Zürichsee

Rettungsversuch für frühe Schiffe – ZSG schweigt

Die Gemeinden am See setzen sich für bessere Schiffsverbindungen ein. Nur darüber informieren wollen längst nicht alle. Wädenswil und Zürich schaffen Transparenz.

Der neue Fahrplan der ZSG wird hinter verschlossenen Türen besprochen.

Der neue Fahrplan der ZSG wird hinter verschlossenen Türen besprochen. Bild: Archiv ZSZ

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Am Samstag ist in Wädenswil Markt – und dieser soll auch bei Rechtsufrigen beliebt sein. Zumindest ist das einer der Gründe, weshalb sich die Stadt Wädenswil für die Beibehaltung von Querschiffen am Wochenende um 8 Uhr einsetzt. Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) will diese Kurse ab dem Jahr 2020/2021 abschaffen, um das Angebot stärker an die Nachfrage – sprich den Freizeitverkehr – auszurichten.

Dieser Fokus kommt nicht überall gut an: «Für mich ist diese Verbindung um 8 Uhr gerade am Samstag ganz normaler öffentlicher Verkehr – er spielt sich einfach auf dem Wasser ab», sagt Martin Gross, Präsident der Wädenswiler Verkehrskommission. Deshalb seien die Verbindungen auch für Berufspendler wichtig.

Teure Kurse

Die ZSG ist aus Kostengründen skeptisch, die Frühkurse am Wochenende beizubehalten. In der Regionalen Verkehrskonferenz Zimmerberg legen die ÖV-Unternehmen Zahlen auf den Tisch: Pro Tag kostet der Betriebsbeginn vor 9 Uhr 40 000 Franken. Wegen der vom Bundesgericht 2014 verfügten strengen Pausenregelung braucht es jeden Tag nämlich eine zusätzliche Bootsmannschaft, um Frühkurse sicherzustellen. Kosten, welche die ZSG nicht gewillt ist zu tragen. Die Passagierzahlen sind nach Ansicht des Unternehmens zu gering: Samstags seien in den Jahren von 2014 bis 2016 rund 6 bis 10 Einsteiger pro Kurs zwischen 8 und 9 Uhr unterwegs gewesen. Sonntags zu gleicher Zeit gar nur 1 bis 7 Personen.

Diese Faktenlage anerkennt die Gemeinde Männedorf: «Wir bedauern, dass die ZSG diese Kurse streichen will», sagt Gemeindeschreiber Jürg Rothenberger. «Aber wir können die Gründe nachvollziehen.» Auch Stäfa wehrt sich nicht gegen die Streichung. Wädenswil macht im Fahrplanstreit immerhin ein Zugeständnis: Die Wochenendkurse um 7 Uhr können gestrichen werden. «Und auch wegen der Verbindungen am Sonntagmorgen steigen wir nicht auf die Barrikaden», sagt Martin Gross.

Das erstaunt nicht. Denn die Stadt sieht im neuen ZSG-Fahrplan noch mehr Probleme: Fahren die Schiffe in Wädenswil zu früh ab, verpassen sämtliche Zug- und Buspassagiere ihren Anschluss. Die Verkehrskommission der Stadt Wädenswil hat deshalb mit der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) eine Möglichkeit gesucht, wie die Anschlüsse von Bahn und Bus auf die Schiffe gewährleistet sind. «Wir konnten im Gespräch eine Lösung finden», sagt Martin Gross, Präsident der städtischen Verkehrskommission. Ein formaler Antrag in der Regionalen Verkehrskonferenz, wie bei der Beibehaltung der Frühkurse am Wochenende, war nicht nötig. Die Schiffe fahren nun einfach etwas später ab, erklärt Gross.

Offene Kommunikation

Wädenswil und die Regionale Verkehrskonferenz Zimmerberg verstecken ihr Engagement und die Diskussion mit der ZSG zum Fahrplan nicht. Transparent legen die Verantwortlichen auf Anfrage der ZSZ sämtliche Protokolle und Unterlagen der vergangenen Sitzung offen.

Am rechten Seeufer hingegen herrscht Stillschweigen zur Lösungssuche – dies, obwohl die Gemeinden teilweise öffentlich ihre langen Wunschlisten bekannt gemacht haben. Küsnacht etwa fordert für den Fahrplan 2020/2021 die Beibehaltung der Schiffshaltestelle Küsnacht-Heslibach oder den Halbstundentakt für die Querverbindung von Küsnacht nach Thalwil gegen Abend auch im Sommerfahrplan.

Lösungen gefunden

Die Verkehrskonferenz Pfannenstiel will die Unterlagen zur Sitzung im November nicht offenlegen. Auf Anfrage teilt die Konferenz lediglich mit, es gebe nach aktuellem Stand keine gemeinsamen Fahrplanbegehren der Gemeinden. Küsnacht will die Fahrplanwünsche mit der ZSG bilateral besprechen: Es sei «in den sehr konstruktiven Gesprächen» gelungen, «Lösungen für die Anliegen von Küsnacht zu finden, mit denen wir im Grossen und Ganzen zufrieden sind», sagt Thomas Wälchli, Projektleiter Energie und Raumplanung. Details will er nicht nennen.

Und auch die ZSG schweigt zu allen Fragen: Man sei mit verschiedenen Gemeinden im Gespräch, um einvernehmliche Lösungen zu finden, teilt die ZSG-Direktion auf Anfrage mit. «Bitte haben Sie Verständnis, dass wir diese Diskussion nicht in der Öffentlichkeit führen möchten.»

Stadt Zürich ist transparent

Das erstaunt: Denn auch die Regionale Verkehrskonferenz der Stadt Zürich hat kein Problem, die Diskussion um den ZSG-Fahrplan 2020/2021 offenzulegen. Noch vor der öffentlichen Publikation erhält die ZSZ einen Protokollauszug. Daraus geht hervor: Auf formale Eingaben zum ZSG-Fahrplan 2020 wurde verzichtet. Inputs hat die Zürcher Verkehrskonferenz trotzdem geliefert: Nach Ansicht eines Kundenvertreters sind die Abfahrtszeiten der grossen Rundfahrten nicht mehr auf die nationalen Fernverkehrszüge abgestimmt. Die ZSG verweist laut Protokoll darauf, dass solche Anschlüsse vom Hauptbahnhof an den Bürkliplatz nicht vorgesehen sind.

Spätestens im Frühling müssen die Transportunternehmen ihren fertigen Fahrplanentwurf 2020/2021 offenlegen – aber ohne aufzuzeigen, welche Wünsche der Gemeinden berücksichtigt wurden. Im März beginnt die öffentliche Auflage der Fahrpläne, bevor im Juli 2019 der Zürcher Verkehrsrat die Verbindungen definitiv festsetzt. (zsz.ch)

Erstellt: 20.12.2018, 07:53 Uhr

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