Wädenswil

Mit den Eltern unter einem Dach

Stefan Höhn hat Anfang Jahr von seinen Eltern den Gulmenhof ob Wädenswil übernommen. Der 25-Jährige hat seinen Bubentraum verwirklicht.

Sie fanden eine Nachfolgelösung in der Familie: Stefan Höhn (links) hat den Gulmenhof von seinen Eltern Maria und Walter übernommen.

Sie fanden eine Nachfolgelösung in der Familie: Stefan Höhn (links) hat den Gulmenhof von seinen Eltern Maria und Walter übernommen. Bild: Michael Trost

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Im Stall im «Gulmenhof» nimmt Stefan Höhn sorgsam Heu auf die Gabel und streckt es Olga, der Leitkuh, hin. Olga beginnt sofort zu fressen. Nun versorgt der Jungbauer die weiteren Tiere. Als alle Kühe ihr Futter haben und gemächlich kauen, setzt sich der Landwirt auf den Krippenrand und krault eine Kuh am Hals. «Die braucht das», sagt er und schaut zum Tier, das sich die Streicheleinheit gerne gefallen lässt.

Es scheint, als hätte der 25-jährige Landwirt alle Zeit der Welt. Als würde er die Gedanken erraten, sagt er: «Die zwanzig Kühe in unserem Stall sind sehr verschieden: Eine ist verträumt, eine andere störrisch, manche imponieren mir in ihrer Fürsorge für die Kälbchen». Gerne nehme er sich zwischendurch einen Moment Zeit für Beobachtungen. «Die helfen mir, die Tiere besser zu verstehen», erklärt er.

Landwirt als Ziel

«Ich wollte schon als kleiner Bub Kind Landwirt werden», fährt Stefan Höhn fort. Als jüngstes von fünf Kindern ist er auf dem 20 Hektaren grossen Gulmenhof ob Wädenswil aufgewachsen. Dass er nun Anfang Jahr den Hof von seinen Eltern, Walter und Maria Höhn, übernehmen konnte, sieht er als Privileg. «Hier bin ich mein eigener Herr und Meister: Ich kann täglich mit den Kühen und den Pensionspferden auf dem Hof arbeiten und lebe in einer prächtigen Landschaft hoch über dem Zürisee», begründet er.

Stefan Höhn liess sich im Strickhof zum Landwirt und im Zweitberuf zum Landmaschinenmechaniker ausbilden. Seit rund zweieinhalb Jahren arbeitet er zusammen mit dem Vater und einem Lehrling auf dem Betrieb. Mutter Maria Höhn arbeitet ebenfalls auf dem Gulmenhof und ist teilzeitlich als Pflegefachfrau im See-Spital Kilchberg tätig. Neben der Arbeit mit den Tieren fallen auf dem Hof Arbeiten im Wald zur Produktion von Ofen- und Cheminéeholz und solche in der Gartenholzerei und im Ackerbau an.

Überlegte Übernahme

Ein Einschnitt im Familienleben war der Unfall von Vater Walter Höhn vor rund zwei Jahren, der ihn gesundheitlich beeinträchtigte. Sohn Stefan arbeitete damals schon auf dem Gulmenhof und die Übernahme war längst angedacht. Anfang Jahr konnte sie dann realisiert werden. Walter Höhn war froh, die Leitung des Betriebes nach rund 40 Jahren abgeben zu können. Er ist stolz, dass sein Sohn seine Nachfolge antritt. «Ich bin überzeugt, dass er es schaffen wird», sagt er. Gerne werde er ihm weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Stefan Höhn sagt dazu: «Ich freue mich, habe Respekt vor der grossen Aufgabe.» Er sage sich aber auch, er wisse ja genau, was auf ihn zukomme. Der Zusammenhalt in der Familie gebe ihm ein gutes Gefühl.

