Wädenswil

So sieht ein bewohntes Denkmal aus

Anlässlich der Europäischen Tage des Denkmals stehen die Türen des denkmalgeschützen Hauses an der Florhofstrasse 20 offen. Über die Herausforderungen, welche dessen Renovation mit sich brachte, berichten die Architektinnen.

Vor dem Umbau wirkte das Haus an der Florhofstrasse 20 in Wädenswil verwahrlost (links) – nachdem die Fensterläden ersetzt und das Haus neu gestrichen wurde, sieht alles wie neu aus (rechts).


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Manche Türen von alten Häusern machen neugierig und zu gerne würde man einen Blick dahinter werfen. Eine solche Gelegenheit bietet sich am kommenden Wochenende, denn dann finden die Europäischen Tage des Denkmals statt.

An zahlreichen Führungen durch alte Gebäude teilgenommen haben jeweils an diesem Tag die beiden Architektinnen Christa Baldinger und Katrin Zech, Inhaberinnen des Architekturbüros Baldinger Zech GmbH. «Nun haben wir uns selbst mit einem von uns renovierten und unter kommunalem Denkmalschutz stehendem Haus aus dem 17./18. Jahrhundert beworben und freuen uns, dass wir interessierte Gäste durch das Haus führen dürfen», sagt Baldinger.

Nach mehreren Umbauten sind heute noch Holzbalken des ursprünglichen Daches sichtbar und auch der alte Boden konnte teilweise erhalten werden. Bild: Patrick Gutenberg

Dieses Jahr stehen die Tage des Denkmals unter dem Motto Farben. In einem frischen Beige erstrahlt denn auch das Haus an der Florhofstrasse 20, das vor zwei Jahren von den Architektinnen umgebaut und renoviert wurde. Auch im Innern des Hauses, haben die Architektinnen mit Farben gearbeitet. «Dass alle Wände weiss sein müssen, ist eine Mode der Moderne», sagt Baldinger.

Früher habe man häufig die Innenräume farbig gestrichen. Dies berücksichtigten die Architektinnen auch beim Umbau des Hauses an der Florhofstrasse, das sich übrigens auch in ihrem Besitz befindet. Die Wände wurden mit mineralischen Farben in natürlichen harmonischen Tönen gestrichen. Bunte und knallige Töne kamen nicht in Frage, denn die Holzbalken und Böden seien bereits farbgebend. «Mit gemusterten Platten im Badezimmer soll der Stil von anno dazumal in die Gegenwart geholt werden», sagt die Architektin.

Jahrhunderte alte Farbe

Doch wurde im Zuge der Renovierung nicht nur Farbe aufgetragen, sondern auch versucht diese zu entfernen. «Während all der Jahre haben die Bewohner unter anderem die Fensterrahmen immer wieder überstrichen», sagt Baldinger. Um die Rahmen zu erhalten und deren Holz wieder freizulegen, musste die Farbe Schicht für Schicht abgekratzt werden. Ein Prozedere, das dreimal so lange dauerte wie das Streichen danach.

Ein wunderschöner Kachelofen dominiert diesen Raum. Bild: Patrick Gutenberg

Auch die Holzbalken in den Wohnungen versuchten die Arbeiter mithilfe von Föhn und Schleifgerät von der Farbe zu befreien. Doch die Farbe habe sich als äusserst hartnäckig erwiesen, so dass den Architektinnen nichts anderes übrig blieb als einige Balken zu überstreichen.

«Es fasziniert mich, alte Häuser mit Geschichte bewohnbar zu machen.»Christa Baldinger, Architektin der Baldinger Zech GmbH

Übernommen haben sie das Haus in einem desolaten Zustand. «Es gab bis auf einen alten Kachelofen weder Heizung noch eine richtige Küche und das einzige Bad befand sich im Untergeschoss», sagt Baldinger. Dennoch sei das Haus bewohnt gewesen. Es sei die Faszination, alte Häuser mit Geschichte bewohnbar zu machen, welche die beiden Architektinnen für diese aufwändige Renovation antreibt.

Immer wieder mussten sie die Unternehmer zurückhalten, damit diese nicht bestehende Details rausrissen, um diese zu ersetzen. «Wir wollten so viel wie möglich des bestehenden Hauses retten», sagt sie, denn es benötige eine gewisse Menge an alten Beschlägen, Türen, Fenstern und Balken um den Charme des Gebäudes zu bewahren.

