Samariter

Niemand will mehr Samariter sein

Ehrenamtlich veranstalten sie Blutspendeaktionen und führen Nothelferkurse durch — anderen zu helfen steht bei Samaritern an erster Stelle. Ihre eigene Zukunft ist jedoch vielerorts ungewiss, denn immer mehr Vereine stehen vor der Auflösung.

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Das Vereinswesen hat einen schwierigen Stand. Die Samaritervereine sind dabei keine Ausnahme. Gab es im Kanton Zürich 2002 noch 140 Samaritervereine, sind es heute noch etwas über 100.

Auch im Bezirk Horgen ist diese Entwicklung zu beobachten. Seit 2007 haben sich mit den Sektionen in Rüschlikon, Adliswil und Oberrieden drei Samaritervereine aufgelöst. Diejenigen von Langnau und Hirzel mussten sich den Samaritervereinen Thalwil beziehungsweise Zimmerberg anschliessen um zu überleben. Per Ende Jahr haben nun auch die Kilchberger Samariterinnen die Auflösung ihres Vereins beschlossen. Damit verbleiben sechs Samaritervereine im Bezirk Horgen.

«Eine grosse Herausforderung ist, dass die Existenz von so manchem Samariterverein an den Vorstandsmitgliedern hängt.»Regula Höhn, Präsidentin des Regionalen Samariterverbands Zürich und Umgebung

Regula Höhn, Präsidentin des Regionalen Samariterverbands Zürich und Umgebung, kann verschiedene Ursachen für das Vereinssterben, bei den Samaritern ausmachen. «Eine grosse Herausforderung ist, dass die Existenz von so manchem Samariterverein an den Vorstandsmitgliedern hängt.» Oft sei es, auch bei genügend Vereinsmitgliedern, schwierig, Nachfolger für den Vorstand zu gewinnen. So hatte der Adliswiler Samariterverein bei seiner Auflösung 2011 gut 40 Mitglieder und dennoch niemanden, der das Präsidium übernehmen wollte.

Besonders bei jungen Leuten beobachtet Höhn eine gewisse Trägheit sich für einen Verein zu verpflichten. Um dieser Tendenz des Sich-nicht-binden-Wollens Rechnung zu tragen, habe etwa der Wädenswiler Samariterverein im Sommer mit «Samariter auf Zeit» ein Pilotprojekt gestartet. «Jungen Leuten über 20 bieten wir eine fundierte Grundausbildung im Sanitätsdienst», erklärt Höhn. Im Gegenzug leisten die frisch Ausgebildeten 30 Stunden ehrenamtlichen Sanitätsdienst mit dem Verein. «Danach steht es ihnen frei, ob sie die temporäre Mitgliedschaft in eine feste umwandeln wollen.»

Kaum Wille zur Freiwilligkeit

Auf diese Weise soll Interessierten die Möglichkeit gegeben werden einen Eindruck vom Samariterwesen zu erhalten, ohne sich zu verpflichten. «Bisher haben wir leider erst wenige Interessenten dafür, aber es ist noch zu früh um Bilanz zu ziehen», sagt Höhn.

Ein weiterer Aspekt ist laut Höhn, dass sich die meisten Menschen erst dann mit den Erlernen von erster Hilfe befassen, wenn sie es müssen. Sei es weil der Nothelferkurs für die Zulassung zur Autoprüfung obligatorisch ist, oder weil der Beruf eine Ausbildung in erster Hilfe voraussetzt. Das Interesse daran die entsprechenden Kurse freiwillig zu belegen, oder sich gar ehrenamtlich zu engagieren sei gering.

Auch in der zunehmenden Professionalisierung des Gesundheitswesens sieht Höhn eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit für die Samaritervereine. «Während die Kompetenzen der Samariter früher, etwa bei Blutspendeaktionen, erst vor dem Ansetzen der Nadel endeten, wird heute die Frage diskutiert, ob Samariter die Einstichstelle noch verbinden dürfen.»

Wegen der immer strikter werdenden Gesetzeslage würden viele Veranstalter heute direkt den Sanitätsdienst statt der Samariter für ihre Anlässe engagieren. Der Fortbestand der Samariter hänge also auch davon ab, ob und inwiefern die Dienstleistungen der Samariter in Zukunft noch gefragt würden, sagt Höhn. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.12.2018, 16:30 Uhr

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