier, Malaienbär, zwanzig Affenarten, Papageien und Seegeier. Dazu kamen zwei afrikanische Zwergesel, Pferde, Ponys, Hunde und der «Wunderelefant Dicky». Der «Allgemeine Anzeiger vom Zürichsee», die heutige «Zürichsee-Zeitung», berichtete denn damals auch begeistert von der Premiere: «Das Gebotene hat die gestellten Erwartungen bedeutend überflügelt.»

Besonders gelobt wurde die «Hand- und Kopfakrobatik» der Familie Knie, «welche in Paris während des vergangenen Winters grosse Triumphe feierten». Auch die «hervorragenden neuesten Tierdressuren und Reiternummern», fand die Zeitung damals hervorhebenswert.

Eine andere Zirkuswelt: So berichtete das Schweizer Fernsehen 1966 von der Knie-Premiere. Quelle: SRF/Youtube

Der Circus Knie gastierte aber bereits vor seiner Zelt-Ära in der Region, wie der Wädenswiler Historiker Peter Ziegler mit seinem akribisch geführten Archiv belegen kann. 1870 ist der erste Arena-Auftritt dokumentiert. 1901 warb Ludwig Knie im «Allgemeinen Anzeiger» dann auch mit Inserat für die Vorstellungen. Die «rühmlichst bekannte Künstlerfamilie» sei hier eingetroffen und zeige Gymnastik und Tänze auf dem «hohen Turmseil». Beiwohnen durfte man für 40 Rappen, für einen Stehplatz waren 30 Rappen fällig.

Grösstes dressiertes Nilpferd

In der Zelt-Zeit zwischen 1919 und 2019 gastierte Knie 23-mal in Wädenswil – und sorgte jedes Mal für Aufsehen. Ein «Maschinenmensch, 15 indische Elefanten und Oedipus, das grösste dressierte Nilpferd der Welt», machten 1944 Schlagzeilen. 1959 berichtete der «Allgemeine Anzeiger» völlig fasziniert vom hohen Futterbedarf. 50 bis 60 Kilogramm Heu, 20 Kilogramm Hafer und Kleie vermischt sowie 50 bis 70 Liter Wasser – pro Elefant und Tag: «Und dabei sind es weit über ein Dutzend Raubtiere und neun Elefanten ...» Zwei Jahre später war weniger das Futter ein Thema, sonder der «einzig reisende Gorilla in der Schweiz». Das Tier habe einen Anschaffungswert von 20000 Franken. «Um Tarzan überhaupt in der Schweiz zu zeigen und transportieren zu können, musste für ihn eine Spezialwohnung konstruiert werden.»

Noch älter sind diese Archivaufnahmen: Sie zeigen eine Knie-Show aus dem Jahre 1954. Quelle: RTS/Youtube

Heute sind Raubtiere oder Elefanten im Zirkus undenkbar: 2004 gab Knie die Raubtierhaltung auf, 2015 traten die Elefanten letztmals in der Manege auf. Zirkusdirektor Fredy Knie junior sagte kürzlich in einem Interview mit dieser Zeitung: «Vor 50 Jahren waren die Raubtiere in Zirkuswagen, und man hielt das so für richtig. Heute weiss man durch die Forschung, dass die Tiere mehr Auslauf und grosse Gehege brauchen.» Die Plätze, auf denen der Zirkus gastiere, seien jedoch kleiner geworden. «Auf 80 Prozent der Plätze konnten wir den erforderlichen Raum für die Tiere nicht mehr bieten. Wir wollten keine Kompromisse eingehen.»

In Lugano traten Franco Knie jun., seine Frau Linna Knie-Sun und ihr Sohn Chris Rui im Dezember 2015 zum letzten Mal mit Elefanten in der Manege auf. Video: Ueli Abt

Heute fährt der Circus Knie auch nicht mehr an ganz so viele Spielorte wie in der Vergangenheit. Standen Ende der 1950er-Jahre noch über 60 Gastspielorte auf dem Programm, sind es in diesem Jahr noch 33. 1996 endete so denn auch die Knie-Ära in Wädenswil, ein letzter Hauch von Exotik wehte durch die Stadt. Oder wie diese Zeitung damals schrieb: «Hin und wieder ragte ein Rüssel aus der Türspalte und vollführte die tollsten Kapriolen zur Begrüssung der neugierigen Wädenswiler.»

Erstellt: 19.03.2019, 15:29 Uhr

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