Wädenswil

Von der Produktionsstätte des Landi-Stuhls zum neuen Wohnquartier

Fast 20 Jahre nach Ende der Produktion soll das Mewa-Areal in Wädenswil wiederbelebt werden. Ein Blick zurück auf die bewegte Geschichte der Metallwarenfabrik.

Den Eingang zum Wädenswiler Zentrum bildet die ehemalige Metallwarenfabrik. Deren Gesicht soll sich nun ändern.

Den Eingang zum Wädenswiler Zentrum bildet die ehemalige Metallwarenfabrik. Deren Gesicht soll sich nun ändern. Bild: Archiv Sabine Rock

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Nach wie vor gilt die Zugerstrasse 64 als Zuhause der Blattmann Metallwarenfabrik AG (Mewa) und einstige Produktionsstätte des Landi-Stuhls. Zwar gibt es die Firma noch, doch bereits 2001 wurde die Produktion in Wädens­wil eingestellt. Seither ist das Mewa-Areal nahezu verwaist und lediglich von ein paar Gewerbebetrieben und als Lager- und Einstellhalle zwischengenutzt.

Doch die Eigentümerin, die Blattmann Metallwarenfabrik AG, will dem nahe des Zentrums liegenden Areal ein neues Gesicht geben und wieder Leben einhauchen. Das Richtprojekt, das als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangen ist, wird am Samstag, 15. September, in der Mewa an einem Tag der offenen Tür vorgestellt. Dort, wo einst der Landi-Stuhl produziert wurde, sollen 150 neue Wohnungen und über 2000 Quadratmeter Gewerbefläche entstehen. Dies, ohne die mehr als 80 Jahre Industriegeschichte zu vergessen, denn diese soll trotz Neubauten ersichtlich bleiben.

Identitätsstiftendes Projekt

Das Siegerprojekt von Hosoya Schaefer Architekten sieht ein bis zu siebenstöckiges Gebäude mit Wohnungen in unterschiedlichen Preissegmenten, flexibel nutzbare Gewerbe- und Multifunktionsflächen vor. Parkplätze sollen in einer zweistöckigen Tiefgarage zur Verfügung gestellt werden. Ein Innenhof und ein renaturierter Park mit freigelegtem Bach werden den Aussenraum bilden.

«Das Projekt ist identitätsstiftend», sagt Christof Diener, Vertreter der Eigentümer. Ein Kriterium, das die sechs Jurymitglieder überzeugt habe. Zudem würden die Architekten der indus­triellen Vergangenheit Respekt zollen und nicht alles abreissen, auch wenn keines der Gebäude unter Denkmalschutz steht. Auf diese Weise bleibe die Industrie im Gedächtnis des Ortes und werde dennoch neu interpretiert.

Begegnungszonen sollen zwischen den Gebäuden und um die ehemalige Produktionshalle mit ihrem Schmetterlingsdach auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Mewa entstehen. Visualisierung: PD

Erhalten bleibt auf dem Areal das Haus Myrthe, das sich an der Ecke Zugerstrasse, Muslistrasse befindet. «Im Erdgeschoss des Hauses ist zum Beispiel eine gas­tronomische Nutzung möglich», sagt Diener. So würde eine gut sichtbare Adresse entstehen. Gleichzeitig diene das Haus zusammen mit der gegenüberliegenden Halle als Vorplatz und Zugang zum Areal.

Auch die ehemalige Produktionshalle mit einem Teil des markanten Glasdachaufbaus, dem sogenannten Schmetterlingsdach, bleibt erhalten. Sie bilde das Erdgeschoss der Wohngebäude. Gleichzeitig sei sie das Herz des Areals mit gemeinschaftlichem Foyer, Wintergarten und daran anschliessendem Multifunktionsraum. Genutzt werden könnten diese Räume für kulturelle Anlässe, Gewerbe und Gastronomie. Hier hätten die Architekten Hosoya Schaefer ebenfalls überzeugt. «Die Nutzung des Gebäudes ist nicht für die nächsten 40 Jahre fixiert, sondern ist wandlungsfähig», sagt Diener.

Freiraum schaffen

Weiter sind auf dem Areal geplant ein Kopfbau auf der Ecke Zuger-, Nord- und Büelenstrasse, ein Riegelbau parallel zur Zugerstrasse mit einem leicht versetzten kleineren Gebäude, sowie drei Mehrfamilienhäuser auf der Seite der Büelenstrasse.

Zwischen den Gebäuden soll ein Grünbereich entstehen und der derzeit unterirdisch fliessende Bach freigelegt werden. Auch das Gebiet zwischen ehemaliger Fabrik und den Wohnhäusern Büelen soll in Zukunft als Freiraum genutzt werden können und ein eigenes Wegnetz erhalten.

Ebenfalls im Richtprojekt der Architekten enthalten sind die Büelenhäuser, die sich auf den Parzellen der Tuwag Immobilien AG und der Stadt Wädenswil befinden. Diese könnten längerfristig abgebrochen und durch Neubauten ersetzt werden. An gleicher Stelle würde dann verdichteter gebaut werden. Auch wenn die Gebäude auf den einzelnen Parzellen zeitlich versetzt realisiert werden, würden die Häuser dennoch eine Einheit bilden.

Basis für Gestaltungsplan

«Die Bauherrin strebt eine gute Durchmischung der Bewohner an», sagt Diener. Während in den oberen Geschossen des Wohn­gebäudes über dem Multifunktionsraum ein gehobener Standard mit Blick auf den See und die Berge angestrebt wird, sollen sich andere Wohnungen in einem erschwinglichen Preissegment bewegen.

«Die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs und die Wahl des Siegerprojekts sind noch nicht das Ende, sondern der Startschuss für die Entwicklung des Areals», sagt Christof Diener. Das Richtprojekt sei ein erster Meilenstein, der als Basis für den Gestaltungsplan diene, den man im nächsten Jahr auf den Weg schicken werde.

Tag der offenen Tür mit Präsentation des Siegerprojekts zur Neu­gestaltung des Mewa-Areals, Ausstellung historischer Raritäten und Podiumsdiskussion am 15. September ab 14 Uhr, Mewa-Areal,Zugerstrasse 64, Wädenswil. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.09.2018, 10:36 Uhr

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Geschichte der Metallwarenfabrik

Seit 180 Jahren und über fünf Generationen prägt die Familie Blattmann die Industriegeschichte Wädenswils. Angefangen hat alles 1838. Damals arbeitete Gottfried Blattmann (1816–1858) als Bauspengler. Im Winter fertigte er Haushaltswaren. Diese verkaufte seine Frau Therese im eigenen Laden an der Lindenstrasse.

1868 trat Ernst Blattmann (1839–1905) in die Fussstapfen seines Vaters und vollzog den Schritt vom Handwerker zum Fabrikanten. Von Alfred Diener kaufte er 1908 die Metallwarenfabrik am Floraweg. Ab 1911 verwendete Blattmann für die Herstellung seiner Haushaltartikel den neuen Werkstoff Aluminium.

Kunststoff verdrängt Metall

1923 trat der Sohn Paul als Praktiker, 1929 dessen Bruder Willi als Kaufmann in den Familienbetrieb ein. Stahlmöbel, Feuerlöscher und Blechemballagen bildeten bald neue Schwerpunkte im Fabrikationsprogramm. Vom Architekten Hans Fischli liessen die Brüder Blattmann 1934 einen modernen Neubau an der Zugerstrasse 64 erstellen. Der alte Betrieb am Standort des heutigen Coop wurde aufgegeben. Die Firma wurde in P. & W. Blattmann, Metallwarenfabrik Wädenswil umbenannt. Eines der bekanntesten Produkte aus diesen Jahren ist der Landi-Stuhl, ein 1939 für die Landesausstellung in Zürich fabrizierter Leichtmetallstuhl. Pauls ältester Sohn Ernst Blattmann (1927–2018) trat 1954 ins Unternehmen ein. Als sein Vater in den Ruhestand ging, kaufte er ihm 1966 die Anteile ab und wurde Partner seines Onkels Willi.

Trotz Hochkonjunktur waren die Umsätze rückläufig, denn Kunststoffe ersetzten Leichtmetall bei vielen Produkten. 1998 übergab Ernst Blattmann den Betrieb an die Mewa-Metalight AG. Doch der Markt hatte sich gewandelt. 2001 ging die Mewa-Metalight AG in Konkurs. Die Produktion wurde eingestellt. Als Rechtsform besteht die Blattmann Metallwarenfabrik AG nach wie vor.

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