Horgen

Baubewilligung für 211 neue Wohnungen erteilt

Die Realstone SA hat die Baubewilligung für über 210 Mietwohnungen sowie Gewerbeflächen beim Bahnhof Oberdorf erhalten. Auf dem Schweiter-Areal wird in den nächsten zwei Jahren ein neues Quartier entstehen.

So soll die Überbauung dereinst aussehen.

So soll die Überbauung dereinst aussehen. Bild: PD/Visualisierung

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In das Industrieareal im Horgner Oberdorf kehrt Leben ein. Auf dem Schweiter-Areal bergseits des Bahnhof Oberdorf wird die Immobiliengesellschaft Realstone SA acht Mehrfamilienhäuser mit 77 Wohnungen sowie ein Wohn- und Gewerbehaus mit 134 Wohnungen bauen. Für die insgesamt 211 Wohnungen mit Gewerbe hat sie die rechtskräftige Baubewilligung erhalten, womit dem Start der Überbauung nichts mehr im Wege steht.

Die geplante Überbauung ist in Horgen schon lange Thema und stand auch schon in der Kritik. Der für den Bau notwendige Gestaltungsplan sorgte 2006 für zahlreiche Einwendungen. Nachdem die Gebäudegrössen angepasst wurden, stiess der Gestaltungsplan 2013 auf Zustimmung.

Die Realstone SA ist die Grundeigentümerin des Areals. Sie hat es 2015 der Credit Suisse abgekauft. Die Überbauung auf der 6,2 Hektar grossen Fläche ist in die drei Baufelder Park, Platz und Fabrik eingeteilt. Während die Bauherrin auf den Feldern Park und Platz schon klare Vorstellungen hat, ist die Zukunft des Feldes Fabrik noch ungewiss. Auf letzterem steht die denkmalgeschützte Fabrikhalle des Textilmaschinenherstellers Schweiter, der seit 2017 zur Firma Rieter gehört. Die Baubewilligung hat die Realstone SA lediglich für die Baufelder Park und Platz erhalten. Für das Feld Fabrik ist sie noch ausstehend.

Der Park

Als erstes wird mit dem Bau auf dem Feld Park begonnen. Acht Mehrfamilienhäuser mit 77 Mietwohnungen sind darauf geplant. Zwischen den Gebäuden wird eine grosse Grünfläche entstehen. Die Fassaden besteht aus Backsteinen, Stahl, Glas und Beton. Damit will die Bauherrin an die industrielle Geschichte des Areals erinnern.

Die Wohnungen sind zwischen 2 ½ und 5 ½ Zimmer gross und vor allem für Familien gedacht. Die Realstone SA wollte ursprünglich 80 Wohnungen auf dem Feld bauen. Während der Rekursfrist der Baubewilligung, in der Einwendungen gegen das Projekt eingegangen sind, änderte die Eigentümerin ihren Plan aber. Eines der acht Gebäude erhält nun eine Etage weniger. So können lediglich 77 Wohnungen entstehen. Als Grund gibt die Realstone SA einen «internen Entscheid« an. Ob die Einwendungen mit der Reduktion der Stockwerke zu tun haben, lässt die Bauherrin nicht durchblicken. Da die Einsprachen aber alle zurückgezogen wurden, ist davon auszugehen. Die Wohnungen auf dem Baufeld Park sollen im Winter 2020 bezugsbereit sein. Der Abbruch des Gebäudes auf dem Areal hat bereits begonnen.

Das Schweiter-Areal aus der Luft. Bild: Steve Springer.

Der Platz

In einer zweiten Bauetappe wird auf dem Baufeld Platz gebaut. Im Gebäude werden nebst 134 Mietwohnungen mit einer Grösse von 2 ½ bis 4 ½ Zimmern auch eine Gewerbefläche von 770 Quadratmetern entstehen. Wie die Realstone SA mitteilt, werde auf eine «quartierfreundliche Nutzung» geachtet. In die Gewerbeflächen sollen eine Kindertagesstätte, ein Café oder Ähnliches einziehen. «Wir sind bereits in Kontakt mit einigen Interessenten», sagt Rafael Venetz, Projektleiter der Realstone SA, ohne konkrete Namen zu nennen. Die Suche nach Vermietern starte jedoch erst im Herbst. Das Wohn- und Gewerbegebäude hätte ursprünglich sechsstöckig werden sollen. Auch hier verzichtete die Realstone SA kurz vor Ablauf der Rekursfrist auf ein Stockwerk.

Auf dem Baufeld wird die Bauherrin zudem einen 2500 Quadratmeter grossen Platz für Begegnungen schaffen. Ein öffentlich zugängliches Wegnetz verbindet die beiden Areale Park und Platz. Die Wohnungen sollen im Winter 2021 bezugsbereit sein. Im Moment befindet sich auf dem Areal das Parkhaus der Swisscard AECS, einer Tochtergesellschaft der Credit Suisse. Dieses muss weichen. «Die Mieter erhalten während des Bauens Ersatzparkplätze und nach dem Bau stellen wir wieder neue zur Verfügung», sagt Rafael Venetz.

Die Fabrik

Während die ersten beiden Baufelder schon im Detail geplant sind, ist die Zukunft des Areals Fabrik noch ungewiss. Die Realstone SA hat im Juni einen Wettbewerb durchgeführt, wobei sich acht namhafte Architekturbüros beteiligt haben. Wie die Realstone SA mitteilt, entsteht ein Neubau in Ergänzung zum bestehenden denkmalgeschützten Fabrikgebäude. Nach Abschluss des Wettbewerbs werde das Siegerprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Gemäss Plänen könnten auf diesem Teilareal noch weitere 200 Wohnungen entstehen.

Die Wohnungen auf den Feldern Park und Platz werden sich im mittleren Preissegment befinden. Wie teuer die Überbauung die Realstone SA zu stehen kommt, will diese nicht bekannt geben. Auf einem Dokument des Architekturbüros Bauart Architekten und Planer AG ist jedoch alleine für das Baufeld Platz ein Betrag von 77,6 Millionen Franken vermerkt.

Des Weiteren plant die Eigentümerin eine Passerelle, die das Areal mit dem Bahnhof Oberdorf verbinden soll. «Hier sind wir im Austausch mit der SBB und der Gemeinde Horgen», sagt Venetz.

Bei der Gemeinde ist man grundsätzlich erfreut, dass dem Industrieareal Leben eingehaucht wird. «Es bedeutet jedoch auch, dass wir genügend Infrastruktur für die Bewohner bereitstellen müssen», sagt Beat Nüesch (FDP), Gemeinderat und Vorsteher Hochbau. «Positiv ist, dass das Areal nahe am Bahnhof Oberdorf liegt», sagt er. Daher erwarte der Gemeinderat nur ein geringes zusätzliches Verkehrsaufkommen im Gebiet. Das bedeutet jedoch, dass der Bahnhof Oberdorf stärker frequentiert würde. Schon länger bestehen von verschiedenen Seiten Forderungen, den in die Jahre gekommenen und nicht behindertengerechten Bahnhof umzubauen. «Wir führen mit den SBB immer wieder Gespräche», sagt Beat Nüesch. Gemäss SBB soll der Bahnhof voraussichtlich 2025 behindertengerecht werden.

Erstellt: 12.07.2019, 17:49 Uhr

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