Adliswil

Adliswiler Bushofprojekt stösst plötzlich auf Kritik

Im September stimmen die Adliswiler über das 20-Millionen-Projekt für einen Bushof und eine darunterliegende Tiefgarage ab. Bisher war es politisch unumstritten. Doch nun kritisiert die GLP, dass das Projekt den ÖV kaum verbessere.

Der Stadtrat bewilligte im letzten Dezember 20 Millionen Franken für die Umsetzung des ambitionierten Projekts.

Der Stadtrat bewilligte im letzten Dezember 20 Millionen Franken für die Umsetzung des ambitionierten Projekts. Bild: zvg/Visualisierung

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Im Januar 2018 tut sich in Adliswil eine Handvoll Politikinteressierter zusammen und gründet einen lokalen Ableger der Grün­liberalen Partei (GLP). Im April gewinnt diese junge Partei prompt zwei Sitze im Adliswiler Stadtparlament. Und jetzt tritt sie erstmals laut auf: «Das Bushofprojekt ist langfristig nicht sinnvoll», sagt GLP-Präsident Stefan Neubert. Die GLP hat zum Projekt, über das die Adliswiler am 23. September abstimmen werden, die Nein-Parole beschlossen. Ein Entscheid, der überrascht.In der Vorlage geht es um einen Kredit von 19,8 Millionen Franken.

Damit will die Stadt auf der Florastrasse zwischen Migros und Bahngleisen einen Bushof mit vier überdachten, erhöhten Haltekanten bauen. Zudem soll darunter eine Tiefgarage mit 84 Parkplätzen entstehen. Von dieser soll man künftig direkten Zugang zum Bahnperron und zur Migros haben. Von den Gesamtkosten würden rund 10 Millionen Franken für die Tiefgarage aufgewendet werden.

Tiefgarage ist Teil des Deals

Genau diese Tiefgarage ist, was den Grünliberalen am Projekt besonders missfällt. «Schon heute haben wir zu den Stosszeiten viel Verkehr im Zentrum», sagt Stefan Neubert, «das wird sich mit der Tiefgarage noch akzentuieren.» Folglich würden auch die Busse häufiger im Stau stecken bleiben.

Für den Stadtrat ist indes klar: Ohne Tiefgarage kein Bushof. «Die Garage ist das Schlüsselelement in diesem Projekt», betont die zuständige Stadträtin Carmen Marty Fässler (SP). Denn: Um den Bushof überhaupt bauen zu können, muss die Stadt von Privaten Land erwerben. Auf den Grundstücken entlang der Florastrasse befinden sich heute vorwiegend Parkfelder. Für diese Plätze – 26 an der Zahl – muss die Stadt anderswo Ersatz bieten können. So der Deal. Darum hatte der Stadtrat beschlossen, im Boden unter dem Bushof dafür Platz zu schaffen. Doch GLP-Präsident Neubert findet: «Dass man deshalb gleich eine überdimensionierte Garage mit 84 Parkplätzen bauen muss, ist nicht nachvollziehbar.»

Werkvorsteherin Marty Fässler begründet: Der Boden müsse zwischen der Einfahrt zur heutigen Sunnemärt-Tiefgarage und dem Bahnhofgebäude ohnehin aufgerissen werden, um Garage, Bushof und Bahnhofperron unterirdisch miteinander zu verbinden. «Wenn wir also schon eine so grosse Baugrube schaffen, wollen wir sie auch optimal ausnutzen.»

Keine Verbesserung für ÖV?

Ein weiterer Kritikpunkt der GLP: Der Bushof, der Ende 2020 fertig sein soll, verbessere die heutige Situation für die ÖV-Benutzer nicht gross. Abgesehen von den höheren und überdachten Haltekanten. Richtige Förderung des öffentlichen Verkehrs sehe anders aus. Stattdessen begünstige der Stadtrat den Autoverkehr. Dafür spreche auch ein Eintrag im neuen Stadtentwicklungskonzept. Darin wird ein Projekt Parkhaus Kronenwiese erwähnt. Für die Grünliberalen ist darum klar: «Was den Verkehr anbelangt, schlägt der Stadtrat in der Zentrumsentwicklung generell die falsche Stossrichtung ein», meint Stefan Neubert. Seine Partei verlange deshalb eine Auseinandersetzung mit der Frage, was Adliswil für ein Stadtzen­trum wolle.

Sieht sich der Stadtrat als Förderer des Autoverkehrs? «Nein, überhaupt nicht», sagt Stadtpräsident Farid Zeroual (CVP). Er verstehe die Kritik am Bushofprojekt nicht. Für die Busbenutzer werde sich die heute unübersichtliche Situation markant verbessern, zum Beispiel dank des unterirdischen Zugangs zum Perron. «Zudem erlaubt der Bushof einen dichteren Fahrplan und längere Busse», ergänzt Zeroual. Auch werde die Situation sicherer, weil die Florastrasse für Autos nicht mehr durchgängig befahrbar sein werde.

Grüne sind anderer Meinung

Zum Projekt Parkhaus Kronenwiese sagt der Stadtpräsident: «Das ist lediglich eine Idee, die es längerfristig zu prüfen gilt.» Das Verkehrsproblem im Adliswiler Zentrum werde ohnehin hauptsächlich vom Durchgangsverkehr verursacht.

So sieht man es auch bei den Grünen. Sie würden das vor­liegende Bushofprojekt nach wie vor unterstützen, teilt Gemeinderätin Marianne Oswald (Grüne) mit und begründet: «Die Vorteile überwiegen.» Auch die CVP als Fraktionspartnerin der GLP unterstützt die Vorlage, wie sie auf Anfrage sagt. Die übrigen Adliswiler Parteien gaben ihre Parole zum Bushof zwar noch nicht bekannt. Eine weitere Nein-Parole ist aber nicht zu erwarten. Denn im Grossen Gemeinderat haben die Parteien die Vorlage im April bereits einstimmig angenommen. Die GLP war damals im Parlament noch nicht vertreten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.08.2018, 15:05 Uhr

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