Adliswil

Hässliche Bäume machen den Wald vielfältiger

Biotopbäume tragen viel zur Biodiversität in Wäldern bei. Nun fördern Bund und Kanton den Erhalt solcher Bäume. Auch im Adliswiler Kopfholz stehen einige Biotopbäume.

Diese alte Buch soll als Biotopbaum geschützt werden. Die blaue Markierung zeigt an, dass sie als Kandidat für die Auszeichnung in Frage kommt.

Diese alte Buch soll als Biotopbaum geschützt werden. Die blaue Markierung zeigt an, dass sie als Kandidat für die Auszeichnung in Frage kommt. Bild: Sabine Rock

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Tote Äste, Blitzrinnen, Wucherungen, parasitische Strukturen - Werden solche Begriffe für Bäume gebraucht, klingt das besorgniserregend. Doch eigentlich ist es das genaue Gegenteil. Denn wenn alte Bäume so gezeichnet sind, werden sie zu wertvollen Lebensräumen für allerlei Pflanzen und Tiere. Sie werden dann als Biotopbäume bezeichnet. Sie tragen zur Biodiversität in den Wäldern bei, weshalb der Erhalt dieser Bäume vom Bund und den Kantonen unterstützt wird .

Im Adliswiler Kopfholz zeigt Kreisforstmeister Jürg Altwegg auf eine alte Buche. Sie ist mit einem blauen Strich gekennzeichnet. Den hat Revierförster Damian Wyrsch, der neben ihm steht, zuvor angebracht. Er möchte den Baum gerne als Biotopbaum klassifizieren. Die Buche hat einen Durchmesser von einem Meter. Um als Biotopbaum in Frage zu kommen, müssen Laubhölzer mindestens 60 Zentimeter und Nadelhölzer mindestens 70 Zentimeter dick sein. Der Durchmesser ist auch ein Zeichen von Alter: «Je älter desto wertvoller ist der Baum», erklärt Jürg Altwegg. Arten, die auf Altholz wachsen, wie gewisse Pilze und Flechten, bräuchten Jahrzehnte um zu wachsen.

Ideal für Insekten

Die Buche im Kopfholz weist Verletzungen auf und in der Höhe lassen sich dürre Äste erahnen. «Die raue Borke fungiert als Versteck für Insekten», erklärt Jürg Altwegg. Zu sehen ist vom vielfältigen Mikrokosmos allerdings nicht viel. «Wir nehmen aufgrund von Erfahrungswerten an, dass die Tiere da sind, doch gesichert ist es nicht», sagt Damian Wyrsch.

Eine Insektenart die von Biotopbäumen profitiert, ist die Hirschkäferlarve. Die Larven ernähren sich über Jahre hinweg von verrottendem Holz, sogenanntem Mulm. Daher sind alte Baumhöhlen für sie gemäss Jürg Altwegg das ideale Habitat.

Revierförster Damian Wyrsch, Stadträtin Carmen Marty Fässler und vom Kreisforstmeister Jürg Altwegg (von links nach rechts). Bild: Sabine Rock

Ab vom Schuss

Der Waldeigentümer wird jeweils für die Ausscheidung eines Baumes als Biotopbaum entschädigt, denn er kann den Baum nicht mehr verwerten. In der Stadt Adliswil, unter anderem Eigentümerin des Kopfholzes, steht man hinter dem Projekt, wie Stadträtin Carmen Marty Fässler (SP) erklärt, die den Biotopbaum ebenfalls besichtigt. «Die Biodiversität ist heutzutage in aller Munde, nun geht es auch darum den Begriff mit Inhalten zu füllen.» Darum versuche die Stadt die Informationen bezüglich des Waldes mit Aktionen wie dem Waldtag oder Angeboten für Schulen möglichst weit zu streuen. «Man merkt, dass die Leute interessiert sind.»

«Die Biodiversität ist heutzutage in aller Munde, nun geht es auch darum den Begriff mit Inhalten zu füllen.»Stadträtin Carmen Marty Fässler (SP)

Allerdings befinden sich die Biotopbäume abseits von Wegen, Häusern oder Wiesen. Schliesslich lässt man sie stehen bis sie umfallen und danach geben sie als Totholz immer noch vielen Organismen einen Lebensraum. Zudem möchte die Baudirektion des Kantons Zürich einen sogenannten Biotopbaumtourismus verhindern, denn die seltenen Tiere, die sich dort ansiedeln sollen in Ruhe gelassen werden. Daher hat man beim Kanton entschieden, auf ein auffällige Markierung zu verzichten. Stattdessen wird für jeden Baum einen kleine Plakette mit der Aufschrift «Biotopbaum» und dem Kantonssignet gefertigt, die an einem kleinen Pfahl neben dem Baum befestigt wird. Das ermöglicht auch den Forstmitarbeitern auf den ersten Blick zu erkennen, dass dieser Baum geschützt ist.

Wenn Förster Damian Wyrsch an seiner Pfeife paffend die Buche anschaut, fühlt er eine besondere Wertschätzung für seine Vorgänger. «Das Alter dieses Baumes zeigt, dass sich die letzten drei bis vier Förstergenerationen aufgrund seines wertvollen Beitrags zur Biodiversität bereits für ihn eingesetzt haben.» Lange bevor es eine offizielle Plakette dafür gab.

Erstellt: 26.08.2019, 14:43 Uhr

Kantonales Förderprogramm

Der Kanton Zürich motiviert Waldbesitzer mit finanzieller Unterstützung zum Erhalt von Biotopbäumen.

Bund und Kantone sind bemüht, die Biodiversität in den Schweizer Wäldern zu erhöhen. Ein Mittel dazu ist der Schutz von sogenannten Biotopbäumen, auch Habitatbäume genannt. Es sind meistens dicke, alte Bäume (mindestens 60 Zentimeter Durchmesser für Laubholz, mindestens 70 Zentimeter für Nadelholz). Sie bilden den Lebensraum für spezifische Organismen, seien es Pflanzen oder Tiere. Nebst dem Durchmesser gibt es weitere entscheidende Kriterien wie das Vorkommen von Höhlen, Totholz, Ausflüssen oder Wucherungen am Baum.

Seit Anfang letzten Jahres zahlt der Bund 250 Franken für jeden Baum, der innerhalb eines Wirtschaftswaldes als Biotopbaum stehen gelassen wird. Der Kanton Zürich ergänzt diese Zahlung, sodass ein Waldeigentümer schlussendlich mit insgesamt 500 Franken pro Baum entschädigt wird. Die Entschädigung ist nötig, weil der Baum auch nach seinem Tod im Wald verbleiben soll und dem Waldeigentümer so ein Verdienst entgeht. Kanton und Waldeigentümer schliessen einen Vertrag ab, der den Erhalt des Baumes sichert.

Letztes Jahr wurden gemäss der Baudirektion des Kantons Zürich im Bezirk Meilen fünf und im Bezirk Horgen 25 Biotopbäume ausgeschieden. Daten für 2019 sind noch nicht verfügbar. Ziel ist es im Kanton Zürich pro Hektar drei bis fünf Biotopbäume zu sichern.

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