Samstagern

Mit Blindenstock durchs trübe Grau

Wie meistern Blinde ihren Alltag? Mit spezieller Brille und Blindenstock ausgerüstet erlebten Schüler aus Samstagern, was es heisst sehbehindert zu sein.

Mit dem Erlebnismobil der Christoffel Blindenmission will man die Kinder auf Menschen mit Behinderung sensibilisieren.

Mit dem Erlebnismobil der Christoffel Blindenmission will man die Kinder auf Menschen mit Behinderung sensibilisieren. Bild: Manuela Matt

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Plötzlich sieht man nichts mehr. Alles ist verschwommen, Licht und Schatten kann man erkennen, der Rest verschwimmt in einem milchigen Grau. Mithilfe einer Brille, die simuliert wie es ist, an der Augenkrankheit «Grauer Star» zu leiden, erleben die Kinder des Schulhauses Samstagern am eigenen Leib. Sie sollen erkennen was es bedeutet, blind oder sehbehindert zu sein.

Beat Schneider von der Christoffel Blindenmission (CBM) fährt mit dem Erlebnismobil zu Schulklassen und sensibilisiert Schüler für Menschen mit Behinderung. Mit einem kleinen Simulationsparcours und Spielen, erleben die Kinder, was sie ohne zu sehen noch alles wahrnehmen.

«Ihr braucht keine Angst zu haben, sobald ihr die Brille wieder abnehmt, seht ihr wieder normal», sagt Schneider der Gruppe Kinder, die gleich in das Erlebnismobil steigen darf. Mit Brille und Blindenstock ausgerüstet sollen sie sich in dem kleinen Parcours zurechtfinden, Dinge ertasten und kleine Aufgaben erfüllen.

Mit spezieller Brille und Blindenstock ausgestattet, wagt sich eines der Schulkinder zaghaft aus dem Erlebnismobil.

Erlebnismobil für Mutige

Die Kinder quietschen und hüpfen vor dem Mobil vor Aufregung. Einer nach dem anderen darf sich in das Mobil wagen. Auf dem Boden sind verschiedene Beläge, Holzspäne und Erhebungen. Ein Schüler schreit erschrocken auf, als er die Blätter einer Pflanze an seinem Arm spürt. Langsam und vorsichtig bahnt er sich den Weg durch die ungewohnte Welt.

«Ich habe Angst gehabt, dass ich stolpere», gesteht ein Kind. «Ich bin extra langsam gegangen.» Nachdem alle durch sind, erzählen die Kinder von ihren Erfahrungen. «War ja gar nicht schlimm», sagt ein Bub ganz mutig. Dann dürfen sie nochmal hineingehen – diesmal ohne Brille. Der ganze Raum hat an Schrecken verloren. Das komische Weiche, das einen so erschrocken hat, war nur ein Plüschtier und das, was einen im Gesicht gestreift hatte – nur ein Vorhang.

Die Schüler messen sich an kleinen Hör-und Tastspielen.

Schneider tourt mit dem Erlebnismobil schon seit vier Jahren durch die Deutschschweiz und Liechtenstein. Mit den Schülern macht er ganz unterschiedliche Erfahrungen. «Einer Schulklasse wurde angekündigt, dass wir kommen. Daraufhin hat sie ein Projekt gestartet und 1000 Franken für CBM gesammelt», sagt Schneider. In anderen Klassen komme dafür nur wenig an Fragen oder Interesse zurück.

Spielerisch Sinne trainieren

Auf dem Schulhof sind auch Stationen aufgebaut, an denen die Schüler kleine Hör- und Tastspiele machen können. Mit verdeckten Augen müssen sie zum Beispiel eine Holzfigur zusammensetzen. Wer es schneller schafft, hat gewonnen. Die Zweitklässler versuchen immer wieder durch die Augenbinde zu spitzen. Andere sind mit grosser Ernsthaftigkeit dabei und geben sich grosse Mühe, alles richtig zu machen.

Das Erlebnismobil tourt schon seit vier Jahren durch die Deutschschweiz und Liechtenstein.

Nach knapp zwei Lektionen ist der Spass vorbei. Schneider geht mit den Kindern ins Klassenzimmer. «Wer ist froh, dass er sieht?», fragt er als alle auf ihren Plätzen sitzen. Alle strecken auf. Dann fährt er fort, den Kindern zu erklären, dass auch in der Schweiz Menschen mit Behinderung gebe. Was sie denn machen könnten, um diesen Menschen zu helfen, fragt er. «Nett sein», sagt ein Kind. Schneider erklärt, dass sie ihnen Zeit schenken können, jemandem vorlesen, spazieren gehen oder fragen, ob er beim Fussball mitspielen möchte. Die Sensibilisierung auf Menschen mit Behinderung ist ein wichtiger Programmpunkt für Schneider: «Diese Menschen gehören zu uns». Es sei wichtig, mit den Schülern darüber zu sprechen und ihnen zu zeigen wie sie helfen können.

Erstellt: 16.09.2019, 13:12 Uhr

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