Horgen

So steht es um Horgens erste Öko-Siedlung

Unterhalb der Autobahn soll ein klimafreundliches Quartier mit 120 Wohnungen entstehen. Noch in diesem Jahr sollen auf den ersten Parzellen die Bagger auffahren.

Auf diesem Areal soll ein neues Quartier entstehen.

Auf diesem Areal soll ein neues Quartier entstehen. Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Gemeinde Horgen wächst und wächst: Auf dem Schweiter Areal beim Bahnhof Oberdorf entstehen derzeit 210 neue Wohnungen, weitere sind im Silo geplant. Vor gut einem Jahr segnete die Gemeindeversammlung ausserdem den privaten Gestaltungsplan für 70 Wohnungen auf der Obstwiese im Ebnet ab.

Nur einen Katzensprung vom Ebnet entfernt soll im Umland der Feller AG ein neues Quartier mit rund 120 Mietwohnungen, sowie Gemeinschafts- und Gewerberäumen entstehen. Bauherrin ist die «Trift Bewirtschaftung von Grundstücken AG» (Trift AG). Diese wurde von der Landeigentümerin Anna Barbara Züst, einer Nichte der Unternehmerin Elisabeth Feller (1910-73), gegründet. Mit dem Bauvorhaben will sie die Tradition des sozialen Engagements ihrer Familie fortsetzen.

So soll die Öko-Siedlung dereinst aussehen. Bild: PD/Visualisierung.

Bekannt sind die Pläne für ein autoarmes, ökologisches Quartier bereits seit 2012. Das Bundesamt für Energie zeichnete das Projekt 2016 mit dem «2000-Watt-Areal»-Zertifikat aus. Letztes Jahr wurde das Zertifikat erneuert. In den Bezirken Horgen und Meilen gibt es nebst dem Trift Quartier keine weiteren Beispiele für 2000-Watt-Areale.

Vier Parzellen, ein Quartier

Entstehen soll Horgens neues Quartier auf vier insgesamt 40000 Quadratmetern grossen Arealen — «Fischenrüti», «Mitte», «Kuppe» und «Stotzweid». Verbunden werden die Parzellen durch einen neu angelegten Höhenweg.

Für das Areal «Stotzweid» hat der Kanton den privaten Gestaltungsplan Ende letzten Jahres genehmigt. Der Gestaltungsplan ist nötig, weil sich das Gebiet in der Industriezone mit Sonderbauvorschriften befindet, die Bauherrschaft aber nebst Gewerbe auch Wohnungen plant. Vorgesehen sind ein vierstöckiges Wohnhaus mit 29 Wohnungen, sowie ein ebenfalls vierstöckiger Gewerbebau mit Einheiten zwischen 40 und 400 Quadratmetern. Wie Monika Hartmann, Architektin und Verwaltungsratspräsidentin der Trift AG, erklärt, werde die Bauherrschaft im laufenden Jahr eine Marktstudie durchführen. «Der Gewerbeanteil auf dem Areal liegt bei 50 Prozent. Deshalb wollen wir erst dann damit beginnen, ein detailliertes Bauprojekt auszuarbeiten, wenn wir die Bedürfnisse der künftigen Mieter kennen», sagt Hartmann.

Weiter fortgeschritten ist die Planung auf den drei übrigen Parzellen «Fischenrüti», «Mitte» und «Kuppe», für welche bereits Bauprojekte ausgearbeitet sind. Gestaltungspläne waren nicht notwendig, da die Bauherrschaft die Rahmenbedingungen der dortigen Wohnzone einhält. Die Baubewilligungen für die drei Parzellen wurden im Sommer 2017 erteilt und werden laut Hartmann demnächst rechtskräftig.

Wie Jörg Baumgartner, Leiter der Abteilung Hochbau der Gemeinde Horgen erklärt, habe diese Verzögerung unter anderem mit dem Konzept der Trift AG zu tun, welches davon ausgeht, dass nur wenige der künftigen Quartierbewohner ein Auto besitzen werden. «Falls Missstände auftreten weil doch mehr Mieter mit Autos zuziehen als erwartet, muss die Bauherrschaft weitere Parkmöglichkeiten bauen.» Im Trift Quartier wären dies eine zweigeschossige Tiefgarage. Ein Vertrag zwischen der Gemeinde Horgen und der Bauherrschaft regelt die Abläufe, die — wenn nötig — zum Bau der Garage führen.Bis Ende Januar kann gegen diese vertragliche Regelung Rekurs eingereicht werden. Geschieht dies nicht, kann die Trift AG die Baufreigabe in Angriff nehmen.

