Adliswil

Stadtrat entmachtet Stadtschreiberin

Die Adliswiler Verwaltung wird von der Stadtschreiberin und dem Stadtrat gemeinsam geführt. Das schaffe im Alltag Unklarheiten. Darum hat der Stadtrat beschlossen, sich mehr Einfluss zu verschaffen.

Der Adliswiler Stadtrat, hier am Wahlsonntag im letzten April, ändert seine Geschäftsordnung per 1. Januar 2019.

Der Adliswiler Stadtrat, hier am Wahlsonntag im letzten April, ändert seine Geschäftsordnung per 1. Januar 2019. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Diese Woche wurde es bekannt: Adliswils Stadtschreiberin und Geschäftsführerin Andrea Bertolosi-Lehr verlässt die Verwaltung per Ende Jahr. «Unterschiedliche Sichtweisen über die Zusammenarbeit zwischen Stadtrat und Verwaltung sowie über die zukünftige Neuausrichtung» hätten sie dazu bewogen, teilte die Stadt mit.

Nun ist klar, was mit diesen kryptischen Zeilen gemeint war. Denn der Stadtrat hat gemäss einer neuen Mitteilung entschieden, die Führung der städtischen Verwaltung neu zu regeln – mit einschneidenden Folgen. Bislang sind die Stadträte zwar für die strategische und inhaltliche Führung ihrer jeweiligen Ressorts verantwortlich. Die operative und personelle Führung hingegen obliegt der Geschäftsführerin, also Andrea Bertolosi-Lehr, als oberster Leiterin der Verwaltung.

Es gab Kompetenzkonflikte

Diese duale Führung sorge im Alltag für «Unklarheiten sowie Loyalitäts- und Kompetenzdiskussionen», schreibt die Exekutive. Entsprechende Konflikte hätten sich in letzter Zeit deutlich gezeigt. «Sowohl die Geschäftsführerin als auch der politische Ressortverantwortliche können dem Ressortleiter Anweisungen geben. Das kann zu Spannungen führen», erklärt Stadtpräsident Farid Zeroual (CVP) ergänzend.

Solche Situationen soll es in Zukunft nicht mehr geben. Der Stadtrat passt deshalb seine Geschäftsordnung per Anfang 2019 an. Die oberste Verantwortung – auch die operative – über die Ressorts werde damit eindeutig bei den zuständigen Stadträten angesiedelt. Das bedeutet, dass die Stadträte künftig auch über personelle Massnahmen entscheiden können. In der jetzigen Regelung seien ihnen die Hände gebunden. Der Stadtrat drückt es so aus: «Es ist nicht verständlich, weshalb ein Ressortvorsteher, der die Gesamtverantwortung für das zugewiesene Ressort trägt, keine Weisungsbefugnis in personellen und operativen Fragen haben soll.»

Die Exekutive verschafft sich also mehr Einfluss. Gleichzeitig streicht sie die Funktion der Geschäftsführerin. Bertolosi-Lehrs Nachfolgerin oder Nachfolger wird also «nur» noch als Stadtschreiberin oder Stadtschreiber fungieren. Zwar berät und unterstützt man in dieser Funktion den Stadtrat und koordiniert die Verwaltung, trifft aber keine operativen Entscheide, die die Ressorts betreffen. «Man trägt aber auch keine Verantwortung für die personelle Führung», betont Farid Zeroual.

Stelle wird ausgeschrieben

Wie aus dem entsprechenden, schriftlichen Stadtratsbeschluss hervorgeht, hatte Sozialvorsteher Renato Günthardt (SVP) die Anpassung der Geschäftsordnung im Stadtrat beantragt. Waren es also ausschliesslich Konflikte in seinem Ressort, die die nun beschlossene Abschaffung der Geschäftsleitung ausgelöst haben? «Nein», betont Günthardt. Das Thema sei vom gesamten Gremium diskutiert worden. Dass er als Antragsteller genannt werde, habe «rein formelle Gründe».

Andrea Bertolosi-Lehr war am Freitag wegen Ferienabwesenheit nicht erreichbar. Wer ab Januar 2019 ihr Amt als Stadtschreiberin übernehmen wird, ist noch völlig offen. Zurzeit werde das Stellenprofil angepasst und die Stelle demnächst ausgeschrieben, sagt der Stadtpräsident. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.10.2018, 17:30 Uhr

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