Der Estrich wurde zu einem Dachgeschoss ausgebaut. Bild: Patrick Gutenberg

Und so entdeckt man im Haus auch überall kleine Details, wie kunstvoll geschwungene Scharniere oder Griffe an den Türen oder ein Fenster in einer Innenwand, das nach einem Um- oder Anbau erhalten blieb. Wo dies möglich war, wurde auch der originale Holzboden abgeschliffen und erhalten. Wurmlöcher, knarzende und wurmstichige Dielen erinnern immer wieder daran, wie viele Jahre das Haus bereits auf dem Buckel hat.

Giebel wich einer Terrasse

Besonders schwierig umzusetzen waren für die Architekten die Auflagen der Feuerschutzpolizei. Die Böden und Decken mussten dazu speziell gedämmt werden, was in den eh schon niedrigen Räumen noch mehr Platz wegnahm. Und im Treppenhaus musste ein Schacht eingezogen werden, damit im Brandfall der Rauch entweichen kann. Auch dies eine Knacknuss für die Architekten, da der Flur nur wenig Platz bietet.

Christina Baldinger, Architektin der Baldinger Zech GmbH. Bild: pd

«Gefreut hat uns, dass wir den Estrich ausbauen und statt des Giebelfensters eine Terrasse erstellen konnten», sagt Christa Baldinger. Dies habe auch die grösste Veränderung des Hauses ausgemacht. Zwei Zweizimmerwohnungen und eine Dreizimmerwohnung beinhaltet das Gebäude heute.

«Es ist nicht jedermanns Sache, in einem so alten Haus zu wohnen», sagt die Architektin. Zwar sei nun vieles neu, aber manche Böden bleiben schief, die Decken niedrig, die Räume klein und es gibt weder Lift noch Balkone. Dennoch geht ein ganz besonderer Charme von diesen Wohnungen aus. Davon überzeugen können sich die Besucher am Wochenende selbst, wenn die Bewohner der Florhofstrasse für kurze Zeit die Türen zu ihren Wohnungen öffnen.

Erstellt: 12.09.2019, 16:43 Uhr

Tage des Denkmals

Mit den Europäischen Tagen des Denkmals soll in der Bevölkerung das Interesse an den Kulturgütern und deren Erhaltung geweckt werden. In der ganzen Schweiz sind jeweils am 2. Wochenende im September Interessierte zu Führungen, Atelier- und Ausgrabungsbesichtigungen, Exkursionen sowie vielen weiteren Veranstaltungen eingeladen (Programm unter www.nike-kulturerbe.ch). Auch am Zürichsee gibt es Kulturgüter zu entdecken.

In Wädenswil führen am Samstag, 14. September, um 13 und um 15 Uhr die Architektinnen und Eigentümerinnen durch das denkmalgeschützte Wohnhaus an der Florhofstrasse 20, das aus dem 17./18. Jahrhundert stammt. Die Wohnungen werden von den Mietern für die Veranstaltung geöffnet. Eine Anmeldung ist unter info@baldingerzech.ch erforderlich.

In Küsnacht findet am Samstag, 14. September, um 13 und um 17 Uhr eine «Farbige Reise ins Unbewusste» statt. Interessierte können den Garten des heutigen Museums Haus C.G. Jung an der Seestrasse 228 besuchen. Der Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie schuf nach seinen Vorstellungen zusammen mit der Gartenbaufirma E. Mertens’ Erben eine Landschaft, welche Garten und Gebäude zu einem einzigartigen Ensemble verschmelzen lassen.

In Männedorf dreht sich am Samstag, 14. September und am Sonntag, 15. September ab 9 Uhr alles um Gotthelfs farbenfrohe Alchemisten. Teilnehmer ab 14 Jahren können an der Seestrasse 119 im Keller an einem Farben-Workshop teilnehmen und sich auf eine Reise in die Welt der Farben und Pigmente begeben. Es wird nach alter Tradition gemischt und gestaltet. Eine Anmeldung ist erforderlich unter www.malenundhandwerk.ch.

Die Farbigkeit in Stäfas Kernzonen ist Thema am Sonntag, 15. September. Von 14 bis 17 Uhr wird im Museum zur Farb, Dorfstrasse 15, die für Stäfa erarbeiteten Broschüren der Kernzonen-Farbigkeit ausgestellt. In den historischen Quartieren soll auf diese Weise die ursprüngliche Farbigkeit wieder erlebbar sein. Um 15 Uhr kann man an einer Führung teilnehmen.

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