Wädenswil

Schüler pflanzen ihren Zmittag selber an

Die Primarschüler der Kleingruppenschule Wädenswil legen ihren Schulgarten neu an. Die Kinder sollen lernen, woher Gemüse eigentlich kommt.

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Der Unterricht der Kleingruppenschule Wädenswil sah am letzten Dienstagmorgen etwas anders aus als normalerweise. Statt an ihren Tischen zu sitzen, stehen die Primarschüler im schuleigenen Garten und buddeln in der Erde herum. Sie pflanzen das Gemüse dieses Jahr zum ersten Mal zusammen mit der «GemüseAckerdemie».

Die GemüseAckerdemie ist ein gemeinnütziger Verein. Seit 2017 hilft der Verein Schulen dabei, einen Garten anzulegen und den Kindern die Natur näherzubringen. Sie stellen dafür theoretische Unterlagen, das Saatgut und Werkzeuge zur Verfügung und helfen den Schulen beim Säen und Ernten. Dieses Jahr machen neun Schulen mit, dass sind sechs mehr als im letzten Jahr.

Imagevideo: GemüseAckerdemie via Youtube

«Heutzutage wissen viele Kinder gar nicht mehr, dass die Natur unsere Lebensgrundlage und deshalb sehr wichtig ist», sagt Simone Nägeli, Kommunikationsbeauftragte der GemüseAckerdemie. «Wir möchten mit dem Projekt GemüseAckerdemie einen Bezug zu der Natur schaffen.» Wenn die Kinder im Supermarkt ein Regal voller Rüebli sehen würden, sollten sie wissen, wo es herkomme und wie viel Arbeit dahinterstecke. Gesät werden verschiedene Gemüsearten von Karotten über Radieschen bis zum Fenchel. Einige weniger bekannte Gemüsesorten müssen erst einmal vorgestellt werden, zum Beispiel Mangold oder Pastinaken. Dass nicht jedes Gemüse so beliebt ist, hört man an dem «Wäh» aus verschiedenen Ecken.

An die Arbeit

Fleissig machen sich die Schüler an die Vorbereitungen. «Die Samen werden mit Sand gemischt, damit sie besser verteilt werden können», erklären die Kinder. «Danach müssen sie der Schnur entlang ins Beet gesät werden. Zum Schluss decken wir die Samen mit Erde zu.» Bald macht das Gerücht die Runde, dass, wenn man die Samen esse, Pflanzen im Bauch wachsen würden. Doch die Lehrpersonen beruhigen die Schüler, das könne nicht passieren.

«Heutzutage wissen viele Kinder gar nicht mehr, dass die Natur unsere Lebensgrundlage und deshalb sehr wichtig ist.»Simone Nägeli, Kommunikationsbeauftragte der Gemüse Ackerdemie

Das Gemüse wird in Mischkultur angepflanzt. Das heisst, die Schüler setzen jene Gemüsearten nebeneinander, die «gute Nachbarn» sind. Zum Beispiel Karotten, die mehr in die Tiefe wachsen, neben Salat, der in die Höhe wächst. Im Ganzen bepflanzt die Schule heute fünf Beete. In die übrigen drei Beete sollen im Mai kälteempfindliche Arten wie Zucchetti oder Tomaten kommen. «Wir säen so, dass es immer etwas zu ernten gibt. Ende Mai sind die ersten Gemüsesorten reif», erklärt Nägeli.

Learning by Doing

Die Schüler sind beschäftigt. Kartoffeln und Zwiebeln werden gesetzt und Salat gepflanzt. Die Schüler erklären einander, wie man Letzteren richtig in den Boden setzt. «Zuerst gräbt man ein Loch in die Erde. Dieses füllt man mit Wasser und setzt dann den Salat hinein. Danach deckt man das Loch vorsichtig mit Erde zu.»

Die Kleingruppenschule bewirtschaftet nun schon seit acht Jahren ein Beet. Die Schule hat sich mit der GemüseAckerdemie zusammengetan, damit die Gartenarbeit besser in den Unterricht integriert werden kann. «Unsere Schüler hatten immer sehr Freude am Garten», sagt Sozialpädagoge Michael Schacht. «Wenn ein Schüler einen schwierigen Tag hat, kommen wir manchmal mit ihm in den Garten, damit er etwas abgelenkt wird.» Beim Gärtnern seien die Kinder sehr motiviert. Vor allem das Jäten und Tieresammeln fänden viele toll.

«Die Kinder, die uns positiv auffallen, sind oft diejenigen, die den Unterricht sonst eher stören», sagt Nägeli. «Das heutige Schulsystem ist noch zu sehr auf das Klassenzimmer fokussiert.» Die Kinder sollten öfter mal hinaus gehen. Draussen, zum Beispiel im Garten, könnten sie sich bewegen und mit den Händen arbeiten. Dabei würden die Kinder auch sehr viel lernen.

«Wir säen so, dass es immer etwas zu ernten gibt. Ende Mai sind die ersten Gemüsesorten reif.»Simone Nägeli

Abgesehen von der Bepflanzung, bewirtschaftet die Schule ihren Garten selbstständig. Einmal pro Woche gehen sie für eine Doppelstunde in den Garten. Das Gemüse, das in Zukunft von dem Beet geerntet werden kann, wird in der Schulküche gekocht und den Kindern zum Mittagessen aufgetischt. So sollen die Kinder den ganzen Weg des Gemüses vom Samen bis auf ihren Teller sehen.

Gartenarbeit ist cool

Das Gemüse ist gepflanzt. Zum Schluss hängen die Schüler noch selbst gebastelte Fähnchen über das Beet, um die Vögel abzuwehren. Die Kinder zählen stolz auf, was bald alles in ihrem Beet wachsen wird. Der zwölfjährige Davis sagt: «Ich finde es cool, dass wir auch mal etwas anders machen, als nur im Klassenzimmer zu sitzen.» Bald taucht auch die Frage auf, wie lang man denn eigentlich warten müsse, bis man die Rüebli essen könne. Schätzungen variieren zwischen einer Woche und einem Monat. Da müssen sich die Kinder wohl noch etwas länger, ungefähr sieben Wochen, gedulden.

«Die Kinder, die uns positiv auffallen, sind oft diejenigen, die den Unterricht sonst eher stören.»Simone Nägeli

«Unser Konzept ist so aufgebaut, dass die Schulen immer weniger Unterstützung brauchen und den Schulgarten nach ein paar Jahren ganz alleine bewirtschaften können», sagt Nägeli. Wichtig sei, dass möglichst viele Personen innerhalb einer Schule daran beteiligt sind und die Aufgaben verteilt werden können. Deshalb ist die Schule auch noch auf der Suche nach Gartenmentoren, die mit den Kindern zusammenarbeiten wollen und auch in den Ferien mal aushelfen können. Je nachdem, wie das Projekt dieses Jahr läuft, kann sich Michael Schacht vorstellen, das Projekt auch in den kommenden Jahre weiterzuführen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.04.2019, 10:18 Uhr

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