Kilchberg

Wer hinter der Kinder-Zeitschrift «Junior» steckt

Mit fast einer Million Exemplare pro Monat ist die Kinderzeitschrift «Junior» europaweit eine der auflagestärksten Publikationen. Was kaum jemand weiss: Das «Junior» entsteht in Kilchberg. Verantwortlich dafür ist die Wädenswilerin Julia Hug.

Das Junior wurde im November 1951 von Hans-Rudolf Hug erfunden. Heute leitet seine Enkelin Julia Hug den Verlag.

Das Junior wurde im November 1951 von Hans-Rudolf Hug erfunden. Heute leitet seine Enkelin Julia Hug den Verlag. Bild: Manuela Matt

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Fragt man herum im Bekanntenkreis, so stellt sich heraus: Jeder, wirklich jeder kennt das Junior-Magazin. Der Grossvater verbindet das Junior mit dem Geruch von frischem Brot, weil er das Heft jeweils in der Bäckerei erhalten hat, die Kollegin schwärmt von den herzigen Tierpostern in der Mitte, mit der sie die Wände ihres Zimmers schmückte, und die Jüngsten sind begeistert, dass sich in der April-Ausgabe vier Panini-Bildli befanden.

«Wir merken jeweils bei den Einstellungsgesprächen, wie viele Emotionen die Leute mit dem Junior verbinden», sagt Julia Hug, die das Junior herausgibt, und lächelt freundlich. «Die meisten wissen genau, in welchem Laden sie das Junior-Heft jeweils bekamen, und manche erinnern sich sogar noch an einzelne Rätsel und Geschichten, die sie gelesen haben.»

Ihr Grossvater war der Gründer

Die 36-jährige Julia Hug ist seit 2010 Geschäftsleiterin des Hug-Verlags, der das Junior und das Maky herausgibt. Sie wirkt zurückhaltend und wählt ihre Worte sorgfältig. Sie trägt ihre braunen Haare offen und ist praktisch in T-Shirt und Schlabberhosen gekleidet. Sie erwartet ihr zweites Kind. Unaufgeregt scheucht sie ihre beiden Berner Sennenhunde in einen Nebenraum des alten Riegelhauses am Hohenrainweg 1, in dem sich der Verlag befindet. Bereitwillig beantwortet sie die Fragen, wie es dazu kam, dass sie den Hug-Verlag leitet.

Gegründet hat ihn ihr Grossvater, der eine Druckerei besass. Da er zu wenig ausgelastet war, beschloss er, ein Kindermagazin für den Einzelhandel zu gründen – etwas, das 1951 noch nicht existierte. «Er war ein sehr kreativer Mensch mit originellen Einfällen. Er erzählte uns Enkeln verrückte Sachen und machte lustige Ausflüge mit uns», erinnert sich Julia Hug. In den 70er-Jahren übergab er das inzwischen erfolgreiche Magazin seinem Sohn, dem Vater von Julia Hug, der es 40 Jahre lang führte. In dieser Zeit entwickelte sich das Junior vom textlastigen, moralisierenden und erziehendem Magazin zu einer bunten, unterhaltsamen Zeitschrift mit lustigen Geschichten und Rätseln, deren oberstes Ziel es ist, Kindern Freude zu bereiten.

Chefin von 20 Personen

Als Julia Hug nach einer Lehre im Detailhandel und einigen Jahren im Anzeigen- und Aboverkauf des Hug-Verlags dessen Leitung übernahm, habe ihr Vater keine Schwierigkeiten gehabt loszulassen, sagt Julia Hug. Dass sie die Familientradition weiterführe, habe jedoch keineswegs festgestanden: «Mit 20 Jahren wollte ich mich nicht binden, erst mit 25 Jahren merkte ich, dass es für mich stimmen würde», sagt sie. Heute arbeiten etwa 20 Personen im Verlag, fast alle in Teilzeit. Sieben von ihnen sind zurzeit im Haus anzutreffen, verteilt in kleine Büros auf drei Stockwerken.

Darunter befindet sich auch Julia Hugs Mann, der für alles Administrative zuständig ist und den Verlag mit ihr zusammen führt. «Kennengelernt haben wir uns jedoch nicht bei der Arbeit, sondern im Ausgang », sagt Julia Hug. Da sie beide Teilzeit arbeiteten und unterschiedliche Büros hätten, klappe die Zusammenarbeit gut: «Wir ticken gleich.»

Grenzen des guten Geschmacks

Bei aller Harmonie wird es auch in der Redaktion des Hug-Verlags manchmal laut, wenn heftig diskutiert wird. Kürzlich beispielsweise, sei sich die Redaktion bei der Verwendung von Fremdwörtern uneins gewesen, sagt Julia Hug. «Die einen gingen davon aus, dass die Kinder dieses Fremdwort verstehen, die anderen dachten, dass dies nicht der Fall sei und die dritten waren der Meinung, dass dies egal sei, weil die Kinder dieses Fremdwort nur lernten, wenn es auch verwendet würde», erzählt Julia Hug. Sie beobachtet, dass die ältere Generation die Grenzen des Tolerierbaren oft grosszügiger setzten als jüngere. Darf man ein doofes Mädchen mit Brille und schlechten Zähnen darstellen?, war beispielsweise ein Diskussionsthema. «Die Älteren unter uns fanden das in Ordnung, die Jüngeren jedoch hinterfragten dies wegen möglicher Anstiftung zum Mobbing.»

Während über den Inhalt des Juniors debattiert werden kann, gibt es nichts wegzudiskutieren über die Nachfrage: «Das Lädelisterben macht sich auch bei uns bemerkbar», sagt Julia Hug. »Es ist schwierig, die Nachfrage der Detailhändler hochzuhalten.» Im Gegensatz dazu sei die Nachfrage bei den Kindern nach wie vor hoch und wird es auch bleiben, davon ist Julia Hug überzeugt: «Die Kinder werden trotz Digitalisierung auch in Zukunft gerne ein Heft in den Händen halten.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 15:48 Uhr

Das Junior in Zahlen

Die Junior-Zeitschrift erscheint in Deutschland in einer monatlichen Auflage von 568 000 Exemplaren, in der Schweiz sind es 172 000 Exemplare und in Österreich 66 000 Exemplare. Schweizweit beziehen 3000 Geschäfte das Junior, das sich an 4- bis 10-Jährige richtet. Die Kosten pro Heft betragen 65 Rappen, die Mindestbezugsmenge sind 25 Stück pro Monat. Die Bezüger – meist Apotheken, Optikergeschäfte, Metzgereien oder Lebensmittelläden – stempeln ihre Adresse auf die Rückseite des Heftes und geben die Zeitschrift gratis an ihre Kunden ab. Neben dem Junior gibt der Hug-Verlag auch das Magazin Maky/Rataplan heraus, das sich an 6- bis 13-Jährige richtet.

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