Horgen

«Köbi war wie ein Vater für uns»

Der verstorbene Köbi Kuhn trainierte 1992 den FC Horgen. Er rettete die Mannschaft vor dem Abstieg, indem er sie mit seiner Leidenschaft für den Fussball ansteckte. Damalige Spieler und Freunde erinnern sich.

Die 1. Mannschaft des FC Horgens befolgte 1992 ein halbes Jahr Lang die Anweisungen ihres Trainers Köbi Kuhn.

Die 1. Mannschaft des FC Horgens befolgte 1992 ein halbes Jahr Lang die Anweisungen ihres Trainers Köbi Kuhn. Bild: Archiv André Springer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war keine leichte Zeit für den FC Horgen, das Jahr 1992. Die erste Mannschaft stand vor dem Abstieg in die dritte Liga, der Coach verliess das Team «im gegenseitigen Einvernehmen», wie es damals hiess. Ein neuer Trainer musste her. Dank der Kontakte des Präsidenten Peter Rupp und des Leiters der Spielkommission, Erich Stäubli, baten die Horgner den FC Zürich um Hilfe. «Ich hatte Hugo Holenstein, den damaligen Vize-Präsidenten des FCZ, angefragt, ob er einen Trainer für uns habe», erinnert sich Erich Stäubli.

Dass dabei gleich eine Fussballlegende auf die Horgner Allmend kommt, hätten die beiden nicht gedacht. «Als uns der FCZ mitteilte, dass Köbi Kuhn, der damalige Juniorentrainer der Zürcher, zu uns kommt, waren wir hell begeistert.» Kuhn blieb für eine Saison. Ein halbes Jahr lang stand er drei mal in der Woche auf dem Horgner Rasen.

Köbi Kuhn griff dem FC Horgen in schwierigen Zeiten unter die Arme. Archivbild: André Springer

Drei Jahre später wurde Köbi Kuhn Trainer des nationalen U-21-Kaders und war zwischen 2001 und 2008 Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. Anfang Woche ist er im Alter von 76 Jahren nach langer Krankheit im Spital Zollikerberg verstorben.

«Vor Ehrfurcht gezittert»

Köbi Kuhn war 1992 für die Horgnern Fussballer als ehemaliger Nationalspieler und Torjäger beim FCZ ein Idol. «Ich kann mich erinnern, wie die Jungs beim ersten Training mit Kuhn vor Erfurcht zitterten», sagt Stäubli.

Köbi Kuhn spricht mit dem damaligen Leiter der Spielkommission Erich Stäubli. Hinter Stäublis Hand steht der Kapitän Walter Elmer. Archivbild: André Springer

Einer der damaligen Spieler war Walter Elmer. Er war damals 25 Jahre alt, Torhüter und Kapitän der Mannschaft. Heute ist er als Beisitzer im FC Horgen und als Spieler bei den Senioren sowie als Juniorentrainer tätig. «Ich vergesse den Moment nie, als ich das erste Mal auf der Allmend unter Köbi Kuhn trainierte.» Im ersten Training haben sie einen Plauschmatch gespielt. «Für Köbi war es sekundär, unsere Spieltechnik zu verbessern. Sein Ziel war es, im angeschlagenen Team die Leidenschaft für den Fussball wieder zu entfachen», erinnert sich Elmer.

Diese Absicht zeigt sich auch in einer Aussage, mit der Köbi Kuhn 2002 im 100-Jahre-Jubiläumsheft des FC Horgen zitiert wird. Auf die Frage, was er in so kurzer Zeit ändern werde, da Kuhn doch die Spieler nicht kenne, war seine Antwort: «Es wäre falsch, viel ändern zu wollen. Wichtig ist, den Spielern wieder Freude am Fussball und ein gesundes Selbstvertrauen zu geben und sich auf die Grundweisheiten des Fussballs zu beschränken.» Für Kuhn waren dies gemäss Zitat: Als Team kompakt bleiben, dem Gegner die Räume eng machen, das Spiel ohne Ball pflegen, dem Ball entgegenlaufen und antizipieren.

Den Horgnern Mut gegeben

«Er war schon immer ein cleverer Fussballer und ein cleverer Mensch. Bodenständig und nahbar», sagt Walter Elmer. «Köbi war damals wie ein Vater für uns.» Nach dem Training sei er mit den Spielern jeweils in eine Beiz gegangen und habe sie mit Fussballgeschichten unterhalten. «So hat er es geschafft, uns mit seiner Leidenschaft für den Fussball anzustecken.»

Kuhn zusammen mit Peter Rupp, dem einstigen Präsidenten des FCH. Archivbild: André Springer

«Besser konnte man es als Trainer nicht machen», sagt Erich Stäubli. Seine Art und Weise, wie er mit den Spielern umgegangen sei, habe der Mannschaft das nötige Selbstvertrauen gegeben. Schon damals war für Stäubli klar, dass auf Köbi Kuhn eine grosse Trainerkarriere warten würde. «Ich dachte, er würde den FCZ übernehmen.» Dass er wenige Jahre nach seinem Einsatz in Horgen gleich die Nationalmannschaft trainierte, habe Stäubli umso mehr gefreut. «Er plante seine Karriere sehr genau und überliess nichts dem Zufall», sagt er.

«Für den Fussball gelebt»

Die Saison 1992 war zwar nicht berauschend, immerhin konnte der FC Horgen aus den letzten sechs Spielen noch sieben Punkte holen. Die Horgner beendeten die Meisterschaft auf dem siebten Schlussrang und schafften somit den Ligaerhalt – auch dank dem Engagement von Köbi Kuhn. In der zweiten Liga spielt die erste Mannschaft des FC Horgen noch heute.

Archivbild: André Springer

«Er war auch neben dem Feld ein toller Mensch, mit dem man auch viel lachen konnte», sagt Stäubli. Er und Kuhn seien vor und nach den Matches oft zusammen unterwegs gewesen. «Wenn wir uns unterhielten, ging es immer um Fussball. Er hat für diesen Sport gelebt.» Auch nach der Saison 1992 haben sich Erich Stäubli und Köbi Kuhn noch einige Male getroffen. «Auf seinem geliebten Platz im Letzigrund habe ich ihn noch ein paar mal gesehen und wir haben über den Fussball und die Zeiten in Horgen geredet», sagt Stäubli.

Der FC Horgen werde an seiner nächsten Vorstandssitzung behandeln, wie der Club dem Tod von Köbi Kuhn, ihrem ehemaligen Trainer, gedenken will.

Erstellt: 28.11.2019, 17:43 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben