Thalwil

Thalwil soll Klimaschutz vorantreiben

Sechs Thalwiler Parteien und Vereine lancieren eine Initiative, die von der Gemeinde ein schnelleres Handeln gegen den Klimawandel verlangt.

Einer der Vorschläge der Initianten: Die Gemeinde soll die Elektromobilität fördern, zum Beispiel mit öffentlichen Ladestationen. Foto: Thomas Egli

Einer der Vorschläge der Initianten: Die Gemeinde soll die Elektromobilität fördern, zum Beispiel mit öffentlichen Ladestationen. Foto: Thomas Egli Bild: Symbolbild: Thomas Egli

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Die globale Klimaerwärmung bereitet nun auch Thalwiler Parteien und Vereinen Sorgen: Die Gemeinde müsse ihre Bestrebungen zur Senkung der CO2-Emissionen «drastisch beschleunigen». Das schreiben SP, CVP, EVP, Grüne sowie die beiden Vereine Ökopolis und «Ludi-Quartier lebt!» in einer am Donnerstag versandten Medienmitteilung. Ihr Ziel: Die Gemeinde soll dafür sorgen, dass in Thalwil spätestens im Jahr 2030 der jährliche CO2-Ausstoss pro Person in etwa halbiert ist. Spätestens 2050 soll die Gemeinde ganz klimaneutral sein.

Ihr Anliegen durchsetzen wollen die sechs Parteien und Vereine mit einer Initiative, die sie am 22. Oktober dem Gemeinderat überreichen werden. Wie die Initianten schreiben, verlangt der Vorstoss, dass die Gemeinde innerhalb eines Jahres einen «ambitiösen und verbindlichen Massnahmen- und Finanzplan» erarbeitet, um die genannten Klimaziele zu erreichen. Dies soll in der Gemeindeordnung verankert werden.

«Zu wenig und zu langsam»

Die Klimaerwärmung: ein globales Problem. Trotzdem müsse es auch auf kommunaler Ebene angepackt werden, sagt SP-Vorstandsmitglied André Kaufmann, stellvertretend für die Initianten. «Die Belastung des Klimas entsteht ja schliesslich auch auf allen Ebenen.» Nur: Was die Gemeinde Thalwil bisher unternehme, zum Beispiel im Rahmen des Energieförderprogramms, sei «zu wenig und zu langsam».

«Jetzt muss die Gemeinde einen Zacken zulegen.»André Kaufmann, SP Thalwil

«Jetzt muss sie einen Zacken zulegen», sagt Kaufmann. Auf welchem Weg die Ziele konkret erreicht werden sollen, überlassen die Initianten dem Gemeinderat. Doch sie machen Vorschläge. So soll er beispielsweise den Bau von Wärmeverbünden, wie jener im Dorfzentrum, schneller vorantreiben und Hausbesitzer dazu verpflichten, dass sie ihre Liegenschaften an diese anschliessen. Auch soll in gewissen Zonen der Einbau neuer Ölheizungen verboten werden.

Wichtig sei auch das Thema Mobilität. Das Veloverkehrskonzept, das die Gemeinde ausgearbeitet hat, «muss nun zügig umgesetzt werden», sagt Kaufmann. Zudem verlangen die Initianten, dass die Elektromobilität gefördert wird. Zum Beispiel mit öffentlichen Ladestationen. Oder mit Parkplätzen, die nur Elektroautos zur Verfügung stünden.

Mehr ÖV für Ludretikon

Auch für einen gezielten Ausbau des öffentlichen Verkehrs solle sich die Gemeinde einsetzen. Dies ist denn auch eines der Hauptanliegen, weshalb sich der Verein «Ludi-Quartier lebt!» den Initianten angeschlossen hat. Die Erschliessung des Quartiers Ludretikon sei ungenügend, heisst es vonseiten des Vereinsvorstands. Doch auch sonst stehe man voll und ganz hinter der Initiative.

«Die Initiative ist ein Papiertiger, der enorme Kosten verursacht.»Thomas Henauer, FDP Thalwil

Auch die übrigen Thalwiler Parteien wurden angefragt, ob sie die Klima-Initiative unterstützen wollen. Bei der SVP stiess sie nicht auf Anklang, sagt Parteipräsident Fredi Selinger, denn: «Die formulierten Ziele müssen national angegangen werden und nicht von einer einzelnen Gemeinde.» Ins gleiche Horn bläst FDP-Präsident Thomas Henauer: «Die Initiative ist nichts als heisse Luft und ein Papiertiger, der enorme Kosten verursacht». Nichtsdestotrotz setzt nun auch die FDP Thalwil auf lokale Klimapolitik: Animiert durch ihre jüngste Bevölkerungsumfrage, will sich die Partei dafür einsetzen, dass Thalwil zu einer Pilotgemeinde in Sachen klimaneutraler Mobilität wird (siehe Infobox).

Grünliberale sind skeptisch

Kritisch äussert sich auch die GLP. Sie lässt in einem Communiqué verlauten, dass die GLP zwar auch für möglichst schnelle und effiziente Massnahmen sei. «Anders als die Initianten wollen wir die Verantwortung aber nicht nur an die Behörde delegieren.» Stattdessen lädt die Partei am Abend des 7. Novembers zu einem Anlass ins Gemeindehaus. An diesem will sie mit anderen Interessierten «mehrheitsfähige tragbare Lösungen» diskutieren und erarbeiten. Die Resultate sollen anschliessend dem Gemeinderat für die Erarbeitung von konkreten Klimamassnahmen zur Verfügung gestellt werden.

Kenntnis von der Klima-Initiative hat auch bereits Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP), wenn auch «noch nicht im Detail», wie er sagt. Obwohl der Gemeinderat in Sachen Energieförderung schon viel unternehme, stehe er der Initiative grundsätzlich offen gegenüber. Da die Initiative eine Änderung der Gemeindeordnung verlangt, wird sie den Stimmberechtigten an der Urne vorgelegt werden.

Erstellt: 10.10.2019, 20:58 Uhr

Infobox

FDP will Thalwil zur Pilotgemeinde machen

Die FDP Thalwil hat im September wieder eine Bevölkerungsumfrage durchgeführt. Diesmal zu Themen wie klimaneutrale Mobilität, Wirtschaftsförderung und Verwaltung. Laut dem Parteivorstand haben 135 Personen den Online-Fragebogen ausgefüllt. Rund die Hälfte waren FDP-Wähler. Basierend auf den Resultaten wolle sich die Partei nun einerseits dafür einsetzen, dass Thalwil zu einer Pilotgemeinde bezüglich klimaneutraler Mobilität wird. So solle sich die Gemeinde Hochschulen und Techfirmen für Mobilitätsexperimente, zum Beispiel mit autonomen Fahrzeugen, zur Verfügung stellen. Ein anderes Anliegen betreffe die Fragen zu Parlament und Grösse des Gemeinderats. Falls nötig, wolle sich die Partei für eine diesbezügliche Grundsatzabstimmung einsetzen. (ham)

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