Zürichsee

Gastroberater soll ZSG-Gastronomie aufpeppen

Fischchnusperli und Schnitzel mit Pommes sind die Renner auf Zürichseeschiffen. Weil die ZSG aber auf mehr Einnahmen aus der Gastronomie angewiesen ist, wurde dem Pächter ein Berater zur Seite gestellt.

Die Tische sollten voll mit Gästen sein: Die Gastronomie auf dem Zürichsee soll besser ausgelastet sein.

Die Tische sollten voll mit Gästen sein: Die Gastronomie auf dem Zürichsee soll besser ausgelastet sein. Bild: Archiv Sabine Rock

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Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) muss mehr Einnahmen generieren. Das will der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) nach der Abschaffung des Schiffszuschlags. Ein Bereich, in dem die ZSG mehr Geld herausholen kann, sind Extrafahrten und die Gastronomie. Je mehr konsumiert wird, desto mehr Pachtzins muss die R.T. Gastro der ZSG abliefern. Um bei den Restaurants noch besser zu wirtschaften, hat der ZSG-Verwaltungsrat Pächter Roland Thalmann einen Berater zur Seite gestellt. Man wolle «mehr Saisonales mit wechselnden kreativen Angeboten, Junge besser ansprechen, einfach etwas frischen Wind», sagt ZSG-Verwaltungsratspräsident Peter Weber.

Die Gastronomie hat auf dem See eine bewegte Geschichte hinter sich: 2002 beendete ein Gastrounternehmer seinen Pachtvertrag vorzeitig, weil die Chemie mit der ZSG nicht stimmte. Die Nachfolgerfirma R.T. Gastro stand im Schiffsfünfliber-Jahr 2017 wegen sinkender Passagierzahlen am Rande des Abgrunds: Der Umsatz brach ein, Personal musste entlassen werden. Im Verwaltungsrat wurde gar über die Gefahr eines Konkurses diskutiert. Der ZVV versuchte die Folgen des Umsatzeinbruchs zu mildern, indem er der ZSG ein höheres sogenanntes Leistungsentgelt zahlte. So konnte das Schifffahrtsunternehmen den Pachtzins temporär senken.

Ohne Direktor

Und trotzdem hat sich dieses Jahr das Verhältnis zur Gastronomie nachhaltig verändert. Seit Anfang 2018 ist ZSG-Direktor Roman Knecht nämlich nicht mehr im Verwaltungsrat der Gastronomiefirma, wie er und sein Vorgänger das über Jahre waren. Roman Knecht erklärt: «Wir mussten uns Ende 2017 auf ein weiteres, für die Gastronomie einschneidendes Jahr mit weniger Passagieren einstellen.» Und weiter: «Als Verwaltungsrat bei R.T. Gastro hätte ich die Umsetzung der durch die ZSG formulierten Ziele und Aufträge verantworten sollen. Beidem konnte ich nicht gerecht werden.» In Absprache mit dem Verwaltungsrat habe er sich auf seine eigentliche Aufgabe als Direktor fokussiert. Knecht stellt aber klar: «Die operative Absprache zwischen der R.T. Gastro AG und der ZSG ist nach wie vor wichtig und intakt.»

Ganz so einfach ist das Verhältnis aber nicht immer: Für den Gastroberater muss nämlich Roland Thalmann in die Tasche greifen – obwohl die ZSG Auftragnehmerin ist – «und so das Mandat auch durchsetzen», wie es in einem Protokoll des Verwaltungsrats heisst, das dieser Zeitung vorliegt. «Am Schluss haben wir uns die Kosten geteilt», sagt Verwaltungsratspräsident Peter Weber. Laut dem Protokoll geht es um Kosten zwischen 10'000 und 30'000 Franken. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz der Gastronomie erstmals seit 2014 wieder über 10 Millionen Franken. Die entlassenen Mitarbeiter konnten wieder eingestellt werden.

Neue Karte in Diskussion

Wie fest sich die Karte wirklich verändert, ist noch offen. Diesen Sommer hat die ZSG auf der grossen Rundfahrt ein Curry des vegetarischen Restaurants Hiltl serviert. Auf der Karte stehen sonst Dauerbrenner wie Fischchnusperli und Schnitzel mit Pommes. Peter Weber weiss um die Krux: Diese Gerichte laufen gut und bringen Umsatz. «Und wenn ich mit meiner Mutter auf dem Schiff unterwegs bin, dann bestellt sie wie eh und je das Lachsplättli.»

Auch wenn sich Weber noch mehr moderne Gerichte – etwa ein Apéroplättli mit Oliven und Käse – wünscht, mache Thalmann seine Sache sehr gut. «Die jungen Leute in seiner Geschäftsführung sind für die Entwicklung sehr positiv», sagt Weber. Pächter Roland Thalmann verspricht, dass auf die neue Saison die Karte sowohl optisch als auch inhaltlich etwas verändert wird. Auch weitere Sprachen der Menüs würden diskutiert, um noch mehr Gäste anzusprechen. So sei etwa eine indische Speisekarte denkbar.

Vertrag läuft 2022 aus

Klar ist: Die ZSG muss sich mittelfristig noch vertieftere Gedanken über die Gastronomie auf dem See machen. Der Pachtvertrag mit der R.T. Gastro läuft 2022 aus. «Ob man den Vertrag verlängern will oder einen neuen Pächter sucht, werden wir bald schon bald im Verwaltungsrat diskutieren», sagt Weber.

Erstellt: 11.10.2019, 17:26 Uhr

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