Kilchberg

Umstrittene Notfallpraxis ist angelaufen – See-Spital zieht erste Bilanz

Vor kurzem hat das See-Spital am Standort Kilchberg eine Notfallpraxis eröffnet. Diese ermöglicht eine ambulante Behandlung. Genutzt wird das Angebot vor allem von Patienten ohne Hausarzt. Auch eine Kurabteilung hat das Spital integriert.

In die neue See-Spital-Praxis am Standort Kilchberg kommen vor allem Patienten ohne Hausarzt für eine Kurzkonsultation.

In die neue See-Spital-Praxis am Standort Kilchberg kommen vor allem Patienten ohne Hausarzt für eine Kurzkonsultation. Bild: Archivfoto: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine Autofahrerin ist auf der Durchreise von Deutschland nach Italien. Auf der Autobahn in der Nähe von Kilchberg schmerzt plötzlich der Fuss. Sie folgt den Wegweisern in Richtung Spital. Dort angekommen, humpelt sie in die Notfallpraxis, in der sie gleich behandelt wird und ihre Reise wieder fortsetzen kann.

Dieses Szenario war vor einigen Monaten am Standort Kilchberg des See-Spitals noch nicht möglich. Eine ambulante Behandlung von Patienten konnte nur in Horgen durchgeführt werden. Nun hat auch das Spital in Kilchberg eine Praxis eingerichtet, in der öffentliche Sprechstunden angeboten werden: die sogenannte See-Spital-Praxis. Diese besteht aus mehreren modernen Behandlungszimmern, die mit den notwendigen Instrumenten und Geräten ausgerüstet sind. Auch ein Lagerraum mit den wichtigsten Medikamenten ist vorhanden. Die Praxis hat von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Behandlung in einer Stunde

Das Ziel der ambulanten Station ist es, die Notfallaufnahme am Standort Horgen, welche an ihre Kapazitätsgrenzen stösst, zu entlasten. In der See-Spital-Praxis werden medizinische Probleme, die keinen stationären Spitalaufenthalt erfordern, wie Bauchschmerzen, leichte Verbrennungen oder etwa Verstauchungen, behandelt. Aber auch Sprechstunden bei einer Psychiaterin bietet die neue Praxis einmal wöchentlich an. Künftig soll auch eine Gynäkologin zum Beispiel für eine Schwangerschaftsbetreuung zur Verfügung stehen. Zudem sind auch Ärzte vor Ort, die Patienten nach einer Operation betreuen können. Bei den Ärzten am See-Spital in Kilchberg handelt es sich um Belegärzte, die nicht rund um die Uhr angestellt sind. In der Regel sollen die Patienten innert einer Stunde behandelt und wieder entlassen werden können.

«Die Stimmung ist schon besser, aber noch nicht sehr gut.»
Matthias Pfammatter, Direktor des See-Spitals

Die Verantwortlichen der See-Spital-Praxis ziehen nach den ersten Monaten des Betriebs eine positive Bilanz. «Viele Patienten, die in die neue Praxis kommen, haben keinen Hausarzt oder gehen nach einer Kurzkonsultation bei uns wieder zum Hausarzt zurück», sagt Viviane von Orelli, leitende Ärztin der See-Spital-Praxis. Die Hausärzte waren es auch, die sich an der neuen Notfallpraxis gestört hatten. Als «Geldmacherei» haben sie die neue Praxis des See-Spitals unter anderem verurteilt. «Es bestehen noch immer Ängste», sagt der Direktor des See-Spitals, Matthias Pfammatter. Sein Ziel sei eine gute Zusammenarbeit mit den Hausärzten. «Die Stimmung ist schon besser, aber noch nicht sehr gut.» Das See-Spital werde weiterhin das Gespräch suchen.

Bisher haben rund 500 Patienten die Praxis besucht. Das sind durchschnittlich acht pro Tag. Die meisten kommen aus der Region Adliswil, Thalwil, aber auch aus der Stadt Zürich. Das See-Spital rechnet künftig mit mehr Patienten. «Wir erwarten viele Neuzuzüger in den umliegenden Gemeinden», sagt von Orelli. Lorenzo Marazzotta, Stiftungsratspräsident des See-Spitals, ergänzt: «Unser Ziel ist es, das Bedürfnis der Region zu decken.»

Kurhaus im Spital

Auf dem Stockwerk der See-Spital-Praxis wurde neu auch eine Kurabteilung eingerichtet. Die Zimmer sind für Personen gedacht, die keinen Anspruch auf einen Platz in einer Reha-Klinik haben, aber nach einer Operation weiterhin Therapien des Spitals benötigen und auch noch nicht selbstständig zu Hause wohnen können. Ein Aufenthalt in einer Kurabteilung wird in der Regel nur teilweise von der Krankenkasse übernommen. Einen grossen Anteil dieser Kosten tragen die Patienten selbst. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.10.2018, 08:45 Uhr

Artikel zum Thema

Ärzte brüskiert über Pläne des See-Spitals für Notfallpraxis

Kilchberg Die geplante Walk-in-Praxis für Patienten mit kleineren Verletzungen im See-Spital hat einen Entrüstungssturm ausgelöst. Hausärzte der Zimmerberg-Region werfen der Spitalleitung vor, das gegenseitige Vertrauen zu untergraben. Mehr...

Hausärzte finden Notfallpraxis überflüssig

Kilchberg Hausärzte der Zimmerbergregion halten die geplante Notfallpraxis beim See-Spital für unnötig. Das Spital hingegen spricht von einem Versorgungsengpass, der sich anbahne. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!