Frauenstreik

Sie trägt den Frauenstreik ins Klassenzimmer

Theresa Zeller (59) aus Horgen war schon 1991 am Frauenstreik dabei. Im Interview macht sie deutlich, dass die Schule im Thema Gleichberechtigung ein Vorbild sein muss.

Die Schule soll Kinder auf die Gleichstellungsproblematik aufmerksam machen: Theresa Zeller aus Horgen .

Die Schule soll Kinder auf die Gleichstellungsproblematik aufmerksam machen: Theresa Zeller aus Horgen . Bild: Sabine Rock

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Was ist Ihre Motivation den Frauenstreik zu unterstützten?
Ich war schon 1991 auf der Strasse und bin für die Rechte der Frauen eingestanden. Heute sind wieder viele junge Frauen aktiv und ich freue ich mich über den frischen Wind. Ich selber unterrichte nie an einem Freitag, organisiere aber mit dem Frauenforum Horgen im Dorf einen «Frauenzmittag» und gehe am späten Nachmittag selbst an die Frauendemo.

Im Schulhaus Bergli in Horgen werden Sie mit Ihren Kindern anlässlich des Frauenstreiks Diskussionen führen. Was ist geplant?
In verschiedenen Klassen werden Kurzfilme angeschaut, welche zu altersgerechten Diskussionen über die Genderfrage anregen. Auch Bilderbücher mit Frauen als Heldinnen werden vorgelesen und besprochen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit diesen Aktionen?
Es ist uns wichtig, die Kinder für die Genderthematik zu sensibilisieren. Dies entspricht im Übrigen auch dem Lehrplan 21, welcher diese Thematik aufgreift.

Sind in jeder Klasse des Schulhauses solche Aktionen geplant?
Nein, es wurde den Lehrpersonen frei überlassen, ob sie etwas mit ihren Schüler- und Schülerinnen machen. Ich weiss von vielen Arbeitskolleginnen und -kollegen, dass sie etwas geplant haben. Aber da wir kurz vor den Sommerferien stehen und gerade eine Projektwoche hinter uns haben, sind auch viele etwas müde und werden die Thematik nicht aufgreifen.

«Die Mädchen in der Primarstufe sind selbstbewusst und stark.»

Sie geben seit 30 Jahren Schule. Wie verhalten sich die Kinder im Klassenzimmer?
Hier in der Unterstufe sind die Mädchen und Buben gleichgestellt. Ich sehe selbstbewusste und starke Mädchen, die für sich einstehen. Die Differenzen beginnen erst in der Oberstufe. Ich glaube, dass in der Pubertät die Partnerwahl in den Fokus rückt und die jungen Frauen beginnen sich unterzuordnen. Ein Grund, so vermute ich, liegt an der Werbung und an den Vorbildern, die sie suggeriert. Sie reaktiviert das alte Rollenbild- der Mann als Jäger und die Frau am Herd.

Was müsste konkret geschehen, um dem Gegensteuer zu geben?
Die Frauen müssen an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten. Man muss die Mädchen für ihre Leistungen loben und sie darin bestärken und nicht für ihr gutes Verhalten. Sie benehmen sich in vielen Fällen schon angepasst.

Wie arbeiten Sie mit Ihrer Klasse an der Gleichstellungsproblematik, wenn nicht gerade Frauenstreiktag ist?
Schulen decken heutzutage eine grosse Vielfalt ab. Es kommen Kinder aus unterschiedlichem kulturellem Hintergrund zusammen; hochbegabte oder beeinträchtigte Schüler arbeiten gemeinsam in einem Zimmer. Das ist teilweise eine grosse Herausforderung. Es soll nicht nur um die Genderfrage gehen, sondern es müsste so sein, dass sich alle gleichgestellt sind. Da muss die Schule als Vorbild ansetzen und ich versuche, die Kinder deshalb in ihrer Selbstreflexion, Toleranz und Respekt zu stärken.

Die Schule ist mittlerweile stark von Frauen geprägt. Was geschieht mit den Buben? Sehr schnell wird ihnen ja vermittelt sie seien zu laut und zu wild.
Leider fehlen nicht nur die männlichen Lehrpersonen, sondern auch die Väter zu Hause. Die Jungen haben keine männlichen Vorbilder mehr. Ich stelle eine grosse Verunsicherung bei den Buben fest. Diese Unsicherheit äussert sich teilweise in grenzüberschreitendem Verhalten. Die Buben finden ihre Rollen nicht.

Was muss geschehen?
Früher war das Unterrichten eine Aufgabe die von Männern ausgeführt wurde. Der Lehrerberuf besass viel Ansehen. Je mehr Frauen in dieses Berufsfeld drangen, desto mehr verlor der Beruf an gesellschaftlichem Ansehen. Das zeigt sich auch darin, dass die Löhne stagnierten. Und da muss man ansetzen. Der Beruf des Lehrers muss wieder attraktiver werden. Die Löhne müssen angepasst werden, sodass auch wieder mehr Männer den Beruf ergreifen und die wichtige Vorbildsfunktion übernehmen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.06.2019, 17:07 Uhr

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