Museum

Wie kleine Museen Pläne für die Zukunft schmieden

Damit den kleinen Museen am Zürichsee die Besucher nicht ausgehen, ist Ideenreichtum gefragt. Ein Beispiel ist das Johanna Spyri Museum im Hirzel.

Die Stiftunsratsmitglieder vom Johanna Spyri Museum im Hirzel (von links): Markus Braun (Präsident), Mari Schinz (Betrieb), Nicole Zaehringer (Events) und Dirk Feis (Kommunikation).

Die Stiftunsratsmitglieder vom Johanna Spyri Museum im Hirzel (von links): Markus Braun (Präsident), Mari Schinz (Betrieb), Nicole Zaehringer (Events) und Dirk Feis (Kommunikation). Bild: Moritz Hager

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Betritt man das kleine schmucke Riegelhaus an der Dorfstrasse im Hirzel, fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Einst war das Mitte des 17. Jahrhunderts erbaute Gebäude ein Schulhaus, heute ist es das Museum und eine Art Heimstätte seiner berühmtesten Schülerin: Johanna Spyri. Die Autorin der Heidi-Bände und zahlreicher anderer Geschichten wuchs in der hügligen Landschaft des Hirzels auf. Das Museum erzählt aber nicht nur von der Kindheit der gebürtigen Johanna Louise Heusser, auch ihr Erwachsensein als Frau des Stadtschreibers in der gehobenen Zürcher Gesellschaft wird thematisiert. Die Ausstellung gewährt zudem Einblicke in ihr literarisches Schaffen und zeigt die Welt der Zürcher Frauen und deren Lebensumstände in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Ausstellung ist ein Blick in die Vergangenheit. In die Zukunft schauen muss hingegen der Stiftungsrat des Museums. Reagieren will er nicht nur auf den technischen Wandel, auch für jüngere Besucher soll das Museum attraktiver werden.

Interaktive Ausstellung

Der ehemalige Hirzler Gemeindepräsident Markus Braun ist Präsident des Stiftungsrates. «Wir wollen das Museum so in die Zukunft führen, dass es noch lange bestehen kann», sagt er. Bisher habe das Museum mit den Einnahmen der Eintritte die Aufwände knapp decken können. Da das Johanna Spyri Museum jedoch eine Dauerausstellung führt, muss der Stiftungsrat die Ausstellung auch für jene attraktiv machen, welche Johanna Spyris Welt im Hirzel schon einmal erkundet haben. Bisher haben rund 900 Personen im Jahr das Museum besucht. «Unser Ziel ist es, dass es künftig über 1000 sind», sagt Braun. Dafür ist Ideenreichtum beim Stiftungsrat gefragt.

Im Jahr 2016 wurde das Museum renoviert, die Ausstellung ergänzt und in vier Bereiche gegliedert. Damals wurden einige der antiken Möbel aus Johanna Spyris Zeit mit Kopfhörern ausgestattet. So kann sich der Besucher an eine alte Schulbank setzen und zuhören, wie der Unterricht vor über hundert Jahren stattgefunden hatte, als im kleinen Haus 80 Schüler und Lehrer eingepfercht waren. Oder wie in der Tee-Ecke Johanna Spyri mit ihrem kranken Sohn spricht. Mit den Audiostationen ist der technische Wandel jedoch noch nicht vollends vollzogen. «Wir wollen uns auch einen Beamer und I-Pads anschaffen», sagt Nicole Zaehringer, die im Stiftungsrat für Events zuständig ist. So soll die Ausstellung interkativer gestaltet werden können. An zwei bis drei Stationen sollen Besucher Ausschnitte aus der damaligen Zeit auswählen können.«Auch Ausschnitte aus den verschiedenen Heidi-Verfilmungen zu zeigen, wäre möglich», sagt sie.

Mit Heidi schrieb Johanna Spyri eine Geschichte mit Welterfolg.

Ohne die nötigen finanziellen Mittel ist eine Beschaffung der Geräte nicht möglich. Zwar hat das Museum seit der Eingemeindung in Horgen einen Leistungsvertrag mit der Gemeinde, durch den der Stiftungsrat etwas Geld für den Unterhalt der Ausstellung erhält. «Diese Unterstützung bringt uns eine kleine Sicherheit», sagt Markus Braun. «Wenn wir aber moderner werden wollen, brauchen wir mehr Mittel.»

