Schönenberg / Hütten

Laien sollen Leben retten

Erleidet jemand in Schönenberg oder Hütten einen Herzstillstand, dauert es meistens zu lang, bis der Rettungsdienst eintrifft. Daher baut der Samariterverein ein First-Responder-System auf.

Der Samariterverein setzt in Schönenberg und Hütten weniger auf moderne Technik als vielmehr auf geschulte Helfer.

Der Samariterverein setzt in Schönenberg und Hütten weniger auf moderne Technik als vielmehr auf geschulte Helfer. Bild: Keystone

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18 Minuten dauert es, bis der Rettungsdienst des See-Spitals in Schönenberg oder Hütten ankommt. Hat ein Patient einen Herzstillstand, ist dies meistens zu lang: Pro Minute sinkt die Überlebenschance durchschnittlich um 10 Prozent. Daher zählt jede Minute. Das wissen der Samariterverein und die Feuerwehr Schönenberg-Hütten und reagieren nun mit dem Aufbau einer First-Responder-Gruppe. Diese Erstversorger sind ortsansässige Personen, die in einem Notfall Erste Hilfe leisten, bis der Rettungsdienst eintrifft. Erleidet jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand, werden die First Responder zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert, sind jedoch wegen des kürzeren Anfahrtsweges schneller vor Ort. «Jedes Jahr gibt es etwa zwei bis fünf Fälle, in denen First Responder zum Einsatz kommen könnten», schätzt Björn Kuratli, Präsident des Samaritervereins Schönenberg-Hütten.

Hilfsfrist von 15 Minuten

Die First Responder werden während dreier Tage in Erster Hilfe, insbesondere Reanimation, geschult und besuchen jedes Jahr einen Weiterbildungstag. Für die Schulung ist der Rettungsdienst des See-Spitals Horgen zuständig. «Wir begrüssen das System sehr», sagt Manuel Zimmermann, Kommunikationsverantwortlicher des See-Spitals. Schönenberg und Hütten seien die einzigen Gemeinden im Bezirk, in denen das System sinnvoll sei: «In allen anderen Gemeinden erreichen wir die vorgeschriebene Hilfsfrist von maximal 15 Minuten.»

Dennoch hat sich das First-Responder-System nicht nur auf dem Land – beispielsweise im Emmental – etabliert. Kürzlich hat auch die Stadt Bern dessen Aufbau lanciert. Zudem empfiehlt der Interverband des Rettungswesens Schweiz ein solches System. Dass die Seegemeinden im Bezirk Horgen dieses einführen, schätzt Manuel Zimmermann jedoch als unrealistisch ein, wenn auch als begrüssenswert: «Die Topografie und die Logistik dieser Gemeinden unterscheiden sich doch erheblich von jenen in den weiter entfernten.» Zudem seien die Kosten für solche Systeme nicht unerheblich.

Unsicherheiten beseitigen

Björn Kuratli rechnet mit Initialkosten von 10 000 bis 15 000 Franken, die der Samariterverein zu einem Teil tragen wird. «Viel Material besitzen wir bereits», sagt er. Zudem hätten sie Partnerschaften mit Firmen, die weiteres Material zur Verfügung stellten. Ausserdem hofft Kuratli auf einen Beitrag der beiden Gemeinden. Bislang hätten sich acht Personen gemeldet. «Das ist die Mindestzahl, damit wir einen Kurs durchführen können», sagt Kuratli. Im Sommer soll eine erste Informationsveranstaltung für Interessierte stattfinden. Nun hofft er auf weiteren Zuwachs und will heute Samstag an der Einweihung des neuen Feuerwehrfahrzeuges in Schönenberg gewisse Unsicherheiten aus dem Weg räumen. «Viele haben Angst davor, eine zu grosse Verantwortung zu tragen», sagt Björn Kuratli. Im Fall eines Herzstillstandes sei jedoch klar: «Das einzig Falsche ist, nichts zu tun.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.05.2015, 17:19 Uhr

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