Wädenswil

Zukunft der Bretter-Badi bewegt die Wädenswiler

Die Bretter-Badi ist gleichermassen beliebt wie alt. Wie die Zukunft der Anlage aussieht, ist noch offen. Die Stadt prüft die Möglichkeiten einer Verpachtung. Das kommt aber nicht bei allen gut an.

Wie geht es mit der Bretter-Badi in Wädenswil weiter? Die «Brättli-Badi-Frauen» befürchten, dass der jetzige Bademeister den Frauenbereich aufheben will, um statt dessen ein Bistro zu eröffnen.

Wie geht es mit der Bretter-Badi in Wädenswil weiter? Die «Brättli-Badi-Frauen» befürchten, dass der jetzige Bademeister den Frauenbereich aufheben will, um statt dessen ein Bistro zu eröffnen. Bild: Moritz Hager

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In der Wädenswiler Bretter-Badi tobt ein Kleinkrieg. Dass die Badi am Sonntag wegen Krankheit des Bademeisters geschlossen blieb, sorgte bei einigen Stammgästen für Unmut. Gleich mehrere Leser wandten sich in der Folge an die ZSZ. Wie sich herausstellte, reicht die Kritik noch weiter.«Die Badi wird nicht mehr gepflegt», moniert Eveline Frei. Auch sei es nicht das erste Mal, dass die Anlage in der Hochsaison geschlossen bleibt. «Es kam bereits einmal vor, dass die Badi erst um 17 Uhr öffnete.» Ähnliches berichtet auch Meike Nau Lüber: «Die Probleme haben mit dem neuen Bademeister angefangen.»

In einem Schreiben, das der ZSZ vorliegt, hat sie den stellvertretenden Leiter der Wädenswiler Bäder, Horst Schreier, bereits Anfang Juni auf kleinere Missstände hingewiesen. Die Mängelliste reicht von einem kaputten Getränkeautomaten über zu wenig Stühle und Tische bis hin zu abfälligen Bemerkungen des Bademeisters. Dieser soll die Stammgäste als «Krampfadermafia» bezeichnet haben. Unterzeichnet ist der Brief von den «Brättli-Badi-Frauen».

Rutschiger Hubboden

Die ZSZ war mit Stadtrat Jonas Erni (SP) vor Ort und hat sich selbst ein Bild gemacht. Die Holzbadi, die seit 1923 existiert, bewegt die Wädenswiler noch heute, das wird schnell klar. Die Besucher im gemischten Bereich scheinen weitgehend zufrieden mit der Infrastruktur. Ein älterer Herr verwickelt Erni auf der Dachterasse ins Gespräch. «Lassen Sie die Badi so wie sie ist», sagt er. Eine jüngere Frau lobt die Sauberkeit der Anlagen. Eine andere Besucherin vermisst den Getränke- und Snackautomat, freut sich aber über die Sonnenliegen und -schirme.

Wie es mit der Bretter-Badi weitergeht, ist gemäss Jonas Erni noch unklar. Foto: Moritz Hager

Bei den jüngeren Besuchern kommt das neue Sprungbrett gut an. Im Damenabteil werden dann aber auch kritischere Stimmen laut. Die Badi habe in den letzten Jahren schwer nachgelassen, sagt eine Besucherin die regelmässig in der Bretter-Badi verkehrt. Moniert wird unter anderem, dass der Hubboden im Innenbecken nicht funktioniert. «Der Boden kann deshalb nicht richtig gerenigt werden und ist rutschig», sagt eine der Frauen. Vor allem für ältere Besucherinnen könne das gefährlich werden.

Dominante Damen

Fakt ist, dass die Badi in die Jahre gekommen ist. Bei Nau Lüber kommt der Verdacht auf, dass die Stadt die Anlage mutwillig vergammeln lässt, um die langjährigen Badegäste zu vergraulen und die Badi an einen Pächter zu übergeben, der diese dann wieder in Schwung bringen kann.

Jonas Erni relativiert die Vorwürfe. Er bestätigt, dass es seit einiger Zeit einen Konflikt zwischen einigen Damen und einzelnen Bademeistern gebe. «Die angesprochenen Missstände kann ich aber nicht bestätigen», sagt er. Stattdessen seien bei ihm diverse Reklamationen von anderen Badibesuchern eingegangen, die sich über das dominante Verhalten einzelner Badegäste des Frauenbereiches beschwert hätten.

Die in die Jahre gekommene Bretter-Badi in Wädenswil. Foto: Moritz Hager

Der Kern des Konflikts scheint in den Erneuerungsplänen für die Badi zu liegen. Die «Brättli-Badi-Frauen» befürchten, dass der jetzige Bademeister den Frauenbereich aufheben will, um statt dessen ein Bistro zu eröffnen. Nau Lüber und ihre Freundinnen stellen sich dagegen. «Das Altmodische macht den Reiz der Bretter-Badi aus», sagt Nau Lüber. Der beschuldigte Badmeister wollte zu den Vorwürfen der Damen nicht öffentlich Stellung beziehen.

Im Winter wird saniert

Laut Erni sei die Stadt nach wie vor offen, alternative Betriebsmodelle für die Anlage zu prüfen. Schon vor einiger Zeit hätten potentielle Interessenten unterschiedliche Konzepte eingereicht. «Spruchreif ist aber noch nichts», betont Erni. «Fest steht einzig, dass die Badi gratis bleibt und dass die Öffnungszeiten nicht verkürzt werden.»

Die Stadt hat vor einiger Zeit ein Gutachten über die bauliche Substanz der Badi erstellt. Im Winter sollen denn auch Sanierungsarbeiten am Fundament ausgeführt werden. Auf das Betriebskonzept der Badi haben diese aber keinen Einfluss. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.08.2018, 17:04 Uhr

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