Horgen

Zeugin der Industriegeschichte strahlt bald in neuem Glanz

Derzeit wird die ehemalige Fabrikantenvilla, die Villa Stünzi an der Seestrasse, historisch getreu saniert. Einen 1960 eingebauten Lift braucht es nicht mehr.

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Die grossen Textilfabriken sind aus dem Ortsbild Horgens verschwunden; nur die Villen der Sei­den­barone stehen noch. Beispielsweise die Villa Stünzi an der Seestrasse 229 in der Nähe der Fähre. Sie wird derzeit renoviert. Der Zürcher Regierungsrat hat für dringend nötige Unterhaltsarbeiten 1,33 Millionen Franken genehmigt. Die Planung für die Arbeiten an der Liegenschaft, die seit 1980 dem Kanton gehört, hatte 2013/14 begonnen. Als dringendste Massnahmen galten die Sanierung der Fenster, des Lifts und der Gartenhalle. Dafür bewilligte die Baudirektion 695 000 Franken.

Kurze Zeit später ging man noch­mals über die Bücher. Die Option, den 1960 eingebauten Lift zu ersetzen, liess man nach Klärung denkmalpflegerischer und baurechtlicher Fragestellungen im September 2015 fallen. Er sei für den Nutzen der Villa nicht mehr notwendig und aus denkmalpflegerischer Sicht nicht erwünscht, heisst es im Beschluss des Regierungsrates.

Zudem ermögliche der Rückbau der Liftüberfahrt die Wiederherstellung der ursprünglichen Dachform, wurde argumentiert.

Rekonstruktionnach historischem Vorbild

Weitere Bestandsaufnahmen hat­ten ergeben, dass am Dach, an den Dach­fenstern, am Zaun, an der Balus­trade im Park und an den Kellerwänden zusätzliche Sanierungsmassnahmen not­wen­dig seien. Deshalb genehmigte der Regierungsrat zu den bereits genehmigten 695 000 weitere 639 000 Franken. Die Baudirektion beauftragte im Zuge der erwei­terten Sanierung auch einen neuen Architekten. Es ist das Archi­tekturbüro AhA Zweifel.

Die kantonale Denkmal­pflege begleitet die Bauarbeiten mit fachlichem Know-how, zum ­Beispiel die Rekonstruktion der Zinne der Villa nach historischem Vorbild. Es ist geplant, dass die Arbeiten an der Villa bis Oktober 2016 abgeschlossen sind. «Die Arbeiten an den Umgebungsbauten dauern je nach Witterung bis Ende 2016 oder Anfang 2017», sagt Markus Pfanner, Spre­cher der Baudirektion.

RollstuhlgängigeTherapieräume

Im Innern des Hauses werden ­keine baulichen Massnahmen vor­genommen. Somit ist der ­Betrieb der Frühberatungs- und Therapiestelle der Stiftung RgZ (Regionalgruppe Zürich) weiterhin möglich. Die RgZ-Therapie­stelle ist seit 1975 in Horgen und seit 1989 fest in der ­Villa ­Stünzi zu Hause. «Natürlich hat die Sanierung eine gewisse Beeinträchtigung des Betriebs zur Folge», sagt Rudolf Ditz, Geschäftsführer der Stiftung RgZ. Doch dies sei verkraftbar. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton sei zudem sehr gut, und man nehme Rücksicht, wo es möglich ist. Während der Ferienzeit werde die Therapie­stelle ohnehin viel weniger aufgesucht, da viele Kinder in den Ferien seien. Nach Abschluss der Bauarbeiten hat es keinen Lift mehr im Gebäude, da der bestehende Aufzug zurückgebaut wird. Was bedeutet das für die Beratungs- und Therapiestelle? «Dies ist kein Pro­blem für den Betrieb», sagt Ditz. Im Erdgeschoss befinden sich rollstuhlgängige Therapieräume für Kinder, denen es nicht möglich sei, auf Treppen zu steigen.

Wer noch mehr über die Geschichte der Fabrikantenvillen erfahren möchte, dem sei am 11. September, anlässlich der euro­päischen Tage des Denkmals, eine Führung der kantonalen Denkmalpflege empfohlen. Unter dem Titel «Freie Sicht aufs Mittelmeer» lädt sie in die Villa Thalhof und in den Garten der Villa Stünzi. Der Verkehrsverein Horgen veranstaltet seit 2002 Führungen unter dem Titel «Fabri­kantenvillen». Wann die nächste öffentliche stattfindet, steht noch nicht fest. Auf Anfrage kann eine Gruppenführung bestellt werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.08.2016, 10:34 Uhr

Die Villen der Firma Stünzi & Söhne

Wichtige Bauzeugen der Industrialisierung Horgens

Die Firma Stünzi & Söhne ist 1838 gegründet worden und entwickelte sich zu einer international bekannten Seidenweberei. Gegenüber ihrer Fabrik an der Seestrasse liessen sich die Besitzer zwei stattliche Villen bauen, die Villa Thalhof und die danebenliegende Villa Stünzi. Letztere wurde 1885 erbaut und der Garten unmittelbar danach angelegt. Die Parkanlage umrahmt beide Villen und ist auf die Villa Stünzi abgestimmt. Der Park gliedert sich in einen Wohngarten und in einen anschliessenden Landschaftsgarten im Stile einer englischen Parklandschaft mit einer Vielfalt an exotischen Koniferen.
Schon zur Bauzeit war das Grundstück bergseits durch die Seestrasse und seeseitig durch die Eisenbahn begrenzt. «Eine besondere Qualität des Gartens liegt in seiner Einfügung in die schwierige Topographie und die einengende Umgebung», schrieb Brigitt Sigel in der Zeitschrift «Mitteilungen der Gesellschaft für Gartenkultur». Ursprünglich gehörte zum Garten ein Grundstück direkt am See, wo 1903 ein prächtiges, burgartiges Bootshaus errichtet wurde. Darin befand sich ein mit Jugendstilmotiven verziertes Motorboot. Villa samt Garten sind im Inventar der kantonalen Denkmalpflege und gelten als wichtige Bauzeugen der Industrialisierung Horgens. Am 16. Dezember 1987 sind die der Villa gegenüberliegenden Fabrikgebäude gesprengt worden. Anstelle der Fabrik wurden Wohnungen gebaut. (gs)

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