«Mitte» und «Kuppe» zuerst

Die Bauarbeiten erfolgen in Etappen.Bei der Trift AG ist man zuversichtlich, noch in diesem Jahr damit beginnen zu können. «In einem ersten Schritt werden die Parzellen «Mitte» und «Kuppe» realisiert», sagt Monika Hartmann. Auf dem Areal «Mitte» befindet sich das historische Gebäude-Ensemble aus Scheune, Gärtner- und Waschhaus, sowie das ehemalige alte Fabrikantenwohnhaus mit der historischen Parkanlage. Sämtliche Gebäude bleiben erhalten und sollen den Begegnungsort des neuen Quartiers bilden. Auch der Park soll den Quartierbewohnern teilweise offen stehen. Im Gärtnerhaus und in der Fabrikantenvilla entstehen je zwei Wohnungen und eine Quartierbeiz. In der Scheune will die Trift AG unter anderem einen Gemeinschaftsraum für die Mieter des Quartiers erstellen. In das Waschhaus könnte eine Velowerkstatt einziehen.

«Der Baustart hängt von verschiedenen Faktoren ab, auch davon, wie schnell wir für die Gewerberäume Interessenten finden.»Monika Hartmann, Architektin und Verwaltungsratspräsidentin der Trift AG

Auf dem Areal «Kuppe» will die Bauherrschaft fünf zweigeschossige Holzgebäude mit je sechs Wohnungen und privaten Aussenräumen errichten. Ursprünglich waren sechs Gebäude geplant. «Das sechste Haus hätte jedoch einer anderen Liegenschaft die Sicht versperrt», sagt Hartmann. Deshalb habe man die Pläne um ein Gebäude reduziert.

Sind die Bauarbeiten auf den beiden ersten Parzellen beendet, will die Trift AG in einer zweiten Etappe die Parzelle «Fischenrüti» bebauen. Hier sind fünf dreistöckige Wohnhäuser mit je zehn Mietwohnungen geplant.

Als letztes werden die Bagger auf dem Areal «Stotzweid» auffahren. Wann genau es soweit sein wird, kann Hartmann nicht abschätzen. «Es hängt von verschiedenen Faktoren ab, auch davon, wie schnell wir für die Gewerberäume Interessenten finden.»






Erstellt: 15.01.2020, 16:31 Uhr

Das 2000-Watt-Zertifikat

Mit dem Zertifikat «2000-Watt-Areal» zeichnet das Bundesamt für Energie Siedlungen aus, die sich für den Klimaschutz einsetzen und bei Bau, Betrieb und Erneuerung einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen vorweisen. Auch die durch den Siedlungsbetrieb verursachte Mobilität fliesst in die Zertifizierung ein. Der Trägerverein Energiestadt stellt die Zertifizierung sicher.

Bauprojekte können bereits in der Planungsphase mit dem Zertifikat ausgezeichnet werden. Sobald ein Areal zu über 50 Prozent genutzt wird, kann die Auszeichnung «im Betrieb» erfolgen. Die Zertifizierung eines Areals in Entwicklung muss alle zwei Jahre erneuert werden. Die Rezertifizierung einer bestehenden Siedlung erfolgt alle vier Jahre. Seit letztem Jahr können auch bestehende Areale ausgezeichnet werden, die sich im Prozess hin zu den Zielwerten der 2000-Watt-Gesellschaft befinden. Diese strebt an, den Pro-Kopf-Energieverbrauch in der Schweiz bis zum Jahr 2100 von heute durchschnittlich 5500 Watt auf 2000 Watt zu senken. (fpr)

Artikel zum Thema

Baustart für Horgner Öko-Siedlung verzögert sich

Horgen Am Siedlungsrand entlang der Bergstrasse plant die Trift AG ein neues, autoarmes Quartier. Die Gemeinde Horgen fordert dennoch, dass nachträglich eine Tiefgarage gebaut werden kann, falls das Konzept nicht aufgeht. Mehr...

Pläne für ein fast autofreies Quartier

Horgen Autoarm und ökologisch nachhaltig: Rund ums Feller-Areal entsteht ein ungewöhnliches neues Quartier mit etwa 120 Mietwohnungen sowie Gewerberäumen und Büros. Mehr...

Neues Quartier mit 70 Wohnungen in Horgen geplant

Horgen Die Obstwiese neben der Feller AG an der Ebnetstrasse in Horgen soll überbaut werden. Ein privater Gestaltungsplan sieht sieben Mehrfamilienhäuser mit 70 Wohnungen vor. Die Gemeindeversammlung muss das Projekt Ebnet im Dezember absegnen. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.