Adliswil

Verärgerte Eltern verweigern Gespräch mit Schulpflege

Rund 100 Eltern verlangten von der Adliswiler Schulpflege Erklärungen zum plötzlichen Abgang zweier beliebter Schulleiterinnen. Jetzt liegt ein Antwortbrief vor. In diesem lädt die Schulpflege eine Delegation von Eltern zum Gespräch ein. Doch diese schlagen das Angebot aus.

Die Schule Zopf wird zurzeit nur interimistisch geführt. Doch inzwischen ist klar, wer ab Sommer die definitive Nachfolgerin der beiden zurückgetretenen Schulleiterinnen ist.

Die Schule Zopf wird zurzeit nur interimistisch geführt. Doch inzwischen ist klar, wer ab Sommer die definitive Nachfolgerin der beiden zurückgetretenen Schulleiterinnen ist. Bild: Michael Trost

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Unter Eltern und Lehrern hat sie schon länger den Ruf einer Pro­blem­schule: die Adliswiler Schule Zopf, die 188 Primarschüler und 71 Kindergärtler zählt. Schulpräsident Raphael Egli (CVP) hört dies allerdings nicht sehr gerne. «Wir bitten Sie, alles zu unterlassen, was dem Ruf der Schule Zopf schadet», schreibt Egli in einem Brief an die Eltern der Zopf-Kinder.

Es ist dies Eglis Antwortbrief auf ein Schreiben, das im letzten Dezember rund 100 Eltern unterschrieben hatten. Sie verlangten darin von der Schulpflege Klarheit, nachdem sie kurz und knapp über den sofortigen Abgang der beiden damaligen Zopf-Schulleiterinnen Silvia Kälin und Andrea Burch informiert worden waren. Warum die beiden Frauen, die unter Eltern und Schülern geschätzt waren, zurücktraten, wurde «aus personalrechtlichen Gründen» nicht kommuniziert, wie Egli bereits im Dezember gegenüber der ZSZ sagte. Auch im nun vorliegenden Antwortbrief erhalten die Eltern darum diesbezüglich keine Präzisierungen.

Infoabend «nicht sinnvoll»

Enttäuscht wird die Elternschaft auch in einem anderen Anliegen: Eine geforderte Informationsveranstaltung mit allen Eltern und Lehrern wird von der Schulpflege abgelehnt. Die Begründung: «Eine solche wäre nicht sinnvoll, da kein vertiefter Dialog aufgenommen werden kann.» Stattdessen schlägt der Schulpräsident «einen intensiven Austausch im kleineren Kreis vor». Teilnehmen dürfte eine Delegation von sechs bis zehn Eltern.

Doch die Eltern schlagen das Angebot aus. Es bringe nichts und sei nicht das, was man gefordert habe. «Wie sollen wir zudem aus hundert Eltern sechs bis zehn auswählen, die alle anderen angemessen vertreten?», sagt Christine Bachmann, die als Sprecherin der Elternschaft auftritt.

«Wir bitten Sie, alles zu unterlassen, was dem Ruf der Schule Zopf schadet.»Schulpräsident Raphael Egli (CVP) 

Ein Gespräch mit wenig Beteiligten statt klare Antworten an ­alle: Das passe zur «intransparenten Kommunikation der Schulpflege», sagt Bachmann. Beispiele dafür gebe es aus den letzten Jahren genügend. So wurde schon der Rücktritt des vorletzten Zopf-Schulleiters nicht begründet. In anderen Fällen habe man ein halbes Jahr auf Antworten der Schulpflege gewartet. Und als Eltern bei der Adliswiler Schulverwaltung einen Evaluationsbericht des Volksschulamts über die Schule Zopf verlangt hatten, sei die komplette Heraus­gabe zuerst mehrfach verweigert worden.

Dass sich die Eltern derart ­engagieren, hat mit ihrem Ärger über den Schulbetrieb im Zopf zu tun. Der integrative Unterricht, bei dem Kinder mit unterschiedlichsten Lernniveaus in der­selben Klasse sind, sorge in den Zimmern für Unruhe. «Auch das altersdurchmischte Lernen hat im jüngsten Evaluationsbericht schlecht abgeschnitten», sagt Bachmann. Viele Kinder seien mit dem Konzept überfordert, ist sie überzeugt. Nicht wenige Eltern müssten ihre Kinder ausserschulisch unterrichten lassen, um fehlenden Schulstoff nachzuholen.

Für die Eltern ist deshalb klar: «Die Schulpflege nimmt ihre Verantwortung für einen funktionierenden Betrieb der Schule Zopf zum Wohl der Kinder nicht wahr.»

Nachfolge ist geregelt

Die Vorwürfe der intransparenten Kommunikation und der nicht erfüllten Aufsichtspflicht weist Schulpräsident Raphael Egli zurück. «Wir nehmen diese Pflicht sehr wohl wahr. Sei es mit regelmässigen Schulbesuchen, Gesprächen oder Massnahmen für die Schüler und Schulleiter.»

Unbeirrt davon hat eine Gruppe von zwölf Eltern nun rechtliche Schritte gegen die Adliswiler Schulpflege eingeleitet. So haben sie am Montag dem Bezirksrat Horgen eine Beschwerde geschickt, zusammen mit einem rund 100-seitigen Dossier. Dieses soll die Versäumnisse der Schulpflege dokumentieren. Zudem haben die Beschwerdeführerdas Volksschulamt des Kantons Zürich eingeschaltet.

Für die Schule Adliswil sind dies ungemütliche Nachrichten. Denn eigentlich hat sie in diesen Tagen selber etwas Positives zu berichten: Für die Schulleitung des Zopf wurde eine Nachfolgerin gefunden. Ab August 2018 übernimmt Bernadette Herzog die Geschicke. Diese ist seit fast neun Jahren Schulleiterin im Adliswiler Primarschulhaus Werd. Interimsleiterin ist bis im Sommer Maja Blaumeiser. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 31.01.2018, 08:52 Uhr

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