Horgen

Prächtige Fabrikantenvilla sucht neuen Besitzer

Ein Haus, das von der Geschichte der Horgner Seidenindustrie erzählen kann, ist das Landhaus Herner. Aber nicht nur das, es ist auch Schauplatz einer besonderen Liebesgeschichte. Die 30-Zimmer-Villa steht zum Verkauf.

Für die 176 Jahre alte Fabrikantenvilla Herner wird ein neuer Besitzer gesucht.

Für die 176 Jahre alte Fabrikantenvilla Herner wird ein neuer Besitzer gesucht.

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Eine imposante Treppe führt zum Eingang, mächtige Bäume umrahmen den klassizistischen Bau, genannt Landhaus Herner. Nun ist es zum Verkauf von einem Immobilienunternehmen ausgeschrieben. In einem Inserat preist es die Ausstattung mit Stuckdecken, herrschaftlichen Repräsentativräumen, Salon und Bibliothek. Weiters wird mitgeteilt, ein Teil des Parks mit Seeanstoss könne dazu gemietet werden. Das Gebäude könne zu Wohn- und Bürozwecken genutzt werden.

Das herrschaftliche Anwesen, das zwischen Seegartenstrasse und Bahnlinie liegt, ist 176 Jahre alt. Es ist ein kantonales Denkmalschutzobjekt, das heisst, Renovationen müssen stets in Absprache mit der kantonalen Denkmalpflege realisiert werden. Unter Umständen können kantonale Beiträge an Restaurierungsarbeiten gegeben werden, welche dem Schutz und Erhalt der historischen Substanz eines Gebäudes dienen. Die Villa ist letztmals 1996/97 renoviert worden.

Prominente Fabrikantenvilla

Hans Georg Schulthess ist Besitzer des Hernerguts, zu dem nicht nur die Villa, sondern auch der Park samt dem bekannten Badepavillon gehören. Er ist einerseits stolz darauf, dass Park, Villa und Badepavillon bis in die siebte Generation von seiner Familie erhalten worden seien. Der Besitz bedeute für ihn Vermächtnis wie Verpflichtung. Er betont aber auch, dass Pflege und Unterhalt von Park und Gebäulichkeiten mit erheblichen Kosten verbunden seien und er nun die Weichen für die Zukunft stellen müsse.

Das Landhaus Herner ist eine der prominentesten Fabrikantenvillen Horgens. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die am Zürichsee angesiedelte Seidenindustrie Weltgeltung erreichte und Horgen als Klein-Lyon bezeichnet wurde, liessen sich Seidenfabrikanten Villen mit grosszügigen Gartenanlagen bauen. 1842/43 ist die Villa für Seidenhändler und Seidenfabrikant Hans Heinrich Hüni-v. Stettler als Wohn- und Geschäftshaus errichtet worden. Als die Villa erbaut wurde, lag sie direkt an der Seestrasse, der heutigen Seegartenstrasse, denn die Seestrasse wurde im Zuge des Bahnbaus dorfwärts verlegt. Die Villa Herner wurde sodann eine zeitlang nur noch als Sommerwohnhaus genutzt, und dann in den zwanziger Jahren zu reinen Wohnzwecken umgebaut.

Schauplatz der Löwenbraut

Weit über Horgen hinaus bekannt wurde das Hernergut als Schauplatz der 1999 erschienenen Familiensaga «Die Löwenbraut» von Hans-Peter Treichler. Der junge Student Emil Streuli und Sohn des reichen Seidenunternehmers verliebt sich in die aus einfachen Verhältnissen stammende Hotelgouvernante Susanne Meisser. Die Liebe der beiden muss sich über Jahre hinweg gegen erbitterte Vorurteile behaupten.

Erst als der heimlich verlobte Student in Paris 1906 an Tuberkulose schwer erkrankt und von seiner Geliebten aufopfernd gesund gepflegt wird, kommen die Eltern zur Einsicht. Die beiden dürfen heiraten. Emil Streuli Junior zieht mit Gattin Susanne und den Töchtern ins Landhaus Herner ein. Hier führt die Familie einen standesgemässen Haushalt.

Die grossen Textilfabriken sind aus dem Ortsbild Horgens verschwunden, nur die Villen der Seidenbarone stehen noch. Genutzt werden sie unterschiedlich. So ist die ehemalige Fabrikantenvilla Stünzi an der Seestrasse im Besitz des Kantons Zürich. Sie beherbergt eine Frühberatungs- und Therapiestelle. Die Villa Seerose gehört der Gemeinde Horgen und dient als Musikschule und Ausstellungsort.

Erstellt: 28.01.2019, 15:29 Uhr

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