Wädenswil

Happy End mit Russspuren

Vor knapp einem Jahr stand die Familie Graf vor dem Nichts. Ihre Habseligkeiten fielen einem verheerenden Schwelbrand zum Opfer. Jetzt konnte die Familie wieder in ihr einst niedergebranntes Heim ziehen.

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Vergangenen Herbst musste Silvio Graf von der anderen Seeseite her zusehen, wie sich seine Wohnung in Wädenswil in Rauchschwaden auflöste. Vom Dach seiner Arbeitsstelle in Stäfa sah er eine riesige Rauchsäule in die dichten Herbstwolken aufsteigen. «Wie ein Atompilz sah es aus», erinnert er sich an den 31. Oktober 2016. Der Rauch stieg von seiner Wohnung an der Meierhofstrasse auf. Renovationsarbeiten hatten einen Schwelbrand ausgelöst, der innert kurzer Zeit die gesamte Wohnung im Mehrfamilienhaus in Schutt und Asche legte.

Kürzlich konnte die junge Familie wieder in ihr niedergebranntes Heim ziehen. Wo einen Anfang November noch ein Bild der Zerstörung empfing; das Dach in Fetzen hing, russige Wände das Tageslicht schluckten und sich Berge verkohlten Mobiliars auf dem Boden häuften; findet der Besucher nun eine helle, aufgeräumte Wohnung.

Balken nicht ersetzt

Kaum etwas erinnert an den Brand. Nur wer genau hinschaut — oder riecht —, entdeckt noch Spuren des Feuers: Das Deckenlicht im Gang weist vage Russspuren auf, auf dem Dach des Hauseingangs liegen zerbrochene Dachziegel und im Schlafzimmer der Eltern verbreiten die unter frisch aufgetragener Farbe angesengten Balken den unverwechselbaren Geruch von Rauch. Sie wurden nicht erneuert, über einen Ersatz muss noch verhandelt werden.

In der ersten Nacht in der «neuen alten» Wohnung, wurde Sandra Graf von Erinnerungsfetzen an den Brand eingeholt. «Doch jetzt überwiegt die Freude, wieder in unserer Traumwohnung angekommen zu sein», sagt sie.

Davor fand die Familie nach einer zähen Suche schliesslich eine Wohnung zur Zwischennutzung. Im selben Quartier wie die vom Brand gezeichnete Wohnung — so nah, dass die Familie die Renovationsfortschritte direkt vom Balkon aus beobachten konnte.

Der Brand vor knapp einem Jahr zerstörte den gesamten Dachstock des Mehrfamilienhauses in der Meierhofstrasse in Wädenswil. Video: ham/far.

Phönix aus der Asche

Für Silvio Graf fühlt sich der Umzug wie der lang ersehnte Neuanfang an: «Endlich kann ich wieder nach vorne schauen. Ich fühle mich nicht mehr so blockiert wie in der Zwischenwohnung.» Noch ist die eben bezogene Wohnung spärlich eingerichtet. Das Bettgestell besteht aus Industriepaletten, das Sofa, Küchentisch und -stühle sind Gaben einer Dame aus Richterswil.

Das Schicksal der Familie Graf bewegte nicht nur die Stadt Wädenswil, sondern Bewohner rund um den See. Auf Berichte der «Zürichsee-Zeitung» hin bezeugten Dutzende Leser ihre Solidarität, indem sie Wohnungstipps schickten, Spielzeug, Kleider und Einrichtungsgegenstände anboten. «Wir sind unglaublich dankbar dafür», betont Sandra Graf.

Materielles verliert an Wert

Trotzdem: Einen solchen Schicksalsschlag würden Silvio und Sandra niemandem wünschen. «Die frisch renovierte Wohnung ist nur ein kleines Trostpflaster für eine wirklich schwere Zeit», gibt die Wädenswilerin zu bedenken. Viele Projekte mussten hinten anstehen, wertvolle Zeit ging verloren. In die Phase, geprägt von Turbulenzen und Strapazen, fiel obendrein die Geburt des zweiten Sohnes.

«Wir haben gelernt, weniger Wert auf Materielles zu legen», antwortet Silvio Graf auf die Frage, wie ihn der Verlust all ihrer Besitztümer geprägt habe. Die gemeinsame Zeit als Familie würden sie jetzt höher gewichten, pflichtet ihm seine Frau bei: «Schön war, zu erleben, wie die Familie als Team zusammenhält, wie das Unglück einander zusammenschweisst.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.08.2017, 17:15 Uhr

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