Wädenswil

Schulpräsident muss nach 21 Jahren den Stadtrat verlassen

Es war die Überraschung des Wahlsonntags: Schulpräsident Johannes Zollinger wird in der nächsten Legislatur nicht mehr im Stadtrat sitzen. Er wirkt gefasst am Tag nach der Abwahl - sein Umfeld ist betroffen.

Mit der Schule wird er zwar nicht mehr als Schulpräsident, aber als Grossvater zu tun haben: Johannes Zollinger mit seinem Enkel Timon Lenz.

Mit der Schule wird er zwar nicht mehr als Schulpräsident, aber als Grossvater zu tun haben: Johannes Zollinger mit seinem Enkel Timon Lenz. Bild: Manuela Matt

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«Dass man nicht wiedergewählt wird, gehört zum politischen Prozess», sagt der bisherige Schulpräsident Johannes Zollinger (EVP). Das sage sein Kopf. Manchmal laufe es nicht so, wie man will. Im Herzen sei er noch traurig und enttäuscht. Er verlasse den Stadtrat aber nicht mit Frust, sondern mit Wehmut.

Bei den Stadtratswahlen erhielt Johannes Zollinger 1812 Stimmen. Damit erreichte er zwar das absolute Mehr von 1484 Stimmen, schied aber als überzählig aus dem Stadtrat aus.

Aufwand war nicht sichtbar

Elf Jahre war Johannes Zollinger in der Schulpflege bevor er vor 21 Jahren Schulpräsident wurde. «Die Schule läuft gut. Wir haben gute Mitarbeitende, Schulleiter und eine gute Behörde», sagt Zollinger. «Wenn alles gut läuft, dann nimmt die Bevölkerung die Arbeit die dahinter steckt, nicht wahr», vermutet Zollinger einen Grund dafür, dass am Ende seine Stimmenanzahl nicht reichte. Denn von aussen sehe man nicht, welcher Aufwand aber auch welche Freude hinter seinem Amt als Schulpräsident stecken.

«Das Wahlergebnis zeigt, dass man Johannes Zollinger nicht abwählen wollte.»Patrick Weil, Leiter Pädagogik und Schulentwicklung

Er schaue daher gerne auf seine Zeit als Schulpräsident zurück, während der er mit vielen Menschen eine gute Zusammenarbeit genossen habe. «Ganz nach meinem Motto: man muss hören aufeinander, reden miteinander und arbeiten füreinander.» Und weil es so gut lief, hatte der 69-Jährige sich entschieden, noch eine weitere Legislatur das Schulpräsidium zu bekleiden. Gerne hätte er die Fusion der Primarschulen von Schönenberg und Hütten begleitet, die Erneuerung der IT und den Lehrplan 21. Zudem sei nun endlich das Bewusstsein da, dass für die Schulen auch baulich etwas gemacht werden müsse, sagt Zollinger. Gerne wäre er als Stadtrat dabei gewesen, wenn nun das Bauprojekt zum Schulhaus Glärnisch, dem Kindergarten Meierhofe und die Turnhalle in der Au umgesetzt werden. «Doch wahrscheinlich würde man immer etwas finden, das man noch begleiten möchte», sagt Zollinger.

Seinen Mitarbeitern möchte er Mut machen, dabei zu bleiben. Der neue Schulpräsident oder die neue Schulpräsidentin sei auf die Erfahrungen der Schulleiter und Lehrer angewiesen. Vermutungen, wer das sein könnte, möchte Zollinger jedoch nicht abgeben. «Viel wichtiger ist es, dass die Person das Amt gerne übernimmt und der Stadtrat niemanden dazu verknurren muss», sagt er.

Wenn sein Rat gefragt sei, werde er gerne Auskunft geben. «Ich werde mich aber nicht mehr in die Politik einmischen», sagt Zollinger. Er werde lediglich seine Partei unterstützen. Die Jungen würden nun etwas Neues bewegen wollen und dem möchte Zollinger nicht im Weg stehen.

Für seine Mitarbeiter und Behördenmitglieder kam Zollingers Abwahl aus heiterem Himmel. «Er ist im Wahlkampf untergegangen», kommentiert EVP-Präsident Harald Lenz die Wahlen. «Wir von der EVP finden das Ergebnis sehr bedauerlich.» Dei EVP hätte die Wahlen unterschätzt und zu wenig mobilisert, gesteht Lenz ein. Aber die Partei habe fest mit der Wiederwahl gerechnet. Zollinger habe zwar viele Stimmen erhalten, doch die anderen Kandidaten noch mehr. Einziger Trost sei der zusätzliche Sitz im Parlament.

«Er ist ein guter Zuhörer»

Tief betroffen zeigt sich auch Roland Gugger, Vizepräsident der Schulpflege. «Es gab keine Skandale und Unregelmässigkeiten, weshalb ich nicht damit gerechnet habe, dass Johannes Zollinger es nicht mehr in den Stadtrat schafft», sagt Gugger. Er habe ihn als guten Zuhörer, nahbaren und bescheidenen Menschen kennengelernt. Zollinger besitze ein grosses Knowhow und ein Gespür für das Machbare, wenn es um die Umsetzung von Projekten ging. Auch im Kantonsrat habe er viele Vorstösse zur Primarschule gemacht. «Ich bedauere es, dass er uns als Schulpräsident verloren geht», sagt Gugger.

Patrick Weil, Leiter Pädagogik und Schulentwicklung, kommentiert: «Das Wahlergebnis zeigt, dass man Johannes Zollinger nicht abwählen wollte.» Die CVP hätte mit der Nomination von Alexia Bischof, die neu gewählt wurde, einen taktisch cleveren Schachzug getätigt. Weil selbst bedauert es sehr und ihn hätte es «fast vom Stuhl gehauen», als er vom Wahlergebnis hörte. Zollinger sei immer fair und ausgeglichen geblieben und könne gut zuhören. «Er hat Menschen gerne», sagt Weil. Das sei eine der wichtigsten Eigenschaften eines Schulpräsidenten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.04.2018, 17:28 Uhr

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