Thalwil

Gerüchte über angeblich skrupellosen Betreiber von Fitnesscenter

Die Kunden des Thalwiler Fitnesscenters «fitart» stehen vor verschlossenen Türen: Der Inhaber ist unerwartet in Konkurs gegangen. Hat er trotzdem kurz vor der Pleite noch Abos verkauft?

Das Fitnessstudio an der Seestrasse ging Konkurs. Gerüchte, wonach der Inhaber trotz bevorstehendem Konkurs noch Abos verkaufte, lassen sich nicht erhärten.

Das Fitnessstudio an der Seestrasse ging Konkurs. Gerüchte, wonach der Inhaber trotz bevorstehendem Konkurs noch Abos verkaufte, lassen sich nicht erhärten. Bild: Screenshot Google Street View

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«Fitnesscenter verkauft Abos und schliesst unvermittelt». So heisst es in der neusten Ausgabe des Magazins Fitness Tribune. «Klammheimlich» habe das «fitart» Fitnesscenter an der Seestrasse 99 in Thalwil seine Türen dicht gemacht. Bis kurz vor Ende habe Geschäftsführer Thomas Siegenthaler «die Kunden noch mit Aktionen geködert» und ihnen Jahresabonnemente verkauft, steht weiter in der Fitness Tribune.

Doch treffen die Vorwürfe der Fitness Tribune zu? Wie eine ehemalige Angestellte sagt, war sie überrascht von der Mitteilung, dass das «fitart» schliesst. «Am 23. November haben wir beim Mittagessen erfahren, dass das «fitart» zugeht und wir arbeitslos sind», sagt Sybille Yilmaz, die den Kinderhort im «fitart» leitete. Am Tag darauf schloss das «fitart» seine Türen für immer. Für Yilmaz war die Mitteilung besonders einschneidend, denn sie hatte mit dem «harten Kern» der Angestellten 22 Jahre lang in einem anderen Fitnesscenter zusammengearbeitet und mitgeholfen, das «fitart» an der Seestrasse aufzubauen.

Inhaber verteidigt sich

Auch für die Kunden kam die Schliessung überraschend: «Wir erhielten keine Informationen, dass wir nicht länger hier trainieren können», sagt Koray Senel. Er sieht das Ganze jedoch pragmatisch: «Mein Abo läuft demnächst aus, daher ärgere ich mich nicht.»

Zutreffend ist auch der Vorwurf, dass Thomas Siegenthaler auf der Website des Fitnessstudios bis zur Schliessung des Fitnesscenters für Abos warb; die Aktion war sogar im Dezember noch online, als das «fitart» bereits geschlossen war. «Bis Ende November profitieren, einen Monat gratis trainieren», wurde Kunden versprochen, die bis am 30. November ein Jahresabo lösten. Für ein Jahresabo verlangte «fitart» 1200 Franken, ein Fitness Power Plate Personaltraining für ein Jahr kostete 7500 Franken. Inzwischen sind auf der besagten Website alle relevanten Informationen gelöscht – darunter auch die Fitnessabo-Aktion.

«Wir aber schon seit Anfang November keine Abonnemente mehr verkauft.»Geschäftsführer Thomas Siegenthaler

«Es mag auf der Website gestanden haben, dass man noch Jahresabos erwerben kann. In Tat und Wahrheit haben wir aber schon seit Anfang November keine Abonnemente mehr verkauft», sagt Thomas Siegenthaler zu seiner Verteidigung. Schon im Sommer habe sich abgezeichnet, dass es schwierig werden würde, den Betrieb weiterhin rentabel zu führen. «Schweren Herzens» habe der Verwaltungsrat Ende November deshalb den «Vernunftsentscheid» gefällt, dass es fahrlässig wäre, das Fitnesscenter weiterzuführen und die Angestellten informiert. Siegenthalers Auskunft zufolge hat er für seine Gäste Lösungen gesucht, damit sie mit den bestehenden Abos in den umliegenden Fitnesscentern weitertrainieren können. Die Dichte an Fitnesscentern sei rund um Zürich sehr gross, sagt Siegenthaler. «Gute Mitglieder zu erhalten ist deshalb für ein Fitnesscenter viel wert». Er versichert: «Keines unserer Mitglieder, das weiter trainieren will, hat Geld verloren.»

Bisher keine Beschwerden eingegangen

Wie Notar Werner Wenger bestätigt, hat Siegenthaler die Insolvenzerklärung für das «fitart» eingereicht. Am 28. Januar dieses Jahres wurde der Konkurs eröffnet – zehn Jahre nach dem Handelsregistereintrag. Da Siegenthalers Firma «The Art of Fitness SA» ihren Sitz in Gossau hatte, ist das Konkursamt Grüningen dafür zuständig. Wie Wenger sagt, können Gläubiger noch bis am 17. März ihre Forderungen einreichen. Das Vorrecht auf den Erlös der Einrichtung des Fitnesscenters hat der Vermieter, anschliessend die Arbeitnehmer. Als zweites werden Abgaben der Sozialversicherung gedeckt und erst an letzter Stelle kommen Lieferanten und Abonnenten. «Ich habe bereits einige Telefonanrufe von Kunden des «fitart» erhalten, die sich nach dem Konkurs erkundigten», sagt Wenger. Beschwert, dass er auf einem Abonnement sitzengeblieben ist, habe sich bisher jedoch niemand. «Ich halte die Begründung von Thomas Siegenthaler deshalb vorerst für plausibel», sagt Wenger. Das Konkursverfahren befinde sich noch im Anfangsstadium und wie der Verwaltungsrat gehandelt habe, müsse er noch prüfen. Ein Käufer für die Einrichtung werden noch gesucht.

Dass Fitness- Einzelcenter es schwer haben ist nichts Neues: Weil die Kettenbetriebe ihre Standorte stark erweiterten, sei es für viele Einzelcenter-Besitzer schwieriger geworden, sich im Markt zu behaupten, sagt Roland Steiner vom Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verband. Meldungen, dass kleine Fitnessstudios eingehen, häufen sich – auch in der Region. So ging vor drei Jahren in Rüschlikon von einem Tag auf den anderen das Fitnessstudio Labas an der Weingartenstrasse in Konkurs. Fitness-Mitglieder wie Angestellte fanden sich vor verschlossener Tür. Der Besitzer war für die Kunden nicht erreichbar. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.03.2019, 14:32 Uhr

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