Kilchberg

SVP will Heizung mit Seewasser prüfen lassen

Mit einer Initiative verlangt die Kilchberger SVP vom Gemeinderat zu prüfen, ob ein Teil der Gebäude mit Seewasser beheizt und gekühlt werden kann.

Der Zürichsee als Energiequelle: Die SVP will den Gemeinderat Kilchberg dazu bringen, eine Heizung mit Seewasser zu prüfen.

Der Zürichsee als Energiequelle: Die SVP will den Gemeinderat Kilchberg dazu bringen, eine Heizung mit Seewasser zu prüfen. Bild: Keystone

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Luzern hat sie, Uetikon baut sie und Thalwil liebäugelt mit ihr: Eine Heizungsanlage, die mit Seewasser Teile des Dorfes mit Wärme und Kälte versorgen kann. Unter anderem wird auch das Spital Männedorf mit Wärme respektiv Kälte aus dem Zürichsee versorgt. Nun kommt das Thema auch in Kilchberg auf den Tisch. Margrit Haller (SVP) fordert den Gemeinderat mit der Einzelinitiative «Energiestrategie der Gemeinde Kilchberg» auf zu prüfen, ob und wie das See- und Siedlungswasser zur Beheizung des Dorfes genutzt werden kann. Unterzeichnet wurde die Initiative von weiteren Vorstandsmitgliedern der Ortspartei.

Weil das Wasser im Winter wärmer ist als die Luft, soll die Temperaturdifferenz im Winter zum Heizen von Liegenschaften benutzt werden. Im Sommer könnte das Seewasser die Gebäude wiederum abkühlen. Gemäss dem Vorstoss der Kilchberger Initianten könnten damit gemeindeeigene Liegenschaften versorgt werden oder gar eine oder mehrere Heizzentralen beliefert werden.

Energieversorgung sichern

Zur Initiative bewogen habe Margrit Haller Überlegungen zur künftigen Energieversorgung der Gemeinde. «Wir schalten immer mehr Atomkraftwerke ab. Es stellt sich die Frage, wie wir den Energiebedarf schweizweit decken können, ohne zu grosse Schwankungen im Stromnetz durch Flatterstrom wie Wind- und Sonnenenergie hinnehmen zu müssen.» Auch in der Energiestrategie 2050 des Bundes sei nicht geklärt, wie die Schweiz in den Wintermonaten genug Energie sicherstellen kann.» Schon jetzt sei die Schweiz im Winter auf Stromimporte angewiesen. «Weil dieser Strom unter anderem aus Kohlekraftwerken stammt, belastet er unsere Umwelt», heisst es im Initiativtext. «Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir dem entgegenwirken können, weil eine sichere Energieversorgung für den Schweizer Wirtschaftsstandort essentiell ist», sagt Margrit Haller. Der Gemeinderat solle nun abklären, ob das Heizen mit Seewasser eine finanziell tragbare Lösung sei.

Ein Vergleich mit anderen Gemeinden zeigt, dass das Heizen einer Liegenschaft mittels Seewasser nicht immer lukrativ ist. Im Dezember hatte die Horgner Gemeindeversammlung entschieden, die Zentrumsliegenschaft Schinzenhof mit Fernwärme zu beheizen. Auch eine entsprechende Heizung mit Seewasser hatte der Gemeinderat im Vorfeld der Versammlung geprüft. Für die Versorgung eines einzelnen Gebäudes ist eine solche Heizungsanlage jedoch für zu teuer erklärt worden.

Ein Zeichen des Wahlkampfs?

Die Initiative liegt derzeit beim Gemeinderat zur Prüfung vor. Gemeindepräsident Martin Berger (ohne Partei) hat den Vorstoss bereits zur Kenntnis genommen. «Gemäss unseren Legislaturzielen würden wir so oder so prüfen, wie unsere Energiestrategie in Zukunft aussehen soll.» Da sei auch ein Beheizen respektive Kühlen mit Seewasser Bestandteil. «Die Umweltveränderung ist auch im Gemeinderat Kilchberg ein Thema, das wir ernst nehmen», sagt Berger. Beim Heizen und Kühlen mit Seewasser gäbe es zwar interessante Konzepte, man müsse jedoch auch berücksichtigen, dass verschiedene Institutionen wie beispielsweise der Kanton Zürich bei einem allfälligen Bau involviert wären.

Die Initiative kommt zu einer Zeit, in der in Kilchberg Wahlkampf geführt wird. Im Februar müssen zwei Sitze im Gemeinderat neu besetzt werden. Die Kandidatin der SVP ist Margrit Haller. Dient der Vorstoss also vor allem als Wahlkampfinstrument? Haller verneint. «Wir haben uns schon Gedanken über eine Seewasserheizung gemacht, als noch nicht klar war, dass ich kandidiere.» Es sei aber auch nicht abzustreiten, dass sich das eine gut mit dem anderen verbinden lasse.

Erstellt: 16.01.2020, 11:18 Uhr

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