Richterswil

Wenn die Richterswiler Schule zum Hort der modernen Malerei wird

In zwei Richterswiler Klassen herrscht derzeit Hochbetrieb im Zeichenunterricht: Die Schüler bereiten eine Ausstellung vor. Dort zeigen sie ihre Interpretationen bekannter Werke der Moderne.

Fälscher am Werk: Richterswiler Schüler interpretieren die Gemälde grosser Künstler neu.

Fälscher am Werk: Richterswiler Schüler interpretieren die Gemälde grosser Künstler neu. Bild: Patrick Gutenberg

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Im Gesicht des Schülers sind mehr Zweifel abzulesen, als seine Worte ausdrücken. Er sei fertig, stellt er fest und streckt Christine Zysset am Lehrerpult sein Bild hin. Die sieht es sich interessiert an: ein Dorf in winterlicher Berglandschaft. «Die Bäume sind sehr schön», lobt sie. «Aber schau genau beim Original», fährt sie fort, «das Weisse ist nie ganz weiss.» Hier habe es ein bisschen Grau darin, hier etwas Violett. Konzentriert hört der Schüler zu und geht zurück an seinen Platz. Wo er sich ans Werk macht, das Gehörte umzusetzen.

Zysset lächelt leise. Es sei ihr wichtig, dass sich die Schüler stets fragen, was sie noch verbessern könnten. «Dass sie nicht mit dem ersten Entwurf zufrieden sind.» Sondern beobachten, drübermalen, ausprobieren – andere Techniken, andere Mischverhältnisse der Farben. «So, wie es die Maler auch machen.» Die Maler – genauer: die grossen Künstler der Moderne – sind denn auch konkret die Vorbilder der 24 Sechstklässler an diesem Donnerstagnachmittag. In ihrem Klassenzimmer im Richterswiler Schulhaus Boden widerspiegeln sich auf Tischen und an Wänden die bunten Farbenwelten von Macke, van Gogh, Monet und weiteren Berufsgenossen. Dies, weil sie den Kindern Grundlage für eine Ausstellung im Ortsmuseum Bären sind. Nächste Woche ist die Vernissage.

Beginn nach Sommerferien

Entsprechend geht es in dem Schulzimmer ähnlich wie in einem Bienenhaus zu und her. Hier holt sich ein Knabe, der seine blaue Wasserfarbe eben leer gemalt hat, eilig Nachschub. Dort drückt eine Schülerin energisch einen farbgetränkten Schwamm auf ihr Bild. Ein dritter Junge steht bei einem Kameraden und hilft, den richtigen Farbton zu mischen. «Einige Schüler sind noch etwas im Rückstand», erklärt Zysset. Andere aber beginnen nun schon ihr drittes Werk oder eine Zwischenarbeit.

«Fälscher am Werk» heisst die Ausstellung. Die farbenfrohen Gemälde, die in den jungen Richterswiler Händen entstehen oder fertiggestellt an der Wand hängen, sind Kopien bekannter Werke. «Seit Ende Sommerferien sind wir an der Arbeit», sagt Zysset. «Die Schüler haben ein Bild ausgewählt und sich dann zu Hause über den Künstler informiert.» Das angeeignete Wissen werden sie an der Ausstellung in Führungen ihren Kollegen aus der Mittel- und Oberstufe weitergeben. Diese Woche nun befassen sie sich im Unterricht noch mit dem Thema des Urheberrechts – «dass es wichtig ist, den eigenen Namen unter das Bild zu setzen und nicht den des Malers», erläutert Zysset.

Gongschlag überhört

Auch das sonstige Drumherum der Ausstellung ist hauptsächlich Sache der 12- und 13-Jährigen: die Bilder rahmen, aufhängen, die Eröffnungsrede an der Vernissage halten und so fort. Dabei hätten sie erst noch gezweifelt, ob sie das alles auch wirklich könnten, sagt Zysset. Je länger sie daran gearbeitet hätten, umso wichtiger sei ihnen dann die Ausstellung geworden. Das sieht man den Schülern an, die vor Eifer den Gongschlag überhören, aber auch ihren sorgfältig gestalteten Werken. «Ein cooles Projekt», sagt denn auch Janosh, der an seinem zweiten Werk malt: einem abstrakten Bildnis nach Klee.

Weil es so geheimnisvoll und mystisch wirke, habe er es ausgesucht. «Und weil ich dachte, es sei einfacher als das erste Bild mit den Nackten da drüben», ergänzt er und deutet an die Wand zu einem Motiv nach Kirchner. Auch Yue hat sich Klee angenommen. Den Maler habe sie erst durch das Projekt kennen gelernt. «Darauf, die Führung zu halten, freue ich mich besonders», sagt sie. Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit mit der Parallelklasse von Zyssets Kollegin Fabienne Albertin. Deren Schüler kopieren keine Originale, sondern sie verfälschen sie. Für Zysset ist der Museumsauftritt zudem ein Abschiedsprojekt: Im Sommer wird sie pensioniert.

Vernissage der Ausstellung am Dienstag, 12. Februar, 18.30 Uhr. Ortsmuseum, Haus zum Bären, Dorfbachstrasse 12, Richterswil. Die Ausstellung dauert bis Donnerstag, 14. Februar. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.02.2019, 16:41 Uhr

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