Adliswil

Adliswiler versenken Pläne für Stadthausareal

Mit einem Nein-Anteil von 61 Prozent lehnen die Stimmbürger die Pläne für die Überbauung des Stadthausareals ab. Bereits kursieren erste Ideen, wie es nun weitergehen soll.

Bleibt vorderhand, wie es ist: das 6000 Quadratmeter grosse Stadthausareal direkt neben der Sihl.

Bleibt vorderhand, wie es ist: das 6000 Quadratmeter grosse Stadthausareal direkt neben der Sihl. Bild: Steve Springer

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Über sieben Jahre hat Henrik J. Stump von der Leutschenbach AG gewartet – vergeblich, wie sich am Sonntag herausgestellt hat. Das Adliswiler Stimmvolk lehnt sein Projekt zur Entwicklung des Stadthausareals ab. Der Entscheid fiel mit 2669 Nein- zu 1714 Ja-Stimmen deutlich aus, der Nein-Anteil beträgt 61 Prozent. Die Stimmbeteiligung liegt bei 45,5 Prozent. «Ich finde es schade, aber das ist Demokratie», sagt Stump zum Ergebnis. Er bedauert, dass es eine Minderheit des Grossen Gemeinderates geschafft habe, die Bevölkerung so zu verunsichern, dass das Projekt nun scheiterte.

Gemäss Vorlage hätte über die Hälfte der 6000 Quadratmeter grossen Fläche im Zentrum für 5,5 Millionen Franken an die Leutschenbach AG verkauft werden sollen. Den übrigen Teil hätte die Stadt der Investorin im Baurecht abgegeben. Vorgesehen waren auf dem Areal vier Gebäude: ein Wohnhaus, ein Hotel und Restaurant, ein Mehrgenerationenhaus sowie ein Ärzte- und Gesundheitszentrum. Im Erdgeschoss hätte es zudem Platz für Gewerbe gegeben. Der Zugang zum Sihlufer hätte aufgewertet werden sollen.

Abstimmung wegen Urteil

Das Projekt der Leutschenbach AG wurde bereits 2011 in einem Wettbewerb von der Stadt zum Sieger erkoren. Ein Jahr zuvor hatten 60 Adliswilerinnen und Adliswiler in einem Workshop die Zukunft des Areals diskutiert. Aus diesen Vorschlägen gingen die Nutzungsvorgaben für den Investorenwettbewerb hervor.

Das Parlament genehmigte das Geschäft im Dezember 2015 – allerdings vergeblich, wie sich später herausstellte. Grund ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts. Hätte die Stadt beim Investorenwettbewerb der meistbietenden Firma den Zuschlag gegeben – auch wenn diese die von der Stadt definierten Auflagen nicht erfüllte – hätte sie das Areal für über 11 Millionen Franken mehr verkaufen können. Wegen dieses hohen Einnahmeverzichts musste das Geschäft zwingend an der Urne entschieden werden.

Gerade dieser Einnahmeverzicht war es, der im Vorfeld der Abstimmung viel zu reden gab. Die Gegner kritisierten, dass die Stadt das Grundstück an zentralster Lage zu einem tiefen Preis weggeben will – beziehungsweise überhaupt verkaufen will. Auch mit der Ausgestaltung war man nicht zufrieden. Die vor über sieben Jahren erstellten Nutzungs- und Gestaltungspläne würden nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen entsprechen. Schliesslich war der Erhalt der blauen Grundsteinhäuser am Brückenkopf ein zentrales Anliegen – beim vorgeschlagenen Projekt wären sie abgerissen worden. Freie Wähler, Grüne, SP und GLP gründeten deshalb ein Allianzkomitee und bekämpften die Vorlage.

Eine klare Grundlage

«Es ist wohl ein Mix dieser drei Kritikpunkte gewesen, warum die Bevölkerung gegen das Projekt gestimmt hat», meint Heinz Melliger, Präsident der Freien Wähler. Er wertet das Ergebnis als erfreulich: «Es ist ein Gewinn für die Adliswiler Bevölkerung, die nochmals eine Chance erhält, Einfluss auf die Gestaltung dieses wertvollen Areals im Zentrum zu nehmen.»

«Das deutliche Resultat ist gut für den Stadtrat. Alle Fakten lagen auf dem Tisch, wir haben jetzt eine demokratisch sauber abgestützte Meinung der Bevölkerung bei einer sehr hohen Stimmbeteiligung.»Karin Fein, Finanzvorsteherin

Von einem Neustart auf Feld 1 spricht auch Adliswils Finanzvorsteherin Karin Fein (Freie Wähler): «Das deutliche Resultat ist gut für den Stadtrat. Alle Fakten lagen auf dem Tisch, wir haben jetzt eine demokratisch sauber abgestützte Meinung der Bevölkerung bei einer sehr hohen Stimmbeteiligung. Das gibt eine bessere Grundlage für das weitere Vorgehen.» Wie dieses aussieht, ist allerdings noch offen. In einer der nächsten Sitzungen werde der Stadtrat darüber diskutieren. Auch bezüglich der Zukunft der Grundsteinhäuser kann Fein noch keine Aussage machen. Klar sei, dass es Modernisierungsmassnahmen brauche, falls die Gebäude stehen bleiben. Und dazu brauche es erst einmal ein Nutzungskonzept.

Konsequenzen gefordert

Erste Ideen, wie es weitergehen könnte, hat Heinz Melliger von den Freien Wählern. Die Rückmeldungen, die man an den Gesprächen im Abstimmungskampf erhalten habe, werde man zusammentragen. So könne der Stadtrat die Kritikpunkte und neuen Anforderungen in seine Planung aufnehmen. «Ich persönlich würde den Workshop aus dem Jahr 2010 nochmals wiederholen», sagt Melliger und hält fest: «Wir werden den Stadtrat unterstützen, um ein mehrheitsfähiges Projekt mitzutragen.»

Eine klare Ansage macht bereits die FDP. Sie hatte die Vorlage befürwortet und bereits am Sonntagnachmittag Stellung zum für sie negativen Ergebnis bezogen. «Jetzt konsequent sein und Stadthausareal zu Höchstpreis verkaufen», proklamieren sie. Das Abstimmungsresultat zeige, dass der von den Gegnern energisch angeprangerte Einnahmeverzicht von der Bevölkerung stärker gewichtet werde als die Auflagen zur öffentlichen Nutzung des Areals. Die FDP werde sich für einen Verkauf des Stadthausareals zum Marktpreis einsetzen und fordert die Gegner des Projekts auf, sich dieses Anliegen der Bevölkerung zu Herzen zu nehmen.

Kaum mehr mit von der Partie sein wird dann Henrik J. Stump mit seiner Leutschenbach AG. Er lässt durchblicken, dass ihm die Lust, in Adliswil zu investieren, im Moment etwas vergangen sei. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.05.2019, 18:20 Uhr

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