Wädenswil

Kirchenbänke führen zu Eklat in der Kirchenpflege

Die Kontroverse über das Entfernen von Kirchenbänken aus der Grubenmann-Kirche geht in eine nächste Runde. Die Abstimmung muss wiederholt werden. Der Präsident der Kirchenpflege tritt zurück.

Der Streit um die Entfernung von Kirchenbänken in der Grubenmann-Kirche in Wädenswil hat personelle Konsequenzen.

Der Streit um die Entfernung von Kirchenbänken in der Grubenmann-Kirche in Wädenswil hat personelle Konsequenzen. Bild: Archiv Manuela Matt

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Das Schicksal der Kirchenbänke in der reformierten Grubenmann-Kirche schien besiegelt. Je acht Bankreihen links und rechts des Taufsteins hätten aus dem 250-jährigen Bauwerk entfernt werden sollen. Dies haben die Wädenswiler an der Kirchgemeindeversammlung im Dezember entschieden. Danach ist ein Rechtsstreit entbrannt. Mittlerweile ist klar: Die Abstimmung muss wiederholt werden.

Zur Erinnerung: Mitglieder der Kirchgemeinde wollten die Bankreihen entfernen, um mehr Platz für Veranstaltungen wie Rock-Gottesdienste, Ballnächte oder Gesprächsrunden zu erhalten. Dies in der Idee, mehr Wädenswiler in die Kirche zu locken. Im Jubiläumsjahr 2017 hatte die Kirchgemeinde erste Erfahrungen damit gesammelt. Das definitive Entfernen der 16 Kirchenbänke führte jedoch zu kontroversen Diskussionen innerhalb der Kirchgemeinde. Während die Befürworter von einer modernen und offenen Kirche sprachen, befürchteten die Gegner eine Zerstörung des Kirchencharakters.

An der Kirchgemeindeversammlung vom vergangenen Dezember kam es zur Abstimmung. Nach einem ausführlichen Votum der Befürworter verlangte ein Mitglied der Versammlung, die Diskussion abzubrechen und sofort zur Abstimmung überzugehen. Dies wurde zwar gut geheissen, das Gegenkomitee durfte trotzdem noch seinen Gegenvorschlag präsentieren, der lediglich die Entfernung von sechs Bankreihen vorsah. Zu einer Diskussion über die beiden Varianten ist es jedoch nicht gekommen. Die Wädenswiler entschieden sich für die ursprüngliche Variante und erteilten der Entfernung von 16 Bänken mit 215 Ja- zu 54 Nein-Stimmen ihren Segen.

Ein Mitglied der Versammlung verlangte zwar noch eine nachträgliche Urnenabstimmung. Auf diesen Antrag ist Präsident Peter Meier jedoch wegen eines «Missverständnisses in der turbulenten Versammlung» nicht eingegangen, mit der Begründung, der Antrag auf geheime Abstimmung komme zu spät. Der Antrag verlangte jedoch keine geheime Abstimmung, sondern einen nachträglichen Urnengang.

Unterschiedliche Urteile

Wenige Tage nach der Abstimmung erreichte die Bezirkskirchenpflege ein Rekurs. Darin wurde kritisiert, dass keine Diskussion über die beiden Varianten stattgefunden habe und der Präsident nicht auf den Antrag auf Urnenabstimmung eingetreten sei. Die Bezirkskirchenpflege gab dem Rekurrenten recht und annulierte den Beschluss der Versammlung. Sie ordnete eine Urnenabstimmung über die beiden Varianten «Entfernung von zweimal acht Bankreihen» und «Entfernung von zweimal drei Bankreihen» an.

Dieses Urteil hat die Kirchenpflege an die Rekurskommission der Landeskirche des Kantons Zürich weitergezogen. Diese hat nun ihrerseits ein Urteil gefällt. Sie schreibt, dass die politischen Rechte der Versammlungsmitglieder verletzt und unzulässigerweise eingeschränkt worden seien. Auch die Landeskirche hebt den Beschluss, die Bänke zu entfernen, auf. Sie ordnet allerdings eine Wiederholung der Versammlung an, keinen Urnengang. «Ob eine Urnenabstimmung durchgeführt wird, hat nicht die Rechtsmittelinstanz zu entscheiden, sondern die Teilnehmer einer Kirchgemeindeversammlung.»

Zudem könnten «die festgestellten Mängel nur dadurch geheilt werden, dass die Kirchgemeindeversammlung korrekt durchgeführt wird, indem für das strittige Geschäft genügend Diskussion zugelassen wird.»

«Ultrakonservative Kräfte»

Peter Meier, Präsident der Kirchenpflege Wädenswil, fühlt sich durch das neuste Urteil etwas entlastet: «Es war klar, dass die Bezirkskirchenpflege über das Ziel hinausgeschossen ist.» Gleichzeitig räumt er sein Missverständnis ein. Er habe eine nachträgliche Urnenabstimmung mit einer geheimen Abstimmung in der Hektik der Versammlung verwechselt. Wann die Gemeinde nun erneut über das Entfernen der Kirchenbänke entscheiden muss, werde die Kirchenpflege nun prüfen. Vermutlich wird sie dies ohne Peter Meier tun müssen. Er tritt per Mitte Mai zurück.

«Die Reibungsflächen sind zu gross geworden», sagt Meier. Grund ist unter anderem der lange Streit um die Entfernung der 16 Kirchenbankreihen aus der 250-jährigen Grubenmann-Kirche. Seit längerem habe es persönliche Anfeindungen gegen ihn gegeben.

Dem Fass den Boden ausgeschlagen habe jedoch das Urteil der Bezirkskirchenpflege. Diese hiess ein Rekurs gut, der gegen die Kirchgemeindeversammlung vom Dezember eingegangen war, als über das Entfernen der Bänke entschieden wurde. Als Präsident hatte Peter Meier die Versammlung geleitet. Ein solches Amt müsse auch Freude machen, sagt er. «Spass habe ich nach dem Urteil der Bezirkskirchenpflege keinen mehr.» Meier steht als Präsident für einen modernen Kurs. Die Kirche müsse neue Begegnungsräume verwirklichen um den zahlreichen Austritten entgegenwirken zu können. Dies würde jedoch von «ultrakonservativen Kräften» blockiert. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.04.2019, 19:57 Uhr

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