Thalwil

SBB-Bauprojekt ruft Parteien und Anwohner auf den Plan

Zum Gestaltungsplan für die SBB-Überbauung am Bahnhof sind diverse Einwendungen eingegangen. Viele betreffen die Baumasse der Gebäude. Die Ortsparteien äussern neben Kritik auch Lob.

Die Passerelle Nord wird bis in den Güterschuppen verlängert. Doch wer soll dafür bezahlen? Sicher nicht die Gemeinde, finden die Parteien.

Die Passerelle Nord wird bis in den Güterschuppen verlängert. Doch wer soll dafür bezahlen? Sicher nicht die Gemeinde, finden die Parteien. Bild: Sabine Rock

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Vor zwei Monaten haben die SBB ihr Grossprojekt namens Talevo erstmals öffentlich bekannt gemacht. Nun ist bereits eine wichtige Phase auf dem Weg bis zur Vollendung im Jahr 2024 abgeschlossen: Die Auflagefrist ist vorüber. Bis letzte Woche konnte jedermann beim Thalwiler Bauamt Einwendungen zum Gestaltungsplan einreichen. 18 seien bis zum Schluss eingegangen, heisst es bei der Gemeinde auf Anfrage. Darunter eine, die von 125 Anwohnern unterzeichnet wurde.

Mit dem Gestaltungsplan befasst und Einwendungen eingereicht haben auch viele lokale Parteien. Ihre Stellungnahmen, die dieser Zeitung vorliegen, haben eines gemeinsam. Sie alle betonen, dass sie die Pläne der SBB grundsätzlich begrüssen. Dass diese das heutige Park-and-Rail-Areal seeseits der Gleise mit rund 55 verschieden grossen Wohnungen überbauen wollen, stösst also allseits auf Anklang. Genauso die Idee zum Umbau des Güterschuppens in ein Zentrum mit Büros, Läden und Dienstleistungen.

Die Höhe vor Augen führen

Dennoch geben die Pläne der SBB-Immobilienabteilung Anlass zu Kritik. «Das Bauvorhaben ist zu dominant und erdrückend für das Quartier», findet beispielsweise die SVP. Der Gestaltungsplan würde bis zu 25 Meter hohe Bauten erlauben. Um den Thalwilern diese Höhe vor Augen zu führen, fordert die SVP, dass die SBB die Baumasse mit Bauprofilen freiwillig ausstecken, bevor das Geschäft an die Gemeindeversammlung kommt. Zu den geplanten Gebäudehöhen äussern sich fast alle Parteien kritisch. Ausser die SP und die Grünen. Letztere würden sogar eine Aufstockung von fünf auf sechs Etagen «in Kauf nehmen», wie die Grünen schreiben. Dies im Falle, dass die Abstände zwischen den Häusern 12 statt wie geplant 10 Meter breit würden und somit mehr Durchsicht böten.

Auch was die Parkierung anbelangt, stechen die Grünen mit ihrer Haltung hervor. «Wir begrüssen, dass nur ein Minimum an Parkplätzen vorgesehen ist», schreibt die Partei. Eine gleichlautende Aussage macht der Verein Ökopolis, der sich in Thalwil für Nachhaltigkeit einsetzt. Zur Erinnerung: Die heute rund 50 Parkplätze auf dem Areal werden nicht ersetzt. Die SBB planen lediglich eine einstöckige Tiefgarage mit 50 Plätzen für Bewohner und andere Mieter. Einzelne Plätze sind entlang der Bahnhofstrasse geplant. Das ist zu wenig, finden alle anderen Parteien. Zumindest teilweise sollen die heutigen Plätze ersetzt werden, fordert die FDP. Nur so bleibe der Bahnhof auch künftig ein Verkehrsknotenpunkt, meint die GLP. Und die SVP gibt zu bedenken, dass das Zentrum mit Suchverkehr belastet würde.

Postfiliale soll hinüberzügeln

Ein weiterer vielseits angesprochener Kritikpunkt betrifft die Passerelle Nord. Also jene Zürich-seitige Verbindung, die die Gotthardstrasse mit den beiden Bahnperrons verbindet. Anders als die südliche Passerelle führt sie heute nicht bis auf die andere Seite der Gleise hinüber. Das wird sich mit dem Projekt Talevo ändern. Die SBB verlangen jedoch, dass die Gemeinde die Kosten für die Verlängerung übernimmt.

Das wiederum sorgt sowohl bei linken als auch bei freisinnigen Politikern für Unverständnis. Die Passerelle diene schliesslich zu einem sehr grossen Teil den Bahnkunden sowie Mietern und Kunden im Güterschuppen, findet die SP. Diesen «generierten Mehrwert» betont auch die FDP.

Zu reden geben des Weiteren die Mietpreise, die laut den SBB im «mittleren Segment» liegen werden. Die SP, die Grünen, die EVP und der Verein Ökopolis fordern jedoch, dass ein Anteil als preisgünstig angeboten wird, um damit der Wohnungsnot in Thalwil entgegenzuwirken.

Auch ein Wunsch, der in Thalwil schon lange gehegt wird, kommt wieder auf: Die Post soll ihren Standort an der Gotthardstrasse aufgeben und in den Güterschuppen ziehen. Diese von SP, Grünen und Ökopolis geäusserte Bitte würde am Postplatz neue Möglichkeiten schaffen. Denn die Hälfte der dortigen Parkplätze gehören der Post. Die übrigen der Gemeinde. Der Platz könnte nach einem Umzug also neu genutzt werden. Ein Standortwechsel solle deshalb nun in die Diskussion eingebracht werden.

Dieses Jahr wird abgestimmt

Doch zuerst einmal werden nun die eingegangenen Einwendungen den SBB übergeben. Diese werden darüber entscheiden, ob sie die Anträge berücksichtigen oder nicht. «Normalerweise geschieht dies im Dialog mit der Gemeinde», sagt die Thalwiler Kommunikationsbeauftragte Joana Büchler. Zum fertiggestellten Gestaltungsplan wird die Gemeinde nochmals Stellung beziehen und diese dann in der Weisung zur Gemeindeversammlung darlegen. Behandelt wird das Geschäft an einer der Gemeindeversammlungen zwischen Juni und Dezember 2019. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.01.2019, 09:28 Uhr

Kritik von 125 Anwohnern

«Zu wuchtig und zu hoch»

Drei Anwohner, die nahe der geplanten SBB-Überbauung wohnen, haben das Projekt zusammen analysiert und eine Einwendung erarbeitet. An einer eigenen Infoveranstaltung haben sie diese Personen aus der erweiterten Nachbarschaft vorgestellt. «Gegen das Projekt in seiner vorliegenden Form konnten so 122 Mitunterzeichnende gewonnen werden», sagt Jürg Bösch, einer der drei Erstunterzeichnenden.

«Was wir hauptsächlich kritisieren, ist die fehlende Einordnung der neuen Gebäude in ihr bauliches Umfeld», erklärt Bösch, der selber Raumplaner ist. Die bis zu 25 Meter hohen Gebäude seien in Bezug zu den seeseits der Bahnhofstrasse liegenden Häusern «zu wuchtig und zu hoch». Damit seien die Anforderungen der Bau- und Zonenordnung nicht erfüllt, die eine sehr gute Gesamtwirkung des Projekts verlange. (ham)

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