Wädenswil

Wie eine Stadt frühmorgens vom Abfall befreit wird

Am Sonntag rücken Mitarbeiter der Stadt aus, um Eimer zu leeren und Abfall einzusammeln. Aber es liegt nicht immer gleich viel Müll herum.

Das Bier der vergangenen Nacht wurde nicht ausgetrunken. Walter Hofstetter räumt es weg.

Das Bier der vergangenen Nacht wurde nicht ausgetrunken. Walter Hofstetter räumt es weg. Bild: Omar Zeroual

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Es ist Sonntagmorgen, kurz vor sechs Uhr, als die Arbeit auf dem Werkhof der Stadt Wädenswil beginnt­. Die Luft ist noch kühl, aber die klare Morgendämmerung kündigt einen schönen Tag an.

Mit ihren orangefarbenen Transportern brechen Walter Hof­stetter und Angelika Angehrn vom Unterhaltsdienst der Stadt Wädenswil zur Abfalltour auf. Die Abfalleimer, die sich seit Freitagabend gefüllt haben, müssen geleert werden. Was herumliegt, wird eingesammelt.

«Es ist schon vorgekommen, dass ich angepöbelt wurde.»Walter Hof­stetter vom Unterhaltsdienst der Stadt Wädenswil

Hofstetters Ziel ist die Bus­station gleich beim Bahn­hof Wädens­wil. Hier wischt er den Dreck und den Abfall auf den Halte­kanten zusammen. Während sich die ersten Sonnenstrahlen auf dem Asphalt ausbreiten, kommen die letzten Leute aus dem Ausgang nach Hause.

Begegnungenmit Nachtschwärmern

«Es ist schon vorgekommen, dass ich angepöbelt wurde. Aber es gibt auch Leute, die sich für die Arbeit bedanken», berichtet Hof­stet­ter von frühmorgendlichen Begegnungen. «Betrunkene haben auch schon mal nach einer Taxifahrt im Putzauto gefragt. Das geht natürlich nicht», sagt er amüsiert.

Auf den Enden der Halte­kanten hat Hof­stetter den Abfall zu kleinen Haufen zusammengewischt. Darunter sind viele Zigarettenstummel, obwohl es auf jeder­ Halte­kante Aschenbecher gibt. Er sagt dazu gelassen: «Ist halt so.» Seit 1980 arbeitet er für die Stadt. Die Arbeit am frühen Sonntagmorgen macht ihm nichts aus. «Jetzt ist es kühler und es hat weniger Leute. Nach der Arbeit hat man so noch etwas vom Sonntag.»

«Diese Hand­griffe könnte ich im Schlaf»

Nachdem er den Abfall aufgelesen hat, leert er die Kübel rund um den Platz. Eimer aufschliessen, vollen Sack raus, leeren Sack rein, Eimer zuschliessen. «Die Hand­griffe könnte ich im Schlaf», sagt Hof­stetter. Gut, dass es heute warm sei. Bei Kälte oder Nässe könne es schon mühsam sein, die Säcke zu verschnüren.

Auf dem Seeplatz stösst Ange­lika An­gehrn wieder zu Walter Hof­stetter. Sie hatte die Abfalleimer entlang der Strassen geleert. Nach gut eineinhalb Stunden türmen sich etwa 30 schwarze Säcke auf der Ladefläche ihres Transporters.

Besser als früher

Hofstetter sammelt mit der Abfallzange ein, was die Leute achtlos liegen gelassen, also gelittert haben. «Es nervt schon», sagt Hof­stetter. Aber früher hätten die Leute mehr Müll liegen lassen als heutzutage, ist sein Eindruck. Eine Unter­hose auf der Hafenmauer sei das Kurioseste, was er schon zusammengelesen habe.

Neben einem Schnuller und einem Babytuch liegen vereinzelt Flaschen und Dosen her­um. Aber insgesamt gibt es heute wenig Littering. Woran liegt das? Hof­stetter vermutet, dass wegen der Street Parade und des Seenachtfests weniger Leute in Wädens­wil geblieben sind, also fiel weniger Müll an.

Angelika Angehrn und Walter Hofstetter sind ein eingespieltes Team, das an diesem Sonntag die Kübel leert.

Grosse Behälter,wenig Littering

Ein anderer Grund könnten die grossen Abfallbehälter auf dem Seeplatz sein. Also genug Möglichkeiten, um den Abfall korrekt zu entsorgen. Der hiesige Abfalleimer mit unterirdischem Speicher fasst 600 Liter. Ein Blick durch die Bodenluke offenbart sein Inneres – es ist fast voll.

Wäh­rend der Woche wird Hof­stetter diesen Unterflurcontainer mit einem Reinigungswagen absaugen. Auf der Hafenmauer stehen ausserdem mehrere 200-Liter-Fässer. Sie sind gut gefüllt. An­gehrn und Hof­stetter hieven die vollen Säcke aus den Fässern. Darin klappern Glasflaschen, und an der Seite läuft ein stinkiges Bier-Abfall-Gemisch her­aus. Mit Schwung wuchtet Hof­stetter die schweren Säcke auf die Lade­fläche.

Es geht weiter zu einem kleinen Badeplatz. Die Frühschwimmerinnen begrüssen die Stadt­angestellten. Alles ist sauber und die zusätzlichen Abfallsäcke, wel­che­ die Stadt bereitstellt, sind unan­getastet. Ein Badegast sagt: «Diesen Sommer ist es nie schlimm gewesen.» Aber es kann auch anders­. Hof­stetter erzählt, wie er schon mal elf volle Abfallsäcke von hier weggetragen habe. Heute sind es nur zwei.

Im Durchschnitt eine halbe Tonne Abfall

Nach einer kurzen Kaffee­pause führt die Tour dem See entlang. Hof­stetter hält immer wieder an, um die zahlreichen Bade- und Grill­stellen zu kontrollieren. Auf einem bestimmten Abschnitt des Seewegs haben Asylsuchende zuvor­ die Eimer geleert und die vollen Säcke an einem Ort platziert – dem Depot. Hof­stetter und An­gehrn müssen sie nur noch einladen. Auf der Lade­fläche türmen sich nun gut 60 schwarze Säcke­.

Nach knapp dreieinhalb Stunden sind sie zurück auf dem Werkhof. Hof­stetter sagt, dass es für einen Sommertag zeitlich im Rahmen war. Es könne auch schon mal Mittag werden, bis man fertig sei. An einem durchschnittlichen Sonntag im Sommer sammle man etwa eine halbe Tonne Abfall; diesen bringt ein Kollege am Montagmorgen zur Abfall­verwertung in Horgen.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.08.2018, 19:02 Uhr

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