Kantonsrat

Kampf um Nutzung des Sihlwalds geht wieder los

Am 1. Januar soll die Bachtelenstrasse im Sihlwald für Velofahrerinnen und Reiter gesperrt werden. Drei Kantonsräte aus Langnau, Adliswil und Horgen versuchen nun mit einem dringlichen Postulat die Schliessung zu verhindern.

Die Nutzung der Wege im Sihlwald ist umstritten. Drei Kantonsräte finden aber, die Offenhaltung der Bachtelenstrasse für Biker und Reiter tue niemandem weh.

Die Nutzung der Wege im Sihlwald ist umstritten. Drei Kantonsräte finden aber, die Offenhaltung der Bachtelenstrasse für Biker und Reiter tue niemandem weh. Bild: Archivfoto: Bernhard Fuchs

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Der Kampf schien längst beendet zu sein. Im Mai 2016 entschied das Baurekursgericht, nicht auf einen Rekurs der IG Sihlwald für alle einzutreten. Die IG versuchte auf diesem Weg doch noch die Schliessung der Bachtelenstrasse für Velofahrer und Reiter zu verhindern. Diese ist ein wichtiger Teil für Wanderer und Ausflügler im Langnauer Oberrengg. Weil sie durch die Kernzone führt, soll sie nach dem Willen des Kantons möglichst frei von Nutzungen bleiben. Das Gericht beschied, dass die Schliessung im Rahmen der Revision der Schutzverordnung gar nicht zur Diskussion gestanden sei.

Das heisst, ab dem 1. Januar 2019 dürfen nur noch Fussgänger die Strasse im Sihlwald benutzen. Dagegen haben jetzt aber die Kantonsräte Urs Waser (SVP, Langnau), Farid Zeroual (CVP, Adliswil) und Rico Brazerol (BDP, Horgen) einen letzten Vorstoss eingebracht. Mit einem dringlichen Postulat namens «Ja zu Naturschutz im Sihlwald mit gesundem Menschenverstand» fordern sie den Regierungsrat auf, die Schutzverordnung anzupassen. Und zwar so, dass die Bachtelenstrasse ab 2019 weiterhin auch für Velofahrer und Reiter offengehalten wird. Falls nötig, solle das Parkkonzept angepasst werden, um Anforderungen des Bundes erfüllen zu können.

Im Postulat betonen die Kantonsräte, dass die Umnutzung des Wildnisparks in einen «Naturerlebnispark», ohne Eingriffe in die Natur, zu Beginn in der Bevölkerung eher nicht akzeptiert wurde. Erst die Revision der Schutzverordnung 2015 habe «die meisten Planungsfehler korrigiert».

Doch dass die Bachtelenstrasse für Fussgänger, auch solche mit Hunden, zugänglich sein soll, nicht aber für Velofahrerinnen und Reiter, sei für viele nicht nachvollziehbar und unbefriedigend. Die Strasse sei ein unverzichtbares Glied im relativ flachen und beliebten Rundweg von Langnau Oberrengg zum Wüesttobel und zurück auf der Sihlwaldstrasse.

Keine Probleme

Die Kantonsräte hinterfragen den Nutzen der Schliessung. So lägen keine Zahlen oder Studien zum Prozessschutz und zur Entwicklung von Flora und Fauna im Perimeter vor, die den negativen Einfluss durch Reiter und Velofahrer belegen würden.

Insbesondere auch, ob die Einflüsse auf die Biodiversität über diejenigen hinausgingen, welche die Fussgänger hätten. Im Postulat wird festgehalten, dass es in den vergangenen Jahrzehnten keine Nutzungskonflikte gegeben habe. Gerade für Familien und ältere Leute sei die Bachtelenstrasse mit Velos gut befahrbar.

Akzeptanz könnte leiden

Nicht zuletzt hätten sowohl die Anrainergemeinden als auch die Planungsgruppe Zimmerberg die Offenhaltung der Strasse für Reiterinnen und Velofahrer gefordert. Es sei wichtig, die lokale Akzeptanz für den Naturerlebnispark zu erhalten, und zwar bei allen Nutzergruppen. Sollte das Verbot eingeführt werden, drohe ein Verlust dieser Akzeptanz, warnen die Postulanten.

Dass die IG, in deren Vorstand Erstunterzeichner Urs Waser sitzt, gerichtlich gescheitert ist, schreckt die Postulanten nicht ab. Der Entscheid sei «aus rein formalen Gründen» erfolgt. Aus ihrer Sicht lasse die eidgenössische Pärkeverordnung eine Offenhaltung der Bachtelenstrasse für alle Nutzergruppen zu.

Urs Waser schätzt die Chancen, dass der Regierungsrat die Sperrung nochmals überdenkt, durchaus als gut ein. «Die Unterstützung in der Region ist gross und breit abgestützt», sagt er. Das zeige sich schon an den verschiedenen Parteien, die hinter dem Postulat stünden. Nur weil die Strasse für alle offen bleibe, würde das am Label «Naturerlebnispark» nichts ändern, sagt er. «Wir tun damit ja niemandem weh.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 31.10.2018, 21:17 Uhr

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