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Nichts als Ärger mit dem Schiffsfünfliber

ZSZ-Reporter Christian Dietz findet, dass der Schiffszuschlag abgeschafft werden muss. Jetzt erst recht!

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Auf dem Wasser kann nichts entgleisen. Falsch, es geht doch. Der Schiffszuschlag für Kursfahrten auf Zürichsee und Limmat beweist es, wenn man die jüngsten Fakten betrachtet. Im Hochsommer brachen die Passagierzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent ein – und das bei Prachtswetter. Und nun schreckt die Entlassungswelle beim Pächter der Bordgastronomie auf.

Auf ruhigen Schienen war der vor neun Monaten eingeführte Schiffsfünfliber ohnehin nie unterwegs. Von Anfang an hagelte es Proteste. Die Gemeinden am See kritisierten den Zuschlag, weil er die Berufs- und Schulpendler zwischen den Ufern benachteiligt. Die Verfechter eines unkomplizierten öffentlichen Verkehrs prangerten an, dass das genial einfache Prinzip des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) – ein Billett für alle Verkehrsmittel – mit dem Aufpreis verletzt wird.

3 Millionen Franken soll der Zuschlag eintragen. Trotz 420 000 Fahrgästen weniger. Trotz einer Viertelmillion Franken Leistungsbeitrag vom Bund weniger. Trotz geringerer Anteile aus den Verteilertöpfen von General-Abo und Halbtax-Abo. Trotz grösseren Personalaufwands für Verkauf und Kontrolle des Zusatz-Billetts. Das alles haben die Verantwortlichen des ZVV berücksichtigt.

Nicht gerechnet haben sie mit dem ungebrochenen Widerstand. Acht politische Vorstösse seit Dezember in den Kantonsräten von Zürich und St. Gallen zeugen von Unzufriedenheit. Ganz zu schweigen von Leserbriefen: Mit Ausnahme des Fluglärms hat kaum ein anderes Thema in den letzten Jahren diese Region derart bewegt wie der Zuschlag. Hier benutzen auch viel mehr Einheimische das Schiff als am Vierwaldstättersee oder auf den Berner Seen. Der Zürichsee ist Alltag im öffentlichen Verkehr. Der Fünfliber hat eine alte Gewohnheit abgewürgt. Oder wie anders kann man den erwarteten Verlust von 420 000 Passagiere deuten?

Jetzt fordert der Zuschlag erste Opfer. 30 Prozent Umsatzrückgang zwingen den Pächter der ZSG-Bordrestaurants zehn Festangestellten zu kündigen. Auch temporäre Saisonverträge mit freien Mitarbeitern wurden gekürzt. Das kulinarische Angebot muss analog der gelichteten Fahrgastbänke ausgedünnt werden, sagt der Unternehmer. Auf einigen Schiffen wird es in Zukunft nur noch einen Kiosk statt eines Restaurantbetriebs geben.

Das war sicher nicht mehr einkalkuliert in der 3-Millionen-Rechnung. Denn sonst würde Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) jetzt nicht einen Bericht anordnen. Sie will wissen, ob ein Zusammenhang zwischen Entlassungen und Zuschlag besteht. Ich nehme die Antwort ohne Anmassung vorweg: Ja, über ein Viertel weniger Fahrgäste und über ein Viertel weniger Umsatz in der Bordgastronomie hängen zusammen.

Darum gibt die Reaktion der Volkswirtschaftsdirektorin Anlass zur Hoffnung. Denn nur die Politik kann korrigieren, was sie aufgegleist hat (und was nun entgleist). ZVV und ZSG sind bloss weisungsgebundene Auftragsempfänger. Sie dürfen sich nicht von Volkes Stimme beeinflussen lassen. Die Politikerinnen und Politiker hingegen sollten auf diese hören. Der Ärger über den Schiffsfünflliber ist ungebrochen und unüberhörbar. Die Botschaft lautet: Abschaffen.

Sonst zeichnen sich Konsequenzen ab. Der Selbstfinanzierungsgrad der ZSG sinkt weiter. Folgerichtig müssten Kurse gestrichen werden. Dann wäre das eine oder andere Schiff zu viel in der Flotte – und das Personal zu gross. Der Schiffszuschlag verschärft also ein Problem, das er lösen sollte. Wegen 3 Millionen Franken. Übrigens: Für 2018 budgetiert der Kanton Zürich 76 Millionen Franken Gewinn.

Erstellt: 15.09.2017, 16:11 Uhr

Christian Dietz, Chefreporter Zürichsee-Zeitung.

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