Richterswil

Richterswil nimmt Abschied von seinem Dorfchronisten

Der Historiker, Autor, Liedermacher und Journalist Hans Peter Treichler ist im Januar verstorben. Am Freitag hat eine Erinnerungslesung aus seinem bisher unveröffentlichten Werk stattgefunden.

Die Schauspieler Graziella Rossi und Helmut Vogel lesen aus Hans Peter Treichlers unveröffentlichtem Werk «Zwinglis gefährdetes Erbe».

Die Schauspieler Graziella Rossi und Helmut Vogel lesen aus Hans Peter Treichlers unveröffentlichtem Werk «Zwinglis gefährdetes Erbe». Bild: Moritz Hager

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Manche Menschen hinterlassen in ihrem Leben Werke, mit denen sie lange über ihren Tod hinaus in Erinnerung bleiben. Der Richterswiler Hans Peter Treichler ist einer von ihnen. Er verfasste über zwei Dutzend historische Bücher, schrieb Hörspiele, erhielt eine eigene Sendung beim Schweizer Fernsehen und nahm mehrere Langspielplatten mit Volksliedern und Minnegesängen auf.

Unter seinen Werken befinden sich auch Chroniken verschiedener Dörfer und Städte. Eine davon widmete er der Gemeinde Richterswil, in der er 40 Jahre gelebt hat. Zudem hat er Ende letzten Jahres eine DVD-Reihe mit alten Amateuraufnahmen aus der Seegemeinde veröffentlicht. Am 19. Januar 2019 ist Hans Peter Treichler 77-jährig seinem Krebsleiden erlegen.

Sein letztes Werk

Am Freitag hat eine Abschiedsfeier in der reformierten Kirche Richterswil mit rund 250 Besuchern stattgefunden. Treichlers Angehörige wollten anstelle einer normale Beerdigung eine öffentliche Lesung, um an ihn zu erinnern. Die beiden Schauspieler Graziella Rossi und Helmut Vogel, mit denen Treichler in mehreren Projekten zusammengearbeitet hatte, liehen ihm seine Stimme. Sie lasen aus seinem letzten und bisher unveröffentlichten Werk. Es wird Ende April im Conzett-Verlag erscheinen.

Hans Peter Treichler suchte die Geschichten für seine Bücher stets in der Realität. So sagte er einst gegenüber dieser Zeitung: «Die Wirklichkeit erzählt schönere Geschichten, als sie die Fiktion jemals kreieren kann.» Unter diesem Vorsatz hat er auch sein letztes Werk geschrieben. Es trägt den Titel «Zwinglis gefährdetes Erbe». Das Buch erzählt die Geschichte des Zürcher Reformators der Jahre um 1500. Es beschreibt unter anderem, wie Huldrych Zwingli in Wien studiert, in Zürich lehrt und in der Schlacht von Marignano als Feldprediger tätig ist. Wie auch in anderen Werken Hans Peter Treichlers ist die Geschichte nie eine reine Biografie. Er bezieht das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Umfeld ein, lässt Schauplätze längst vergangener Zeiten durch Anekdoten und Details lebendig werden.

Historische Details

Graziella Rossi und Helmut Vogel haben einen Abschnitt aus Zwinglis Zeit in Zürich gelesen. Treichler beschreibt, wie «Söldner mit niedriger Aggressionsschwelle in den Gassen und Tavernen den Ton angeben». Er schreibt, wie Gefangene im Wellenberg sitzen, einem Turm, der zur Stadtfestung gehört haben soll und zwischen der heutigen Münsterbrücke und Quaibrücke steht, oder wie belebt und laut der Hafen in Zürich zu jener Zeit war. Das letzte Werk Treichlers zeigt, wie gross seine Neugierde gegenüber Historischem war. So kennt er auch Details und weiss, welche Kirchenglocke wann zu welchem Zweck geläutet hatte. Sei es zu Ratssitzungen, zu Hinrichtungen oder zum Beten kurz nach dem Sonnenuntergang. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.03.2019, 20:47 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben