Verkehr

Gemeinden wehren sich für die SBB-Tageskarte

Die ÖV-Branche möchte die günstige SBB-Gemeindekarte abschaffen. Doch diese Idee kommt bei den Gemeinden in der Region schlecht an. Sie wollen diesen Dienst für die Einwohner unbedingt erhalten und formieren Widerstand.

Täglich nutzen fast 5000 Personen in der Schweiz das günstige Reiseangebot mit der SBB-Gemeindetageskarte.

Täglich nutzen fast 5000 Personen in der Schweiz das günstige Reiseangebot mit der SBB-Gemeindetageskarte. Bild: Keystone

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Die Idee ist einfach: Für wenig Geld einen Tag die Schweiz kreuz und quer mit Bahn, Bus und Schiff bereisen. Seit die SBB dieses «unpersönliche Generalabonnement für einen Tag» vor rund 20 Jahren eingeführt hat, ist es eine Erfolgsgeschichte.

Die Gemeinden haben sich rasch nach Einführung der Tageskarte in den Werbedienst für den öffentlichen Verkehr gestellt. Sie kaufen zu 14000 Franken ein Paket mit 365 Tageskarten. Diese bieten sie auf Reservationsbasis der Bevölkerung an. Das kostet je nach Stadt und Gemeinde zwischen 40 und 45 Franken, egal ob man ein Halbtax-Abo besitzt. Täglich fahren fast 5000 Personen mit diesen SBB-Gemeindetageskarten durchs Land.

Hohe Auslastung

Der Branche des öffentlichen Verkehrs ist dieser Erfolg offenbar nicht mehr geheuer. Sie wälzt Pläne zur Abschaffung der Gemeinde-Tageskarte, weil sie die 2017 lancierte Sparkarte konkurrenziert. Die Gemeinden und Städte in den Bezirken Meilen und Horgen, wo mit Ausnahme von Oberrieden alle mehrere Gemeindekarten anbieten, kritisieren diese Absicht.

Gaudenz Schwitter (FDP), Gemeindepräsident in Herrliberg, würde eine Abschaffung «sehr bedauern, die Tageskarten sind bei der Bevölkerung beliebt». Der Adliswiler Stadtpräsident Farid Zeroual (CVP) betrachtet das Angebot als «eine attraktive Dienstleistung, die geschätzt und genutzt wird». Die Auslastung betrage in Adliswil über 90 Prozent, in den Sommermonaten sogar nahe 100 Prozent.

Auch in Wädenswil und Herrliberg finden die Tagestickets zu 95 Prozent Abnehmer, in Meilen waren es im Vorjahr 97,2 Prozent. Lediglich in Hombrechtikon sei bei aktuell 90 Prozent eine «abnehmende Tendenz» feststellbar, wie Rainer Odermatt (FDP) mitteilt. Für den Gemeindepräsidenten sind die Tageskarten wichtig: «Wir fördern die Benützung des öffentlichen Verkehrs.»

Weder Gewinn noch Verlust

Für den Meilemer Gemeindepräsidenten Christoph Hiller (FDP) sind die Billettte «kein Pflichtangebot des Service public, aber eine sinnvolle, attraktive und beliebte Kür.» Zudem stehe es Meilen mit dem Label Energiestadt Gold gut zu Gesicht, wenn es Anreize zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs biete. Die Gemeinden verdienen weder mit den Tageskarten etwas, noch verlieren sie Geld damit. Herrliberg zum Beispiel kosteten die vier Billette im Vorjahr 66500 Franken, eingenommen wurden 66300 Franken. Schwitter nennt es daher ein «Nullsummenspiel». Für den Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) steht zudem ein anderer Wert zuvorderst: «Es ist eine Leistung, die im Dienste der Einwohnerinnen und Einwohner sehr gerne erbracht wird.»

«Das ist ein falsches Signal. Es erweckt den Eindruck, dass kein Interesse am Umstieg auf den ÖV besteht.»Jörg Kündig
Präsident Gemeindepräsidentenverband Zürich

«Eine Abschaffung dieses Angebots würde weder vom Gemeinderat noch von der Bevölkerung verstanden», sagt Christoph Hiller. Den Kampf sollen aber andere führen. Auf kantonaler Ebene ist das der Gemeindepräsidentenverband Zürich (GPVZH). Dessen Präsident und Kantonsrat Jörg Kündig (FDP, Gossau) setzt sich für die SBB-Gemeindekarten ein. «Die Gemeinden helfen so, auf preiswerte Art und Weise Jung und Alt, Arm und Reich, die Schweiz per Bahn zu erkunden» Zudem sei es für ältere Leute einfacher, die Karte zu beziehen, als ein Sparbillett online bei der SBB zu suchen, erklärt er. Der Dienst trage zum positiven Image der Gemeinden bei. Für die Einwohnerkontrolle ergebe sich ein geschätzter direkter Kontakt mit der Bevölkerung im Zeitalter der Digitalisierung.

Die Gemeinden leisteten einen wertvollen Beitrag zum Umstieg auf die Bahn. In einer Zeit, in der Umweltthemen so stark präsent seien, stelle eine Abschaffung der Gemeindekarten für Kündig ein falsches Signal dar. «Es erweckt den Eindruck, dass kein Interesse am Umstieg auf den öffentlichen Verkehr besteht.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.05.2019, 16:46 Uhr

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