Viehschauen

Was eine Kuh zur Schönheit macht

Die Kür der Dorfschönheiten beginnt. Ab Samstag bis Mitte Oktober finden im Bezirk Viehschauen statt. Bei der Misswahl zählt neben körperlichen Eigenschaften auch der kuhische Charme.

Wichtiger Treffpunkt für die Landwirtschaft in der Region: Am Wochenende beginnt die Viehschau-Saison.

Wichtiger Treffpunkt für die Landwirtschaft in der Region: Am Wochenende beginnt die Viehschau-Saison. Bild: Archiv Manuela Matt

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Was braucht eine Dame, um zur Miss gewählt zu werden? Einen tadellosen Körper natürlich mit den richtigen Proportionen. Den richtigen Charakter, Charme und den Willen zum Sieg. Was sie sagt, ist höchstens ausschlaggebend, wenn dadurch gewisse Defizite offenbar werden.

Nicht zu vergessen ist das Styling vor dem grossen Tag, an dem sie sich der Öffentlichkeit präsentiert.

«Die Haare auf dem Rücken werden aufgeföhnt und geschoren», sagt Martin Gafner, Experte bei der Zürcher Schaukommission und Landwirt im Hirzel. «Damit sie schön gerade sitzen, werden sie mit Haarlack gebändigt.» Auch die Haare am übrigen Körper werden behandelt und nicht ganz reinweisse Stellen beispielsweise mit Farbspray oder Babypuder aufgehellt.

«Die Haare auf dem Rücken werden aufgeföhnt und geschoren»Martin Gafner

Mit der Frisur ist das Styling noch nicht zu Ende. Die Dame erhält auch eine Pediküre: «Die Klauen werden mit Farbspray schwarz angesprayt», sagt Gafner. Wenn nötig, wird der Missen-Anwärterin kurz vor dem Auftritt noch der Hintern abgewischt.

So geht es bei der Missen-Kür auf nationaler Ebene zu. Bei den Dorfschönheiten sei man weniger kompliziert, sagt Gafner. Hier ist die Kuh noch Kuh. Sie schreitet nicht über Sägemehl wie bei den nationalen Wahlen, sondern steht zwischen den anderen Kühen auf der Wiese und wird dreckig.

Was schön ist

Die Kriterien, um zur Miss gewählt zu werden aber sind bei allen Viehschauen dieselben. Als eine schöne Kuh erachten die Züchter eine, die wirtschaftlich ist. Das bedeutet, dass sie über einen langen Zeitraum viel Milch produzieren und gut Kälber gebären kann. Fünf Eigenschaften sind dafür zentral:

Das wichtigste Kriterium für die Wirtschaftlichkeit einer Kuh ist das Euter. Deshalb macht die Qualität des Euters an der Viehschau 30 Prozent der Gesamtnote aus. Nicht weniger als sieben Merkmale begutachten die Experten der Zürcher Schaukommission dafür. Am wichtigsten ist die Eutertiefe, denn daran wird die Nutzungsdauer einer Kuh gemessen: Je höher der Euterboden – dort, wo die Zitzen hängen – über dem Sprunggelenk hängt, desto besser. Weiter wird die Voreuteraufhängung beurteilt, also wie das Euter vorne mit der Bauchwand verbunden ist. Gut ist eine lange Voreuteraufhängung, denn dies bedeutet, dass das Euter fest ist. Weitere Kriterien sind die Voreuterlänge, die Breite der hinteren Aufhängung, die Höhe der hinteren Aufhängung, der Euterboden und das Zentralband.

25 Prozent der Gesamtnote macht der Rahmen einer Kuh aus. Der Rahmen ist definiert als Bereich von der Flanke bis zur Brust und oben bis zur Rückenlinie. Er gibt Auskunft darüber, wie viel Futter die Kuh aufnehmen kann und wie fruchtbar sie ist. Ist eine Kuh fruchtbar, gibt sie mehr Milch.

Wichtig für die Schönheit einer Kuh ist auch ihr Fundament. Wie die Beine aussehen macht 25 Prozent der Gesamtnote aus. Das Sprunggelenk darf nicht zu stark gewinkelt sein, die Beine sollten aber auch nicht ganz gerade sein. Eine Rolle spielt auch die Beschaffenheit des Sprunggelenks, das heisst, wie die Haut auf dem Knochen und den Sehnen aufliegt. Ein schmales Gelenk und schmale Fesseln sowie dicke und harte Klauen sind von Vorteil, weil sie bedeuten, dass das Tier gesund ist.

Wie das Becken beschaffen ist, zählt 10 Prozent zur Gesamtnote. Das wichtigste Merkmal für die Beurteilung ist die Neigung des Beckens. Idealerweise ist es gerade, breit und lang. Ein ansteigendes oder schmales Becken kann die Fruchtbarkeit einer Kuh vermindern.

Die Beurteilung der Zitzen hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Schön war eine Kuh früher, wenn sie lange Zitzen (Striche) hatte. Diese waren einfacher von Hand zu melken. Da heute maschinell gemolken wird, hat die Länge an Bedeutung verloren. Wichtiger ist, dass die Zitzen gut in die Melkmaschine oder den Melkroboter passen. Das tun sie, wenn die Zitzen nicht zu nahe und nicht zu weit auseinanderliegen und gerade nach unten hängen. Die Zitzen machen 10 Prozent der Gesamtnote aus.

«Die Kuh muss einen gewissen Charme haben»Martin Gafner

Was schön ist und was nicht, das ist in der Fachliteratur auf den Zentimeter genau definiert. Wenn Martin Gafner an den diesjährigen Viehschauen die Kühe beurteilt, wird er jedoch nicht mit dem Messband unterwegs sein: «Wir beurteilen von Auge.» Dabei zählen die fünf erwähnten Kriterien. Aber nicht nur. «Die Kuh muss einen gewissen Charme haben», sagt Gafner. «Es gibt Kühe, die einem ins Auge springen, wenn sie zu laufen kommen, ihre ganze Erscheinung ist schön – wie bei den Menschen auch.»

Jeder Experte habe natürlich seine bestimmten Vorlieben, sagt Gafner. Für ihn muss das Euter stimmen. «Es muss nicht das grösste sein, das bringt nichts, aber es soll schön ausgeglichen sein.»

Martin Gafner ist dieses Jahr Experte an acht Viehschauen im Kanton. Im Bezirk Horgen wird er die Kühe in Samstagern und in Hütten beurteilen. An der Hirzler Viehschau nicht. Denn da machen er und seine Kühe selbst mit – und hoffen auf einen Sieg. Vergangenes Jahr wurde seine Kuh Joya, wie schon im Jahr zuvor, bei den Brown-Swiss-Kühen zur Miss Bezirk Horgen gewählt.

Erstellt: 13.09.2019, 13:57 Uhr

Die Viehschauen um den Zürichsee


  • Langnau: Samstag, 14. September, ab 9.30 Uhr, Parkplatz Hinteralbis.

  • Meilen: Samstag, 21. September, ab 10 Uhr, Dorfplatz.

  • Herrliberg: Samstag, 28. September, ab 9 Uhr, bei der Kirche Wetzwil, Lindenstrasse.

  • Rüschlikon/Thalwil: Samstag, 28. September, ab 9.30 Uhr, Vorder Längimoos, Rüschlikon.

  • Hirzel: Freitag, 4. Oktober, ab 9 Uhr, Rothus.

  • Hombrechtikon: Samstag, 5. Oktober, ab 9.15 Uhr, Bahnhöfliplatz.

  • Richterswil/Samstagern: Dienstag, 8. Oktober, ab 9 Uhr, Haslen, Samstagern.

  • Hütten: Samstag, 12. Oktober, ab 9 Uhr, In den Hanfländern.

  • Wädenswil: Donnerstag, 17. Oktober, ab 9.30 Uhr, Oedischwend (Wahl Miss Wädenswil und Miss Bezirk Horgen).

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