Thalwil

Nun stoppt auch Thalwil das altersdurchmischte Lernen

Es ist gescheitert: Das mehrjährige Pilotprojekt für altersdurchmischtes Lernen (ADL) wird in Thalwil nicht weitergeführt. Damit macht es Thalwil der Gemeinde Zumikon gleich.

Im Schulhaus Sonnenberg in Thalwil wird ab nächstem Schuljahr wieder in traditionellen Jahrgangsklassen unterrichtet.

Im Schulhaus Sonnenberg in Thalwil wird ab nächstem Schuljahr wieder in traditionellen Jahrgangsklassen unterrichtet. Bild: Michael Trost

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ADL – drei Buchstaben, die die Gemüter erhitzen können. Sie stehen für altersdurchmischtes Lernen. Eine Unterrichtsform, bei der Primarschüler verschiedener Jahrgänge als eine Klasse unterrichtet werden. Nicht selten stösst dieses Modell auf Kritik. So auch in Thalwil. Die dortige Schulpflege hat nun beschlossen, ADL nach einer vierjährigen Pilotphase im Sommer 2019 nicht mehr weiterzuführen. «Die negativen Voten überwogen», heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde. Die überwiegende Skepsis und Kritik der betroffenen Eltern sei bei der Entscheidung gegen eine Weiterfüh­rung von altersdurchmischtem Lernen «stark ins Gewicht gefallen».

Entscheidend seien aber auch fehlende Ressourcen und der hohe Aufwand für Vorbereitung und Koordination gewesen.

Verschiedene Gründe für Mehrjahrgangsklassen

Mit diesem Schritt folgt Thalwil der Gemeinde Zumikon, die sich bereits vor einem Jahr von ADL verabschiedet hat und seither wieder traditionelle Jahrgangsklassen in den Primarschulen führt. Auch dort war die Schule zuvor wegen ADL in die Kritik geraten. Die Schulpflege entschied sich schliesslich aus organisatorischen Gründen gegen das Modell und weil sie fand, die Qualität des Unterrichts sei nicht in erster Linie vom Schulmodell abhängig.

Im Bezirk Horgen gab es bis vor den Sommerferien total 78 Mehrjahrgangsklassen, verteilt auf 13 Schuleinheiten. Dies zeigen die neuesten verfügbaren Zahlen der kantonalen Bildungsdirektion. In kleinen oder ländlichen Gemeinden werden solche Klassen meist aus organisatorischen Gründen, also wegen zu wenig Schülern pro Jahrgang, eingeführt.

In den anderen Fällen werden Mehrjahrgangsklassen hauptsächlich für die Umsetzung von ADL gebildet. Und somit mit pädagogischem Hintergrund. Letzteres trifft in Adliswil zu. Die dortige Schule zählte im letzten Schuljahr 37 Mehrjahrgangsklassen. Am meisten von allen Gemeinden des Bezirks. In Adliswil wird das ADL-Modell denn auch in fast allen Primarschulen umgesetzt. Doch auch in der Sihltalstadt ist das Modell nicht bei allen beliebt. Das zeigte sich Anfang Jahr, als Eltern den Unterricht und die Kommunikation an der Schule Zopf scharf kritisierten.

Die Schule hat inzwischen darauf reagiert und ist daran, die Unterrichtsform am Zopf neu zu evaluieren, wie Schulpräsident Markus Bürgi (FDP) sagt. Ob das altersdurchmischte Lernen im Schulhaus Zopf weitergeführt oder eingestellt wird – frühestens auf nächstes Schuljahr –, sei noch offen. Auch an der Thalwiler Schule Sonnenberg wurde ADL einer Evaluation unterzogen. Deren Resultate waren nun ausschlaggebend. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.10.2018, 21:33 Uhr

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