Sihltalbahn

SZU-Doppelspur bringt Anwohner in Fahrt

Am Infoabend zum Doppelspur-Ausbau in Langnau präsentierte die SZU ein überarbeitetes Projekt, für das weniger Privatland im Gartendörfli benötigt wird. Beschwichtigen liessen sich die Betroffenen aber nicht.

Das Gartendörfli in Langnau links der Bahngleise ist vom Doppelspurausbau der SZU betroffen. Auch ein überarbeitetes Projekt kann die Anwohner nicht beschwichtigen.

Das Gartendörfli in Langnau links der Bahngleise ist vom Doppelspurausbau der SZU betroffen. Auch ein überarbeitetes Projekt kann die Anwohner nicht beschwichtigen. Bild: Patrick Gutenberg

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«Ich habe eine gute Botschaft für Sie.» Mit diesen verheissungs­vollen Worten wurden die rund vierzig Gartendörfli-Bewohner sowie einige örtliche Gemeinde- und Kantonspolitiker, die sich am Donnerstag zum Informationsanlass der SZU in der Rudolf-Steiner-Schule in der Sihlau eingefunden hatten, von SZU-Verwaltungsratspräsident Harald Huber empfangen.

Der weitere Verlauf der Veranstaltung machte dann allerdings deutlich, dass sich manche der von den Ausbauplänen der SZU Betroffenen offensichtlich mehr von diesem Abend versprochen hatten.

Angetreten waren die Spitzen der SZU zusammen mit Vertretern des ZVV und des kantonalen Amts für Verkehr, um über den aktuellen Projektstand zu informieren. Und namentlich über die in den letzten beiden Jahren von ihnen optimierte und zu einem Vorprojekt vorangetriebene Variante. Diese sieht nun vor, dass für das zweite Gleis von den Gartendörfli-Anwohnern noch ein Landstreifen von 2,4 statt ursprünglich 4,1 Metern Breite beansprucht wird.

Weil der Kanton bereit ist, das Trottoir auf der Westseite der Sihltalstrasse aufzuheben und die beidseitigen Radstreifen zu verschmälern. Womit zugunsten der Doppelspur ein Landstreifen von 1,3 ­Metern Breite gewonnen werden kann, wie Werner Toggenburger vom kantonalen Amt für Verkehr ausführte. Um die 40 Zentimeter verschmälert werden könne sodann das Bahnterrain, weil die SZU nun jede erdenkliche Landeinsparung für das zweite Gleis ausnütze, ergänzte der für die Infrastruktur bei der SZU verantwortliche Marco Lüthi.

Bahnbetrieb am Anschlag

Lüthi und Dominik Brühwiler, stellvertretender Direktor des ZVV, machten auch deutlich, war­um der Doppelspurausbau in Langnau auf einer Länge von 1,2 Kilometern und weitere Infrastrukturausbauten aus Sicht von Bahn und ZVV dringlich sind. Weil das Passagieraufkommen derart explodiere, dass die Verspätungen als Folge von längeren Ein- und Aussteigezeiten namentlich zwischen Adliswil und Zürich HB immer prekärer würden und man deshalb bereits Zughalte bei der Station Wildpark-Höfli und demnächst auch in der Sihlau ausfallen lassen müsse. Nötig sei der Ausbau ­zudem im Hinblick auf spätere Taktverdichtungen. Die SZU möchte möglichst 2022 mit dem Bau beginnen und das zweite Gleis Ende 2024 in Betrieb ­nehmen.

In der Publikumsdiskussion waren dann allerdings nur ganz vereinzelt lobende Worte an die Adresse der SZU und des Kantons zu vernehmen und auffallend wenige Fragen zum überarbeiteten Projekt. Dafür war aus etlichen Voten offensichtliche Frustration herauszuhören. Vor allem darüber, dass die SBB angekündigte Infrastrukturausbauten im eigentlichen Problembereich zwischen Adliswil und Zürich HB auf später terminierten und stattdessen «auf Kosten von uns im Gartendörfli» nun den dortigen Ausbau gewissermassen am Schwanz der Problem­kette auf dem schwach frequentierten oberen Streckenteil vor­zögen.

Velotunnel vorgeschlagen

Die SZU verwies in diesem Zusammenhang auf hochkomplexe Computersimulationen und Analysen, die eindeutig zum Schluss gekommen seien, dass für die Betriebsstabilisierung des gesamten Netzes der Ausbau in Langnau vordringlich sei. Konkrete Resultate und Fakten dazu blieb die SZU den Anwohnern zu deren Ärger allerdings schuldig. Man werde diese Daten noch aufbereiten und an einem nächsten Infoanlass von Ende Januar nachliefern, vertrösteten die SZU-Vertreter. Von den Anwohnern wurden in der Folge neue und alte Varianten ins Spiel gebracht, wie das Gartendörfli dank Landgewinn anderswo unbe­helligt bliebe. Etwa dank einer ­weitergehenden Verengung der Sihltalstrasse oder einer unter­irdischen Verlegung des dortigen Veloverkehrs oder aber mit der Umleitung der Radfahrer an den Sihluferweg.

Eine Verengung der Sihltalstrasse widerspräche der Funktion und Gestaltung dieser Nebenstrasse und komme für den Kanton unabhängig von den dortigen Tempolimiten nicht ­infrage, entgegnete Werner Toggenburger. Einen Velotunnel an der Sihltalstrasse hält er nur schon wegen der Kosten und Dimensionen für «völlig unrealistisch». Die Aufhebung der Radstreifen für den Alltagsverkehr auf der Sihltalstrasse sei für den Kanton auch «nicht verhandelbar», da dies der Velonetzplan so vorsehe.

Eine Umleitung an den Sihl­ufer­weg sei auch gar nicht praktikabel, zumal es dort bereits zu Zielkonflikten von Freizeitradlern und Spaziergängern komme und weil dort Auflagen des Gewässerschutzes gegen einen Streckenausbau sprächen.

Enteignung denkbar

Orientiert wurden die Anwohner auch über die weiteren planungsrechtlichen Schritte, über Einsprachemöglichkeiten sowie über Landerwerbs-, Schätzungs- und allfällige Enteignungsverfahren. Mehrfach betonte die SZU dabei, dass man alles daransetze, einvernehmliche Lösungen für den Landerwerb zu finden, um Prozesse und Land­enteignungen zu vermeiden. Die Publikumsreaktionen liessen indes zumindest Zweifel darüber aufkommen, dass dies in jedem Fall auch tatsächlich gelingen dürfte.

Erstellt: 30.11.2018, 13:40 Uhr

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