Wädenswil

Kinder üben den Notfall auf dem Zürichsee

In einem Gefangenenbus sitzen, ohne etwas verbrochen zu haben oder mit Tempo 80 über den See brettern - das erleben Kinder dank dem Ferienpass am Blaulichttag.

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«Schneller, schneller», ruft ein Mädchen. Sie hält sich mit einer Hand an der Stange fest. Der Kapitän gibt noch etwas mehr Gas. Mit 80 Kilometern pro Stunde flitzt der «Johanniter 4» über den Zürichsee. Es ist das Haupteinsatzboot des Seerettungsdiensts Wädenswil und steht heute neugierigen Kindern zur Verfügung. Die Seeretter erklären den Mädchen und Buben, was zu ihrem Tätigkeitsbereich gehört. Sie retten nicht nur Personen, die ins Wasser gefallen oder im Wasser verunfallt sind, sie schleppen auch Boote ab oder müssen hie und da Feuer auf einem Boot löschen.

Patrick Scherrer ist seit neun Jahren bei der Seerettung Wädenswil. Er stellt sicher, dass keines der 16 Kinder auf dem «Johanniter 4» über Bord geht. Ausgestattet mit zwei Motoren und 660 PS braust das Boot vor Wädenswil über den Zürichsee. Sieben Tonnen schwer ist es, zwei Tonnen davon machen Rettungsutensilien wie Defibrillator, Tragbahre, Feuerlöschmaterial, Pumpe oder Abschleppseil aus.

Sympathien schaffen

Nach etwa 15 Minuten rasanter Fahrt – der Kapitän hat unterwegs seine Mütze verloren, sie konnte nicht mehr gefunden werden – legt der «Johanniter 4» wieder am Schiffsteg beim Seeplatz an. Die nächsten Kinder warten schon. Auch sie wollen mit dem schnellen Boot eine Runde drehen.

Die Seeretter stehen am Mittwochnachmittag im Rahmen des Ferienpasses im Einsatz, zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der Stadtpolizei und der Feuerwehr. Am Blaulichttag zeigen sie Kindern, aber auch Erwachsenen ihre Arbeit und erzählen aus dem Arbeitsalltag. «Es ist eine gute Gelegenheit, uns der Bevölkerung zu zeigen und gewisse Ängste und Barrieren bei Kindern abzubauen», sagt Martin Heer, Chef der Stadtpolizei Wädenswil. Mit Spiel und Spass – es stehen verschiedene Posten mit Aufgaben zur Auswahl – werden Kontakte geknüpft, man nähert sich an. Stadtrat und Sicherheitsvorsteher Jonas Erni (SP) ist ebenfalls vor Ort. Er bestätigt, dass sich die Veranstaltungen bewähren, bei denen sich die Sicherheits- und Gesundheitsorganisationen dem Volk präsentieren. «Solche Anlässe schaffen Sympathien auf beiden Seiten.»

Polizeiautos beeindrucken

Der siebenjährige Ben Lustenberger ist soeben vom Boot gestiegen. «Es war mega cool», sagt er zu seinem Mami. Dann geht er zu den fünf Polizeifahrzeugen, eines davon ein Töff. Er will wissen, wie schnell diese fahren können. Vielleicht möchte er später zur Polizei. «Aber zuerst will ich Bäcker werden.» Nik Theiler will später zur freiwilligen Feuerwehr. Der Elfjährige ist heute alleine dabei. Sein Vater arbeitet bei der Feuerwehr, ist aber nicht anwesend. Interessiert schaut sich Nik die Polizeiautos an. Der blaue Gefangenentransporter beeindruckt ihn besonders. «Drinnen sieht es genauso aus wie in den Filmen», erzählt er. Der Kastenwagen, mit dem Gefangene transportiert werden, ist auch bei anderen Kindern sehr beliebt. Viele trauen sich, setzen sich hinein und lassen die Polizistin Luzia Küttel sogar das Gitter hinter ihnen schliessen. «Ein komisches Gefühl», sagt ein Mädchen, nachdem es wieder freigelassen wurde. Wie Küttel erklärt, steht der Gefangenenbus, wie der Kastenwagen auch genannt wird, häufig im Einsatz. Vor allem bei grösseren Anlässen wie der Chilbi oder der Fasnacht.

«Der Blaulichttag ist eine gute Gelegenheit, uns der Bevölkerung zu zeigen und Ängste bei den Kindern abzubauen.»Martin Heer, 
Chef der Stadtpolizei Wädenswil

Die Feuerwehr vertritt Markus Gantner. Er ist Stabsoffizier und hat das kleinste Einsatzfahrzeug der Feuerwehr mitgebracht. Das Mehrzweckfahrzeug wird für den Materialtransport vom Depot zum Einsatzplatz gebraucht. Angehängt ist eine Motorspritze. «Mit dieser saugen wir Wasser aus dem See oder einem Bach», erklärt er zwei interessierten Buben. Auch die Einsatzkleidung der Feuerwehrmänner und -frauen fasziniert die Kinder. Wer will, darf in die schwere Jacke schlüpfen.

Martin Heer, der für die Organisation des Blaulichttags verantwortlich war, zeigt sich am Ende des Anlasses sehr zufrieden. Rund 80 bis 100 Mädchen und Buben und einige Eltern hätten teilgenommen, sagt er.

Erstellt: 18.07.2019, 17:04 Uhr

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