Langnau

Grosse Bühne für eine kleine Langnauerin

Weitsprung, Weitwurf, Sprint – und das vor grossem Publikum: Der Samstag ist für die fünfjährige Emma aus Langnau kein gewöhnlicher. Das Mädchen mit Trisomie 21 misst sich am Down-Sportlerfestival in Frankfurt mit anderen Kindern.

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Ja, Velofahren, das mache sie gern. Und schon hält die fünfjährige Emma den hellblauen Helm mit Delfinsujet in den Händen. Setzt ihn sich auf den Kopf und behändigt ihr pinkfarbenes Trottinett, das ihr der Vater mit einer Sitzkonstruktion aus Holz zu einem Laufrad umfunktioniert hat. Wenig später saust sie einige Meter auf der leicht abschüssigen Quartierstrasse vor ihrem Elternhaus in Langnau auf ihrem Gefährt bergab. Kurz nur scheint ihr bange zu werden vor dem Tempo. «Bremsen musst du mit den Füssen», ruft ihr die Mutter, Elke Edel, zu – um kurz darauf ihre sichtlich stolze Tochter in einer liebevollen Umarmung aufzufangen.

Dass Emma kaum, wie vor einigen Tagen, von ihrem Rad zu trennen ist, hat sich erst jüngst entwickelt. Lange noch hat ihr das Halten des Gleichgewichts zu schaffen gemacht. Und dies nicht nur beim Velofahren: Das selbstständige Gehen beherrschte sie erst als Dreieinhalbjährige. Denn Emma ist mit dem Downsyndrom, auch Trisomie 21 genannt, geboren. Manches in ihrer Entwicklung läuft verzögert. Heute Samstag aber wird sie sich im Weitsprung aus dem Stand, dem Kurzdistanzlaufen über 25 Meter und im Weitwurf mit anderen Kindern messen: Sie nimmt in Frankfurt am 15. Deutschen Down-Sportlerfestival teil, einem Anlass für Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom und deren Familien.

Gibt es in der Schweiz nicht

Freilich geht es bei der Veranstaltung in erster Linie darum, Spiel und Spass zu erleben. Für den einen oder anderen Teilnehmenden ist es wohl auch wichtig, beim Wettbewerb möglichst gut abzuschneiden.

Immerhin ist das Publikum mit den 520 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ihr sportliches Können unter Beweis stellen, und den mindestens doppelt so vielen Begleitpersonen, riesig. Tanzkurse, Modeschauen, Einführungen in verschiedene Sportarten von Volleyball über Golf bis Judo machen unter anderem das Rahmenprogramm aus, derweil sich die Eltern etwa in Vorträgen über Gesundheitsthemen weiterbilden – und untereinander ihre Erfahrungen austauschen.

Auch Elke Edel hofft, neue Kontakte zu knüpfen. Bis jetzt hat sie vor allem über das Internet Verbindung zu anderen Familien mit Trisomie-21-Kindern. Etwa über die Schweizer Organisation Insieme 21, die als Informationsplattform über die Behinderung gilt, wie auch über deutsche Blogs. Über einen solchen hat sie denn auch von dem Festival erfahren.

In der Schweiz gibt es derzeit keinen Sportanlass ausschliesslich für Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom. Dies bestätigt Ruth Tejada, Präsidentin von Insieme 21. Hierzulande existierten dagegen Angebote, die sich an Menschen mit verschiedenen Behinderungen richten – etwa die Special Olympics oder Anlässe von Plussport und Procap. Nur für Trisomie-21-Betroffene kenne man regionale Angebote, erläutert Tejada, oder spezialisierte, wie das Tanzprojekt Enea 21.

Freude steht im Zentrum

Wie Emma auf das ungewohnte Ambiente reagiert, ist für ihre Mutter vor dem Festivalbesuch schwer abzuschätzen. «Früher stellte Lärm ein Problem für sie da», sagt Elke Edel, «und gegenüber anderen Menschen war sie eher zurückhaltend». Im letzten Jahr aber habe dies ziemlich geändert. «Wir schauen einfach mal, wie ihr der Sporttag mit den vielen Kindern gefällt“» meint die 40-jährige gebürtige Deutsche. «Wichtig ist uns vor allem, dass sie Freude hat». Und dies nicht nur im Sport: Wo immer möglich würde sie und ihr Mann ihre Tochter Emma im Alltag auf spielerische Weise fördern, sei es beim Einkaufen, bei ersten Leseübungen oder mit Gesellschaftsspielen.

«Einfach mal schauen»Das ist das Motto von Elke und Sascha Edel seit der Geburt ihrer Tochter. Kein Test während der Schwangerschaft hat Emmas Behinderung vorausgesagt. Der Schock sei indes bereits nach einem Tag verarbeitet gewesen. Um einem «lustigen und produktiven» Familienleben zu weichen, wie Emmas Mutter sagt, mit Blick auf ihre Tochter, die derweil munter eine Geschichte vor sich hin erzählt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 17:17 Uhr

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