Wädenswil

Primarklasse lässt selbst gebautes Floss vom Stapel

Kann ein selbst gebautes Floss eine ganze Klasse tragen? Eine vierte Klasse aus Wädenswil hat das ausprobiert. Alleine schon der Transport an den See war kein einfaches Unterfangen.

Die vierte Klasse von Eric Linder (u. r.) bringt ihr Flossprojekt erfolgreich zum Abschluss.

Die vierte Klasse von Eric Linder (u. r.) bringt ihr Flossprojekt erfolgreich zum Abschluss. Bild: Sabine Rock

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Es ist ein wolkenverhangener Donnerstagmorgen. Die vierte Klasse von Eric Linder sitzt im Zimmer des Schulhauses Gerberacher in Wädenswil. In gut fünf Wochen Arbeit hatten die Elfjährigen ein Floss gebaut. Heute kommt es aufs Wasser. Am Schluss soll die ganze Klasse darauf stehen können.Der Klassenlehrer instruiert die Klasse über die Sicherheit. Der Transport des Flosses vom Schulhaus zum See stellt eine Herausforderung dar. Eric Linder verteilt Leuchtwesten an die Kinder. Alle 22 können nicht aufs Mal helfen, darum werden sie sich abwechseln.

Draussen enthüllen die Kinder stolz das Floss. Es besteht aus einem quadratischen Lattenrost von drei auf drei Metern Grösse. Darauf angeschraubt sind drei Schwimmkörper, gebastelt aus 1,5-Liter PET-Flaschen. Die Kinder verkünden, dass es 405 Flaschen seien.

Zwei Knaben erzählen, dass die Klasse seit Ende Mai am Floss gearbeitet hat. Jeden Montag baute abwechslungsweise ein Teil der Klasse für zwei Stunden am Floss. Sie haben die Holzbalken zusammen geschraubt, leere Flaschen aufgeblasen und sie mit Schnur und Klebeband zu Schwimmkörpern verbunden.

Spezialtransport an den See

Auf Rollen stossen und ziehen die Schüler das Floss Richtung See. Wegen seiner Grösse ragt es über das Trottoir hinaus auf die Strasse. In ihren Leuchtwesten weisen die Kinder den Verkehr auf den Spezialtransport hin. Neben Klassenlehrer Linder begleiten Pensionär Heinz Brunold und Praktikantin Chiara Fanuli die Viertklässler. «Es macht mega Spass. Und für mich ist es ein ganz neues Erlebnis», sagt eine Schülerin. Sie findet es gut, wie fleissig die Klasse gewesen sei.

Das Floss muss jetzt die viel befahrene Zugerstrasse kreuzen. Unter Anleitung von Eric Linder überqueren Kinder und Floss zügig die Strasse. Der Lehrer zeigt sich wenig beeindruckt von der Kreuzung. «Man muss einfach den richtigen Zeitpunkt abwarten», sagt er auf der anderen Strassenseite.

Auftrieb für Zusammenhalt

Das erste Mal hatte Linder die Floss-Idee vor gut neun Jahren. Seine damalige Primarklasse in Meilen bezweifelte, ob ein selbst gebautes Floss die ganze Klasse tragen könnte. Linder nahm mit den Kindern die Herausforderung an. Es war ein Erfolg. Jetzt soll es auch in Wädenswil klappen.

Das Projekt erlebt Eric Linder sehr positiv. «Das gemeinsame Schaffen fördert alle Kompetenzen der Schüler», sagt er. Eine Schwierigkeit sei gewesen, wenn die Kinder ihre Arbeiten am Floss versäumten. «Beim Projekt haben die Schüler Ausdauer gelernt», sagt der Lehrer stolz.

Nach der Seestrasse und dem Bahnübergang ist der schwierigste Teil der Strecke überwunden. Linder ist sichtlich erleichtert. In der Znüni-Pause mit Reiswaffeln und Chips lobt er die Schülerinnen und Schüler für ihren Einsatz.

Erfolgreich auf dem Wasser

Auf dem Seeweg geht es noch gut 20 Minuten bis zur Halbinsel Au. Trotz Pause haben die Kinder langsam keine Puste mehr. Sie streiten kurz, wer wie stark ziehen soll. Schliesslich erreichen alle erleichtert die Bootsrampe.

Die Unruhe der Schüler wird gross. Ratzfatz stehen alle im Badeanzug um das Floss herum. Zusammen mit dem Lehrer hieven sie das Floss ins Wasser. Es schwimmt — aber nun gilt es richtig ernst. Eric Linder lässt ein Kind nach dem anderen aufs Floss. Stück für Stück sinkt dieses ein. Für ganz alle reicht das Floss nicht. Dennoch bejubeln alle ihren Erfolg mit Applaus. Trotz des regnerischen Wetters geniessen die Kinder den Augenblick. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.07.2018, 16:23 Uhr

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