Wädenswil

Kritik an Bretterbadi flammt wieder auf

Stinkende Algen, glitschige Böden: Badegäste kritisieren die Sauberkeit und den baulichen Zustand der Wädenswiler Bretterbadi. Der Stadtrat verweist auf die noch anstehende Renovation.

Bis zur nächsten Badisaison sollen die Garderoben und die Schliessfächer in der Bretterbadi erneuert werden.

Bis zur nächsten Badisaison sollen die Garderoben und die Schliessfächer in der Bretterbadi erneuert werden. Bild: Moritz Hager

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Ein tragischer Badeunfall ereignete sich Ende August in der Bretterbadi. Abgesehen davon war es nach den Querelen zwischen Badistammgästen und dem Bademeister im vergangenen Jahr diesen Sommer ruhig in der Badi am See in der Nähe des Bahnhofs Wädenswil.

Gar des Lobes voll war Leserbriefschreiberin Chantal Breitenmoser aus Wädenswil. «Die beliebte Bretterbadi trägt dieses Jahr stolz und tatsächlich ihren Ruf», schreibt sie und ergänzt: «Man wird freundlich empfangen und verabschiedet, alles ist sauber und funktionstüchtig. Die Behörden und die netten Bademeister betreuen unsere Bretterbadi gut.»

Nach ihren Zeilen erreichten die Redaktion aber wieder kritische Stimmen. Auch nach den von der Stadt Wädenswil durchgeführten ersten Renovierungsmassnahmen habe sich am Zustand der Badi nicht wesentlich etwas geändert.

«Die Plättli fallen von der Wand ab, der Boden des Beckens ist glitschig, und es stinkt wegen der Algen»Badibesucherin

«Die Plättli fallen von der Wand ab, der Boden des Beckens ist glitschig, und es stinkt wegen der Algen», moniert eine Badibesucherin, die anonym bleiben will. Sie sei sich sicher, dass die Stadt nicht bereit sei, weiter in die Badi zu investieren, da es sich um ein Fass ohne Boden handle. Auch dass das Frauenabteil jeweils mittwochs und am Wochenende neu für alle geöffnet wird, erachtet sie als überflüssig. «Nur selten und nicht länger als drei Minuten bleibe ein Mann im Frauenabteil, ausser hin und wieder Väter mit Kindern, die das Becken im Frauenabteil nutzten», sagt sie und fügt hinzu: «Es ist schade, denn man könnte so viel machen aus diesem Juwel am Zürichsee.»

Die Badibesucherin ist nicht die Einzige, die sich um den Zustand der Badi sorgt. «Unsere Brättlibadi driftet unter den Augen des zuständigen Stadtrats ins Uferlose ab», schreibt Walter Portmann, Präsident der SVP Wädenswil. Laut seines Leserbriefs lasse die von Breitenmoser gelobte Sauberkeit und Funktionstüchtigkeit in der Badi «sehr zu wünschen übrig».Spinnweben in der Garderobe und der defekte Boden des Damenflosses zählt er als Beispiele auf. Keine spürbare Verbesserung gebracht habe in seinen Augen das neue Konzept der «Geschlechtervereinigung», wie Portmann die Aufhebung des Frauen- und Männerabteils bezeichnet.

Neuer Boden für die Badi

Die angebrachte Kritik stösst beim zuständigen Stadtrat Jonas Erni (SP) auf Unverständnis. «Aufgrund der diesjährigen positiven Rückmeldungen von zufriedenen Badegästen bin ich mehr als erstaunt über die plötzlichen Anschuldigungen kurz vor Saisonende», sagt er. Zudem sei die Stadt sehr bemüht um die Badi, die übrigens die einzige weit und breit sei, die keinen Eintritt verlange.

Die umfassenden Renovationsarbeiten, für die die Stadt eine Million Franken im Budget veranschlagt hat, stehen erst noch an, gibt Erni zu bedenken. «Nach der Saison wird der gesamte Boden komplett erneuert, und die Einbauten wie Garderobe und Schliessfächer werden aufgefrischt.» Die Duschen würden vermutlich umplatziert. Mit einem Vertreter der kantonalen Denkmalpflege habe eine Begehung stattgefunden. «Veränderungen sollen gemäss Vorgaben der Denkmalpflege dahingehend vorgenommen werden, dass die Badi in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt wird», sagt Erni. Für die Renovation seien Architekten beigezogen worden.

«Es handelt sich um politisch motivierte Attacken, um absichtliche Fehlinformationen.»Jonas Erni

Die erwähnte Kritik weist er dezidiert zurück: «Es handelt sich bei den Aussagen um politisch motivierte Attacken, um absichtliche Fehlinformationen. Jeder kann sich selbst ein Bild von der sauberen und charmanten Badi machen», sagt Erni. Er fordert die Kritiker auf, ihm persönlich die erwähnten Mängel in der Badi zu zeigen.

Die Befürchtungen einiger Gäste, die idyllische Badi könnte in ein Eventlokal umfunktioniert werden, kann Erni ausräumen: «Bereits vor vier Jahren hat der Stadtrat aufgrund eines CVP-Postulats diese Möglichkeit geprüft.» Es sei jedoch klar, dass ein Gastrobetrieb in der Badi nicht zulässig ist ohne einen entsprechenden Eintrag im Richtplan. Auch eine neue Konzession würde nötig werden. «Wir setzen alles daran, die Badi zu erhalten», sagt der Stadtrat.

Dass trotz des Öffnens der beiden Abteile nur wenige Männer auf die Seite der Frauen gehen, ist auch Jonas Erni nicht entgangen. Daran änderte auch die doppelte Beschilderung des Frauenabteils nichts. «Jahrzehntealte Gewohnheiten lassen sich nicht von heute auf morgen ändern», sagt er. Ob die Stadt am Konzept der gemischten Abteile mittwochs und am Wochenende festhält, sei noch nicht entschieden.

Erstellt: 12.09.2019, 17:19 Uhr

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