Für die speziellen Projekte wie Videostationen müssten denn auch weitere Sponsoren gefunden werden. Die Digitalisierung drängt das Museum auch dazu, neue Kommunikationswege zu nutzen. «Wie wollen die Sozialen Medien nutzen und gleichzeitig die Tradition wahren. Das ist eine Herausforderung», sagt Dirk Feis, der im Stiftungsrat für die Kommunikation zuständig ist. Ziel ist es, auch Touristen anzusprechen und so Menschen aus aller Welt ins Hirzler Museum zu bringen. «Dies bedingt auch, dass wir die Führungen und Texte in der Ausstellung in mehreren Sprachen anbieten», sagt Mari Schinz, die ebenfalls Mitglied des Stiftungsrates ist und Führungen anbietet.

Museumsführer für Kinder

Um eine jüngere Besucherschaft zu erreichen, hat Nicole Zaehringer einen besonderer Museumsführer geschrieben. Seit Oktober können Kinder mit Hilfe eines Büchleins das Museum besichtigen und bei gewissen Ausstellungsstücken Rätsel lösen. «Das Museum ist auf Erwachsene ausgerichtet und war nicht kindertauglich», sagt Zaehringer.

Darum hat sie das mit vielen Illustrationen bestückte Heft «Eine Zeitreise in die Welt Johanna Spyris» entwickelt. «Damit wollen wir die Kinder auf ihrer Ebene informieren», erklärt sie und nennt ein Beispiel: In Spyris Elternhaus haben damals bis zu 16 Menschen gewohnt. Darunter Tanten, Cousinen sowie Mägde und Knechte. «Damit sich die Kinder vorstellen können, wie viele Menschen das waren, müssen sie im Büchlein so viele Löffel ausmalen, wie bei Ihnen zuhause Menschen wohnen», sagt Zaehringer. So soll das Museum auch attraktiver für Schulklassen werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.02.2019, 16:43 Uhr

Nicole Mayer ist Kulturmanagerin und Geschäftsführerin des Vereins Zürcher Museen.

Nachgefragt

«Das Internet kann das Museum nicht ersetzen»

Werden Museen vom Internet überholt?
Nicole Meyer: Wenn es um die reine Wissensvermittlung geht, kann man das vielleicht so sehen. Ein Museum ist aber viel mehr als das. So geht man vor allem in ein Museum, weil es ein Erlebnis ist, das unterschiedliche Sinne anspricht. Das Internet kann diesen Effekt nicht ersetzen. Dabei geht es teilweise auch ganz einfach um die Begegnung mit einem Original und dessen Faszination. Ein prominentes Beispiel dafür liefert Leonardo Da Vincis Gemälde Mona Lisa. Dieses kann man mit wenigen Klicks im Internet ungestört anschauen. Trotzdem ist es nach wie vor ein Publikums-Magnet für den Louvre.

Wie können Museen auf die zunehmende Verbreitung digitaler Medien reagieren?
Sich den digitalen Medien komplett zu verwehren, kann zwar eine Strategie sein, in der Regel kommen aber auch die Museen nicht daran vorbei. So können digitalen Medien oder auch die Digitalisierung einer Sammlung dazu beitragen, dem Image des «verstaubten Museums» entgegen zu wirken. So werden in zahlreichen Ausstellungen digitale und interaktive Tools eingesetzt, die das Erlebnis des Museumsbesuch auch für jüngere Zielgruppen attraktiv machen.

Inwiefern veränderte sich die Kommunikation der Museen in den letzten Jahren?
Durch die digitalen Medien ergeben sich neue Möglichkeiten der Publikumsinteraktion. In dem Zusammenhang liefern soziale Medien eine interessante Möglichkeit, die von manchen Museen rege genutzt werden. Zudem stellt das Museum für die Selbstdarstellung des Publikums, wie sie auf diesen Kanälen Gang und Gäbe ist, eine attraktive Kulisse dar. Das Publikum kann hier zum Multiplikator werden und es entsteht eine neue Art der Kommunikation.

Wie können Museen sonst noch neue Besucher erreichen?
Trotz aller Digitalisierung ist auch eine Veranstaltung wie die Lange Nacht der Zürcher Museen immer noch eine beliebte Möglichkeit für ein Museum, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. Mehrheitlich analog, entdeckt das Publikum hier die Museumsvielfalt. Auch hier geht es ums Erlebnis, das durch das Internet nicht ersetzt werden kann, auch wenn es auf den sozialen Netzwerken wiederum geteilt wird. Es geht letztendlich um die clevere Kombination unterschiedlicher Massnahmen, um das Museum attraktiv für das Publikums zu machen.

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