Richterswil

Spektakuläre Brückenverlegung in Samstagern

Von Dienstag auf Mittwoch wurden drei Brücken über den Sagenbach in Samstagern verlegt. Trotz minutiöser Planung lief nicht alles wie am Schnürchen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Acht Meter lang, drei Meter breit und etwa 22 Tonnen schwer sind die einzelnen Bauteile. Am Dienstagabend fährt um 18.30 Uhr der Pneukran vor, die Strassenseite zum Sagenbach hin ist bereits abgesperrt. Der Verkehr läuft alternierend und wird von einer Signalanlage geregelt.

Die wuchtige Maschine hebt sich auf ihre Ausleger, drunter liegen Abstützplatten, damit der Strassenbelag keinen Schaden nimmt. Ihre zehn Räder schweben in der Luft. Leuchtend orange Kleidung und gelb blinkende Drehlichter bestimmen das Bild. Alle auf der Baustelle tragen einen roten oder gelben Helm, auch die Kinder, die zusehen dürfen. Projektleiter Thomas Heiderich hat seine Familie mitgebracht, damit sie sehen können, was der Vater arbeitet.

Die Herausforderung eines solchen Projekts liegt für ihn nicht in den einzelnen Arbeitsschritten, sondern in der Koordination der vielen kleinen Dinge. Da musste abgeklärt werden, ob der Kran so nahe an einer Hochspannungsleitung überhaupt zur nötigen Länge ausfahren kann und ob das auch bei feuchtem Wetter geht. Der Kranführer Markus Wüthrich hat das selber in Erfahrung gebracht und sagt: «Ich habe dann noch eine Sicherheitsmarge eingebaut.» Nach einer Stunde Arbeit ist der Kran für seine Aufgabe bereit und schon fährt der Lastwagen mit der Brücke vor.

Zum Verwechseln ähnlich

Die drei Brücken, die in dieser Nacht über den Sagenbach verlegt werden, ähneln sich zum Verwechseln. Bloss sind bei jenen weiter bachabwärts auch Werkleitungen vorbereitet, die oberste beim Schulhaus braucht das nicht. Alle sind etwa acht Meter lang, drei Meter breit und 40 Zentimeter dick. Gebaut wurden die Brücken in Winterthur bei der Firma Lerch.

Heiderich erklärt, dass ein Bau vor Ort logistisch einfacher gewesen wäre, doch hätte das Risiko bestanden, dass der Sagenbach bei einem allfälligen Hochwasser der Bauerei einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Und die notwendige Betonqualität sei in diesem Verfahren leichter zu erreichen. Die alte Brücke hatte 25 Jahre gehalten, die neue sollte doppelt so alt werden.

Um 20 Uhr fängt die Brücke an zu schweben. Ganz langsam erhebt sie sich vom Tieflader, der sie von Winterthur hergebracht hat. «18», dann «22», ruft der Kranführer via Funk zu seinem Gehilfen. Bei «22» schwebt sie ganz in der Trossen. Die Zahl zeigt im Kran an, wieviel Gewicht am Haken hängt. Plötzlich steht die Frage im Raum, ob es die richtige Brücke ist und welches Ende auf welche Seite des Sagenbachs gehört.

Korrosionsschutz entfernt

Diskussionen folgen hier und dort, doch eine Nachprüfung mit dem Klappmeter macht alles klar: Die Brücke stimmt und die Richtung auch. Die oberen Teile der stählernen Widerlager sind unter der Brücke bereits eingegossen. Jetzt müssen die unteren Teile in die oberen gefügt werden. Doch hier passiert etwas Unvorhergesehenes: Die Lager passen nicht in die vorgesehenen Fugen. Zuviel Farbe wurde auf die Stahlteile aufgetragen. Nach einigem Hin und Her wird ein Winkelschleifer zur Hand genommen und das Zuviel an allen vier Lagern funkensprühend entfernt.

Thomas Heidrich ist nicht erfreut, jetzt fehlt dort der Korrosionsschutz. «Ideal ist das jedenfalls nicht.» Er ist sicher, dass eine einheimische Stahlbaufirma für den Fehler verantwortlich ist.

Um 21 Uhr bewegt sich die Brücke weiter zu ihrem Bestimmungsort. Jetzt stören einige Haselbüsche, sie fallen der Kettensäge zum Opfer. Die Brücke senkt sich nun Zentimeter um Zentimeter, dann Millimeter um Millimeter auf ein provisorisches Lager. Die 16 Stahlstifte, die aus den Lagern herausragen, passen genau in die ins Widerlager gebohrten Löcher. Etwas später werden sie einbetoniert und die Provisorien entfernt. Danach wird der Zugang aufgeschüttet und die Arbeit ist fertig.

Der Kran baut sich anschliessend selbst zurück und wird an die nächste Baustelle verlegt. Seine Arbeit schliesst er erst in den frühen Morgenstunden ab. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.06.2018, 15:32 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben