Thalwil

Planung für Sihlstollen und Seeufer geht in die nächste Phase

Die öffentliche Auflage der Pläne zum Bau des Entlastungsstollens und zur Umgestaltung des Seeufers ist vorüber. Rund 30 Einsprachen sind eingegangen.

Das Seebad Bürger I soll ab 2024 umgestaltet und mit der rund 150 Meter entfernten Badi Bürger II verbunden werden.

Das Seebad Bürger I soll ab 2024 umgestaltet und mit der rund 150 Meter entfernten Badi Bürger II verbunden werden. Bild: Patrick Gutenberg

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Im Jahr 2024 soll der Hochwasserentlastungsstollen in Thalwil zwischen der Sihl und dem Zürichsee fertiggebaut sein. Der Stollen wird das untere Sihltal und die Stadt Zürich ab dann vor extremem Hochwasser schützen. Mit Abschluss dieses Megaprojekts werden die Bauarbeiten am Thalwiler Seeufer aber längst nicht vorüber sein. Denn: Läuft alles nach Plan, wird danach die Badi Bürger I umgestaltet und mit der Badi Bürger II zu einer grossen Anlage verbunden.

Die beiden Vorhaben hängen zwar eng zusammen, sind aber zwei separate Projekte. Hinter dem Bau des Stollens steht der Kanton. Die Umgestaltung des Seeufers ist der Plan der Gemeinde Thalwil. Für beides aber ist vor kurzem eine wichtige Phase abgelaufen: die öffentliche Auflage der Projektpläne.

Viele ähnliche Einsprachen

Zum Projekt Entlastungsstollen seien rund 20 Einsprachen eingegangen, sagt Wolfgang Bollack, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion. «Darunter hat es viele gleichlautende.» Zu den einzelnen Kritikpunkten gab Bollack keine Auskunft. Nur so viel: Sie würden nun behandelt. Im Rahmen der Projektfestsetzung werde der Regierungsrat dann zu den Einsprachen Stellung nehmen.

Unter den Einwendungen findet sich jene eines Anwohners der Badi Bürger I (siehe Kasten) oder auch jene der SVP Thalwil. Letztere beantragt laut einer Mitteilung unter anderem, dass der rechte Sihl-Uferweg in Gattikon entgegen den Projektplänen erhalten bleibt. Das Naturerlebnis für Wanderer sei auf diesem Wegabschnitt gegenüber dem Bahnhof einzigartig.

Einsprachen und Stellungnahmen gab es auch zum Projekt der Gemeinde respektive zum dafür nötigen Gestaltungsplan. Zehn seien es an der Zahl, teilt Joana Büchler, Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde, mit. Wobei es sich bei einer um eine Sammeleinwendung mehrerer Personen handle.

Thematisiert worden sei zum Beispiel die Grösse der Liegefläche, der rund 100 Meter lange öffentliche Steg auf dem Auslaufkanal des Stollens oder der Aussichtsschutz auf den See. Andere Rückmeldungen bezögen sich auf die Aufhebung und den Ersatz der Bootshabe oder die Anzahl und Platzierung der Parkplätze.

Früh involviert

Die Parkierung hat auch die SP Thalwil in einer Mitteilung angesprochen. Sie schlägt vor, dass die rund 30 geplanten Parkplätze auf das Areal der Kläranlage bergseits der Seestrasse verschoben werden. Die SVP wünscht unter anderem mehr Liegefläche und die EVP ein Floss. Im Grundsatz scheint man sich unter den Lokalparteien einig zu sein, dass eine Umgestaltung des Seeufers im Gebiet Bürger nötig und der geplante Entwurf weitgehend gelungen ist.

So hatte beispielsweise die FDP im Rahmen der öffentlichen Auflage erst gar keine Stellungnahme eingereicht. Dass nur wenige Einwendungen eingegangen sind, habe wohl auch damit zu tun, dass «viele Leute schon früh involviert worden sind», sagt Joana Büchler. So hat die Gemeinde bereits mehrere Informationsveranstaltungen und Workshops zur Seeuferplanung durchgeführt.

Auch die Gemeinde wird die Einwendungen zu ihrem Projekt nun prüfen. Ob und wie sie in die weitere Planung einfliessen, werde der Bericht im Weisungsheft zur Gemeindeversammlung zeigen. Geplant sei nach wie vor, dass die Thalwiler Stimmberechtigten an der Versammlung vom nächsten Dezember über den dann bereinigten Gestaltungsplan abstimmen können, sagt Büchler.

Das soll der geplante Entlastungsstollen bringen. Video: Kanton Zürich (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.05.2019, 21:27 Uhr

So soll das Seeufer aussehen

Klicken Sie auf die Karte für eine grössere Ansicht.

Anwohner kritisiert Auftragsvergabe des Kantons

Sollten sich die Thalwiler an der Gemeindeversammlung gegen den Gestaltungsplan «Seeufer Bürger» entscheiden, würde die geplante Zusammenlegung der beiden Seebäder Bürger I und II nicht zustande kommen. Der Kanton wäre dann verpflichtet, das Bürger I nach dem baulichen Einschnitt wiederherzustellen. Die heutigen Badigebäude aus Beton würden durch Holzbauten ersetzt. Als markante Neuerung entstünde in der Mitte des Areals eine Holzplattform für rund 70 Sitzplätze des Badirestaurants. Dies geht aus dem Richtprojekt hervor, das zusammen mit den Plänen des Stollens öffentlich auflag.

Ein Anwohner des Bürger I hat wegen dieses Badi-Ersatzneubaus Einsprache erhoben und die Redaktion dieser Zeitung darüber informiert. Der Thalwiler, der selber im Bauwesen tätig ist, aber anonym bleiben will, bemängelt das Vorgehen des Kantons. Seine Hauptkritik: Für das Richtprojekt hätte ein Architekturwettbewerb stattfinden sollen. Stattdessen sei der Auftrag einem Thalwiler Architekturbüro zugehalten worden.

Die kantonale Baudirektion bestätigt auf Anfrage, dass die Pläne für den Ersatzneubau vom Thalwiler Architekten Daniel Kopetschny zusammen mit dem Zürcher Büro Blättler Heinzer Architektur erarbeitet worden sind. Kopetschny bringe «beste Erfahrungen» mit, heisst es vonseiten der Baudirektion. Er habe in der Vergangenheit schon diverse Sanierungsarbeiten an den Gebäuden der Badi Bürger I begleitet. Im Übrigen liege die Auftragssumme unter dem Schwellenwert, der eine öffentliche Ausschreibung verlangt hätte. Man gehe aber ohnehin davon aus, dass die Thalwiler den Gestaltungsplan «Seeufer Bürger» annehmen werden, womit die Pläne für einen Ersatzneubau des Bürger I ohnehin obsolet würden. Sollte es doch anders kommen, würde das Richtprojekt vertiefter geplant. Dabei sei der Einbezug der Bevölkerung «durchaus denkbar». (ham)

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