Hirzel

Japan lernt die Heidi-Schöpferin kennen

Die Japaner sind fasziniert vom Schweizer Mythos «Heidi». Nun dreht ein japanisches Kamerateam auf dem Hirzel einen Beitrag über Johanna Spyri und kommt der Schweizer Autorin näher.

Konzentriert arbeitet das Filmteam an der richtigen Kameraeinstellung.

Konzentriert arbeitet das Filmteam an der richtigen Kameraeinstellung. Bild: Moritz Hager

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Die Kamera des japanischen Fernsehproduzenten ist auf die alten Schulbänke im Spyri-Museum gerichtet. Ein grosser, alter Rechenschieber und eine Steinmauer im Hintergrund lassen die einstige Atmosphäre sehr genau erahnen. Das Gebäude wurde im Jahre 1659 gebaut und war das erste Schulhaus in der Gemeinde Hirzel. Auf diesen alten Schulbänken nahmen im Jahr 1833 rund 60 Kinder Platz - unter anderem auch die Schweizer Autorin Johanna Spyri.

Das vierköpfige Filmteam aus Japan produziert für den japanischen Fernsehkanal Nippon Television einen Beitrag über das Leben von Johanna Sypri. Erzählungen über die Heidi-Schöpferin werden mit verschiedenen Standbildern aus dem Innern des alten Riegelbaus kombiniert. Ein nächster Drehort wird Maienfeld sein- der Ort ist international bekannt als «Heididorf».

Ein grosser, alter Rechenschieber dient als Requisite für den Filmdreh.

Es mag auf den ersten Blick erstaunen, dass sich ein japanischer Fernsehkanal für eine Schweizer Autorin interessiert. Doch die Geschichte von Johanna Spyri über das Alpenmächen Heidi beschäftigt seit über 100 Jahren Generationen auf der ganzen Welt. Mit der japanischen Zeichentrickfilm Serie von 1974 wurde Heidi zum internationalen Phänomen. Die Filmemacher hatten sich damals für mehrere Monate in der Schweiz aufgehalten und detailgetreue Illustrationen der Schweizer Alpenwelt gefertigt. Auch das Landesmuseum thematisiert mit seiner aktuellen Ausstellung die besondere Verbindung von Heidi mit Japan. «Der Original-Schreibtisch von Johanna Spyri steht zurzeit im Nationalmuseum in Zürich», sagt Nicole Zaehringer, Museumsfachfrau im Spyri Museum.

Faszination in Natur begründet

Für die Japaner sei die Welt von Heidi eine Traumwelt, erklärt Natsu Yanaru. Die Japanerin, die seit 18 Jahren in der Schweiz wohnt, betreut die japanisch sprechende Filmcrew. «Wir sind hier im Hirzel, weil wir verstehen wollen, wie die Autorin aufgewachsen ist und gelebt hat», erklärt Yanaru.

«Dieses Jahr waren alleine im Museum auf dem Hirzel schon vier japanische Filmteams zu Besuch.»Nicole Zaehringer, Museumsfachfrau im Spyri Museum

Der Grund für Faszination der Japaner für das Alpenmädchen findet sich laut Yanaru in der Natur und Landschaft des Alpenlandes. Die Natur gebe den Menschen in Krisensituationen Halt. «Wir wollen uns fühlen wie Heidi» sagt Yanaru und sagt, dass die Szenerie aus der japanischen Heidi- Animation in der Schweiz zu finden ist und real erlebt werden kann. Alles in der Schweizer Bergwelt sehe aus wie im Animationsfilm und in die Schweiz reisen die Japaner laut der Koordinatorin gerne mehrmals. «Paris wollen wir nur einmal sehen, aber in die Schweiz kommen wir gerne öfters», sagt sie. Dies bestätigt auch Zaehringer: «Dieses Jahr waren alleine im Museum auf dem Hirzel schon vier japanische Filmteams zu Besuch».

Freiheit durch das Schreiben

Johanna Spyri gilt als konservative Frau, die in religiösen Verhältnissen aufgewachsen ist. Nach ihrer Heirat mit Johann Bernhard Spyri führte sie ein bürgerliches Leben in Zürich. Die Frage, ob die japanischen Filmemacher auf dem Hirzel die Autorin hinter der Heidi-Geschichte kennen, verneint Yanaru. Sie lerne erst jetzt die Frau hinter der weltberühmten Geschichte des naturliebenden Mädchens kennen. Eigentlich, so äussert sich Yanaru, geht man doch davon aus, dass die Autorin so fühlen und leben müsste wie Heidi. Frei und unbeschwert. «Doch vielleicht fühlte sie sich doch eher wie ihre Freundin Clara aus der Grossstadt? Einsam und in ihrer Rolle gefangen», überlegt sie.

Laut unterschiedlichen Quellen, hat sich die Heidi-Schöpferin Johanna Spyri durch das Schreiben Freiheit verschafft und ist mental aus den beengenden Strukturen ihrer Ehe ausgebrochen. Wie das Spyri Museum seinen Besuchern erklärt, hatte sie kurz vor ihrem Tod alle Briefe zurückverlangt, was die Einordnung der Person Johanna Spyri schwierig macht.

Erstellt: 13.09.2019, 14:49 Uhr

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