Adliswil

Knatsch um Adliswiler Schule: Jetzt spricht der Schulpräsident

Kündigungen, Misskommunikation — in den letzten Wochen stand das Departement von Schulpräsident Raphael Egli (CVP) unter Beschuss. Jetzt bezieht er erstmals detailliert Stellung zu den Vorwürfen.

Der Adliswiler Schulpräsident Rapahel Egli verteidigt sich und seine Mitarbeiter.

Der Adliswiler Schulpräsident Rapahel Egli verteidigt sich und seine Mitarbeiter. Bild: Manuela Matt

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Raphael Egli, die Kündigung von zwei Leiterinnen des Schulhauses Zopf hat für Unruhe unter den Eltern gesorgt. Insbesondere das Kommunikationsmanagement der Schulpflege steht in der Kritik. Inwiefern sehen Sie hier rückblickend Verbesserungspotenzial?
Raphael Egli: Sobald definitiv war, dass die Schulleiterinnen uns verlassen, haben wir kommuniziert. Wegen der vielen Überstunden, waren sie sehr schnell danach weg. Die Hintergründe der Kündigung hätte die Schulpflege gerne erörtert, aber aus personalrechtlichen Gründen war das nicht möglich.

Sie haben es abgelehnt, einen offenen Infoabend für die Eltern zu veranstalten und haben stattdessen nur einzelne Delegierte eingeladen. Scheuen Sie die Konfrontation?
250 Kinder besuchen das Schulhaus Zopf. Kommen nur knapp die Hälfte aller Eltern, sitzen rund 200 Personen an einem Tisch. Alle mit derselben Forderung: den Grund für den übereilten Abgang zu erfahren. Ein solches Treffen schien uns nicht zielführend. Es wurde nicht ausgeschlossen, nach einem ersten Gespräch einen Info-Anlass für alle Eltern zu organisieren. Die Einladung zu diesem Gespräch wurde ausgeschlagen und zeitgleich eine Beschwerde beim Bezirksrat eingereicht. Das erschwerte eine offene Aussprache.

Bereits vor eineinhalb Jahren nahm der damalige Schulleiter kurzfristig den Hut. Mittlerweile ist der Unmut der Eltern so gross, dass der Bezirksrat sich der Angelegenheit annehmen muss. Haben Sie die Lage noch im Griff?
Ja. Wir haben fünf Schuleinheiten, in vier dieser fünf läuft es sehr gut. Ich bedauere, dass das Schulhaus Zopf nicht zur Ruhe kommt. Es wäre zu begrüssen, dass eine Schulleitung die Zügel langfristig in der Hand hält. Gerade auch, um das koordinatorisch anspruchsvolle Modell der Mehrjahrgangsklassen und die integrative Förderung gut zu konsolidieren. Die Schulpflege kann aber nichts erzwingen. Trotz aller Vorwürfe fiel die Bewertung der Schule Zopf bei der externen Evaluation im letzten Frühling durch die Eltern übrigens dennoch gut bis sehr gut aus.

«Die Schule ist ein heisses Pflaster, das von allen Eltern genau unter die Lupe genommen wird.»Raphael Egli

Wie ist die Stimmung am Schulhaus Zopf zurzeit?
Im Januar war die Schulpflege vor Ort. Die Stimmung war durchzogen. Es ist nicht gerade motivierend, an einer Schule zu arbeiten, über die schlecht geredet wird. Viele Lehrpersonen liessen sich davon aber nicht beeindrucken und zeigten sich erfreut, dass mit Bernadette Herzog eine Befürworterin des altersdurchmischten Lernens die Leitung übernimmt.

Weshalb hält die Schule am umstrittenen Modell der Mehrjahrgangsklassen fest?
Dieses Modell wurde von der Lehrerschaft des Zopf vor acht Jahren gewünscht. Zugegeben, ich war anfangs auch skeptisch. Mittlerweile sehe ich aber, dass altersdurchmischtes Lernen eine Riesenchance ist — gerade für heterogene Klassen mit hohem Anteil an Fremdsprachigen. Zurzeit wird das Förderkonzept überarbeitet, dabei können die Lehrpersonen sich auch wieder gegen das altersdurchmischte Lernen entscheiden und zurück zum Jahrgangssystem wechseln.

Im Zusammenhang mit der neuen Leiterin der Sonderpädagogik war in Leserbriefen von Mobbing die Rede. Bemängelt wurde zudem, dass sie nicht erreichbar sei. Wie stehen Sie dazu?
Von Mobbing kann nicht die Rede sein, das ist eine heillose Skandalisierung. Petra Fränzen hat genau hingeschaut, viele Mitarbeitende besucht — das haben vereinzelte vielleicht als Kontrolle empfunden. Sie hat eine direkte, typisch deutsche Art. Doch Fränzen war immer zu 100 Prozent erreichbar. Ihre Homeoffice-Zeiten haben wir dennoch eingeschränkt. Nun bietet sie freitags Sprechstundentermine in ihrem Büro an.

Wie sieht die Situation beim schulpsychologischen Dienst aus, nachdem gleich beide Psychologinnen gekündigt haben?
Wichtig ist zu sagen, dass beide Stellen wieder besetzt werden konnten; seit dem 20. Februar, respektive seit dem 1. März. Dass beide gekündigt haben, hat unter anderem mit der langen Anfahrtszeit zu tun. Aber offenbar auch mit Animositäten gegenüber den Vorgesetzten. Der schulpsychologische Dienst war ohne Unterbruch besetzt.

Wie erging es Ihnen persönlich im Gegenwind all dieser Vorwürfe?
Als Politiker muss man ein dickes Fell haben. Insbesondere die Schule ist ein heisses Pflaster, das von allen Eltern genau unter die Lupe genommen wird — denn die Bildung des eigenen Kindes ist eine Herzensangelegenheit. Inakzeptabel wird es für mich erst, wenn falsche Gerüchte verbreitet und Mitarbeiter grundlos diffamiert werden. Persönliche Angriffe verletzen mich schon — zumal ich mich für das Schulpräsidium überdurchschnittlich engagiere. Ich freue mich aber über das Positive an der Schule Adliswil, so wie die Zusammenarbeit mit Schulpflege und der Ressorleitung und insbesondere unseren sehr motivierten und engagierten Lehrpersonen.

Befüchten Sie, dass die Negativ-Schlagzeilen Ihren Wahlkampf gefährden?
Gewisse Angriffe lassen sich als reine Stimmungsmache während des Wahlkampfs abtun. Ich schätze die Aufgabe des Schulpräsidenten sehr, und glaube auch, in den letzten vier Jahren viel Gutes bewirkt zu haben. Ich weiss, ich kann meinen Weg gehen, meine Schüler würden sich freuen, wenn ich wieder mehr unterrichten würde. Trotzdem würde ich es sehr bedauern, nicht wiedergewählt zu werden.

Erstellt: 05.03.2018, 15:45 Uhr

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