Vorerst nimmt Stefan Höhn den Gulmenhof in Wädenswil «nur» in Pacht, damit die finanzielle Last nicht zu gross wird. Bereits übernommen hat er das Vieh und die Fahrhabe, was in einem familieninternen Vertrag geregelt wurde. Stefan Höhn sieht in der Diversifizierung, die schon sein Vater in die Wege geleitet hat, das Erfolgsrezept für den Gulmenhof. Erste Schritte waren die Umstellung von Milchproduktion auf Mutterkuhhaltung sowie die Pferdepension. Mit der Produktion von Naturabeef-Rindfleisch, Rapsöl und Brennholz erarbeitete sich die Familie weitere wirtschaftliche Standbeine. Wenn es zeitlich möglich ist, arbeitet Stefan Höhn weiterhin teilzeitlich als Landmaschinenmechaniker.

Die weitere Zukunft mag Stefan Höhn noch nicht planen. Augenzwinkernd sagt er: «Ich habe 20 ´Frauen´ im Stall, um die ich mich kümmern muss – eine weitere gibt es im Moment nicht». Und doch wünscht er sich, dereinst einmal mit eigener Familie in dritter Generation auf dem Gulmenhof zu wirtschaften.

Mitbestimmen und Ändern

Bedenken, mit den Eltern unter einem Dach zu wohnen und zu zu arbeiten, hat Stefan Höhn nicht, Er ist überzeugt, «dass der Vater nicht zum Besserwisser wird». Bereits in den letzten Jahren habe er vieles mitbestimmen dürfen. So beispielsweise beim Bau der Bogenhalle zum Einstellen von Maschinen oder der Anschaffung eines Holzkrans und eines Traktors.

Neuerungen und Veränderungen schweben ihm ebenfalls vor. So möchte er die Effizienz bei gewissen Routinearbeiten noch steigern, etwa beim Ausmisten des Stalls. Auch der Aufwand für die Herstellung und Vertrieb des gerösteten Rapsöls, einer Eigenkreation der Familie, soll noch optimiert werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.01.2019, 17:42 Uhr

Landwirtschaft

Wenn der Bauer ins Pensionsalter kommt

Bauernhöfe werden am häufigsten in der Familie weitergegeben. Die Quote liegt bei etwa 90 Prozent, wie der Zürcher Bauernverband (ZBV) schätzt. Laut Hochrechnungen des ZBV übergeben von den 230 Landwirten im Bezirk Horgen durchschnittlich acht ihren Hof weiter. Im Bezirk Meilen, wo es etwas weniger Landwirtschaftsbetriebe gibt, sind es im Schnitt sechs Betriebe jährlich, welche in neue Hände kommen. Auf den ganzen Kanton fallen etwa 100 Hofübergaben. Konkrete Zahlen gibt es nicht, da sich nicht alle Familien bei der Stabsübergabe vom ZBV begleiten lassen, wie es dort heisst.

Voraussetzungen schaffen

Die Bauern geben ihren Hof meistens weiter, wenn sie ins AHV-Alter kommen. Denn ab diesem Zeitpunkt erhalten sie keine Direktzahlungen mehr. Laut Pablo Nett vom ZBV-Beratungsteam wird die Übergabe des Hofes an eigene Nachkommen gerne gesehen, denn die Landwirte würden es schätzen, wenn die Bewirtschaftung in der Familie bleibe.

Bei einer Hofübergabe stellen sich eine Vielzahl von Fragen, welche der Landwirt lange im voraus angehen muss. So ist es unabdingbar, den Wert des Bodens, der Wohnung, des Stalls und des Inventars korrekt schätzen zu lassen. Damit die Übergabe gelingt und ein Betrieb erfolgreich weitergeführt werden kann, sind gewisse Voraussetzungen unabdingbar. So ist es wichtig, dass die neue Generation die beruflichen Qualifikationen mitnimmt. Auch zwischenmenschliche Voraussetzungen müssen stimmen. Falls nämlich zwei Generationen unter einem Dach wohnen, muss einerseits die Chemie stimmen. Andererseits sollten Abmachungen, wie die ältere Generation weiterarbeitet, in einem Vertrag geregelt werden.

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